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Amtsgericht

Zwist mit Sohn bekümmert Senior

31.07.2012 | 18:12 Uhr
Zwist mit Sohn bekümmert Senior

Dortmund.   Wegen Betrugs musste sich am 31. Juli 2012 ein 68-jähriger Kaufmann vor dem Amtsgericht verantworten. Doch das Verfahren um nicht bestellte Ware in dem Familienbetrieb wurde eingestellt. Freuen konnte sich der Mann trotzdem nicht so richtig: Ihn bekümmert vor allem der Zwist mit seínem Sohn.

Ein alteingesessener Familienbetrieb in der Branche Fensterbau, geleitet von Vater und Sohn. Zusammen überstand man gute und schlechte Zeiten, doch das letzte Jahr war kein gutes für den 68-Jährigen. Dass dem bisher unbescholtenem Kaufmann eine Anklage wegen Betrugs ins Haus flatterte, war für ihn schon schlimm. Noch mehr, so zeigte sich gestern im Prozess vor dem Amtsgericht, leidet er jedoch unter dem Bruch mit seinem Sohn.

Doch zunächst zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft: Demnach hat der 68-Jährige bis zum Sommer 2011 als Geschäftsführer eine andere Firma aus Bochum mit dem Kleben von Folien beauftragt. Die Ware wurde geliefert, aber nicht vom Angeklagten bezahlt. Schaden: rund 3000 Euro. Damals hatte die AWO Sonnenschutzfolien bekommen, die Polizeiwache Mitte dagegen spezielle Sicherheitsfolien.

„Ich war doch nur ausführendes Organ“

Dass er eine branchenähnliche Firma betrogen haben soll, war dem alteingesessenem Kaufmann sichtlich unangenehm. „Ich war bei der Abwicklung doch nur ausführendes Organ, mein Sohn als Chef war in Amerika“, begann er. „Und er sollte ja auch nur ein halbes Jahr drüben bleiben und längst wieder hier sein, aber dann hat er da diese Steuerberaterin kennengelernt.“ Und damit, so jedenfalls ist das Familienoberhaupt überzeugt, begann, was den 68-Jährigen noch heute beschäftigt und mitnimmt: Der Zwist mit seinem Sohn.

„Plötzlich meldete er sich nicht mehr, dafür bekam ich einen Brief von einem Berliner Anwalt: Darin entzog mir mein Sohn sämtliche Vollmachten für die Firma“, erzählt der Senior sichtlich betrübt und legt dem Gericht eine Kopie des anwaltlichen Schreibens vor.

Aufenthalt im Krankenhaus

Zeitgleich „kam dann noch der blöde Bypass, ich musste ins Krankenhaus.“ Ganz allein habe er die Firma gemanagt, habe nicht gewusst, wo ihm der Kopf stand. „Steuern liefen auf, und eben Rechnungen.“

Mittlerweile geht es dem 68-Jährigen gesundheitlich besser, seit Mai ist er Chef seiner eigenen kleinen Firma. Da ihn, was den Betrugsvorwurf betrifft, nur eine kleine Schuld trifft, stellte Amtsrichter Erhard Heinrichs das Verfahren ein.

Vergleich verhindert zusätzliches Zivilverfahren

Zur Vermeidung eines zusätzlichen Zivilprozesses wurde per Adhäsionsverfahren mit der Folienfirma folgender Vergleich geschlossen: Der Senior zahlt in monatlichen Raten 2500 Euro, dafür ist der Rechtsstreit vom Tisch.

Erleichtert verließ der 68-Jährige den Gerichtssaal, so richtig fröhlich wirkte er dabei nicht. Seinen schlimmsten Kummer kann ihm kein Jurist nehmen.

Kathrin Melliwa


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