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Netto will Profit aus Not der Schlecker-Mitarbeiterinnen schlagen

31.05.2012 | 06:00 Uhr
Netto will Profit aus Not der Schlecker-Mitarbeiterinnen schlagen
„Wissen Sie, wie die Mitarbeiterinnen sich fühlen?" - die Schlecker-Frauen sind empörtFoto: Franz Luthe

Dortmund.  Schlecker ist vom Markt verschwunden, schon versucht der Wettbewerber daraus Kapital zu schlagen. An einem ehemaligen Schlecker-Laden in Dortmund-Lanstrop warb Netto, dass man gleich nebenan jetzt natürlich günstig bei ihnen einkaufen könne. Für die Schlecker-Mitarbeiterinnen ein Schlag ins Gesicht. Und für die Dortmunder Betriebsrätin „ein Unding“.

Aus den Augen. Aus dem Sinn. Kaum sind die Schlecker-Läden geschlossen , die Mitarbeiterinnen in der Arbeitslosenstatistik untergegangen – da versucht der Wettbewerber, daraus Profit zu schlagen.

Schlecker-Betriebsrätin Gabi Wittig war in Lanstrop über das Plakat gestolpert. Am ehemaligen Schlecker-Laden warb „Netto“ großflächig: Dass ja nun der Schlecker geschlossen sei, aber man ja gleich nebenan bei Netto günstig einkaufen könne... „Wissen Sie, wie die Mitarbeiterinnen sich fühlen? Die, die gegangen worden sind? Aber auch die, die noch dabei sind?“ So erbost, wie Gabi Wittig das – unerlaubt platzierte – Plakat abgerissen hatte, so war sie auch in den Netto-Laden gestürmt. Das, findet sie nämlich, gehört sich einfach nicht. Dass es angeblich niemand war? Und auch niemand gesehen hatte?

"Da werden sie einfach nochmal verbal verramscht"

Die resolute Betriebsrätin winkt ab. Schließlich hatte das Netto-nebenan-Plakatieren ja Methode. In Hagen, Oberhausen , Essen und eben Dortmund, überall da, wo der Discounter in der Nähe zu Schlecker ist, hingen die Plakate. „Da werden sie einfach nochmal verbal verramscht“, schreibt Wittig der Netto-Marketingabteilung zuvorderst mal unanständiges Benehmen ins Stammbuch.

Die Nachrichtenlage rund um die insolvente Drogeriekette ist instabil. Am 1. Juni soll die Entscheidung fallen, ob die Geschäfte Zukunft haben oder die Kette komplett abgewickelt wird. Dann stünden noch einmal 13.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. „Die Mitarbeiterinnen hängen in der Luft. Dabei hat es sich hier in Dortmund positiv entwickelt“. Die Kundschaft sei wieder positiv eingestellt.

Wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Von den 170 bereits von Kündigung betroffenen ehemaligen Mitarbeiterinnen sind bislang nur wenige wieder in Arbeit. Und der Großteil davon beim alten Arbeitgeber. Gabi Wittig nickt: „Die haben so planlos gekündigt, dass in manchen Filialen kein Geschäftsbetrieb mehr möglich war“. Also habe man einige Mitarbeiterinnen aus der Freistellung zurückgepfiffen – betroffen waren davon, so die Betriebsrärin, zwar Geschäfte im Bezirk Dortmund, nicht aber in Dortmund selber.

Und die Chancen der Kolleginnen auf dem Arbeitsmarkt? Achselzucken. Einen richtigen Durchbruch gibt es da wohl noch nicht. Einige wenige sind vermittelt. Andere in Umschulungen. Die meisten kämpfen mit widersprüchlichen Vorurteilen. „Nur“ Frauen. Keine Ausbildung. Kaum Vollzeitstellen. Nicht teamfähig. Überqualifiziert. „Sieht man ja jetzt wieder. Zu Opel rennen sie alle hin ...“

Anja Schröder

Kommentare
01.06.2012
20:11
Netto will Profit aus Not der Schlecker-Mitarbeiterinnen schlagen
von silera | #26

In der Wirtschaft gibt es keine Moral.Da ist sich jeder selbst der Nächste. Aber was hier von einigen Usern losgelassen worden ist beschämt mich doch...
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Netto will Profit aus Not der Schlecker-Mitarbeiterinnen schlagen
Netto will Profit aus Not der Schlecker-Mitarbeiterinnen schlagen
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2012-05-31 06:00
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