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So läuft das Ruhrgebiet beim 4. Vivawest-Marathon

So läuft das Ruhrgebiet beim 4. Vivawest-Marathon

Beim Lauf durch Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck kämpften die Sportler wie immer mit dem inneren Schweinehund – aber auch mit dem schwülen Wetter.

Ruhrgebiet. 

8000 Starter waren schneller als die Uhr: „Bei dem Wetter und der Strecke“, erklärte jedenfalls Europameister Jan Fitschen im Ziel, dürfe jeder zehn Minuten abziehen. „Dann hat man, was die Zeit wirklich wert ist.“ Sehr warm war es beim

Vivawest-Marathon, den viele immer noch „Ruhrmarathon“ nennen. Und auch bei dessen vierter Auflage waren die 42,195 Kilometer vollgestellt mit schweißtreibenden Hügeln.

Die Läufer
Gewonnen hat bei den Männern Elias Sansar. Er blieb mit 2:29 Stunden knapp unter der magischen Grenze von 2:30 (nach Fitschen gerechnet also 2:19 Stunden). Bei den Frauen stellte Sintayehu Kibebo, erst am Vortag nachgemeldet, einen neuen Streckenrekord auf: 2:46:57 Stunden.

Aber natürlich ist bei einem Volkslauf jeder ein Sieger. Etwa Genevieve Liountaroglou-Menzel, an Fybromyalgie erkrankt, das so etwas wie Dauer-Muskelkater macht. Die dreifache Mutter läuft seit einem Jahr aber genau gegen die Schmerzen – und schaffte am Sonntag ihren ersten Halbmarathon. Oder Ralf Buschmann, den die WAZ vorgestellt hatte: Der taubblinde Essener lief mit seinem tauben Begleiter Jörg Rosenbaum und unterbot seine Bestzeit um stolze drei Minuten.

Und absolut alle rund 8000, ob Schülerstaffel-, 10-Kilometer-, Halb- oder Marathon-Läufer, schwitzten ordentlich, ob nun mit Sonne oder ohne.


Das Wetter

Apropos Sonne: Bestzeit-Wetter geht anders. Schon Stunden vor dem Start zeigte das Thermometer 20 Grad, und dabei blieb es nicht. Immer wieder kämpfte sich die Sonne durch die Wolken, und wenn da mal Wind war, kam er bestimmt von vorn.

Weshalb ganze Becher des ausgeschenkten Trinkwassers über Köpfe und in Ausschnitte geschüttet wurden. In Gladbeck stellten Anwohner sogar Duschen auf.


Die Gegend
Dafür ist das Ruhrgebiet bekannt: dass seine Bürger in Gelsenkirchen vor Zechenhäuschen frühstücken und hinter geblümten Tischdecken jubeln. Dass sie auf alte Pötte schlagen und in Bottrop mit verschränkten Armen im Fenster das Laufspiel ansehen.

Dass sie „Guck mal, ‘ne Pinke!“ rufen und eine Frau in Rosa meinen. Oder: „Quäl dich nicht so, Mutta!“ – obwohl sie selbst aussehen wie „Vatta“, der an Sport nicht einmal denkt. Auch das gibt’s nur hier im Revier: dass auf Zollverein einer in Bergmannskluft ins Mikrofon spricht: „Glück auf!“

Die Staffel
„Jan Fischer!“, riefen manche, dabei war es die Jan-Fitschen-Staffel, die an ihnen vorbeiraste. Am Ende landete das Quartett um den ehemaligen Europameister auf Platz fünf. Dabei fand der Startläufer seine Zeit „echt schlecht“. Muss aber abgefärbt haben auf Claudia Johrden, Jörg Südbrack und Thomas Hess, die ihre Plätze bei der WAZ gewonnen hatten. „Perfekt ausgesucht“, frohlockte Fitschen, und wirklich: Die Schalke-Staffel mit Mike Büskens, Olaf Thon, Martin Max und Willi Landgraf ließen sie sieben Plätze und eine gute Dreiviertelstunde hinter sich (Landgraf beklagte eine Zerrung). Das Ziel erreichten die Fitschens in 3:30:12 Stunden. Also mit gleichnamiger Toleranz zehn Minuten früher.

Sieger Marathon Männer: Elias Sansar, 2:29:00, 2. Maciek Miereszko, 2:29:33, 3. Dawit Kebede, 2:29:43. Marathon Frauen: Sintayehu Kibebo, 2:46:57, 2. Christl Dörschel, 2:59:35, 3. Eva Offermann, 3:00:23 Stunden.

Sieger Halbmarathon Männer: Karol Grunenberg, 1:12:08, 2. Florian Falkenthal, 1:13:13, 3. Jens Borka, 1:17:51. Halbmarathon Frauen: 1. Angela Moesch, 1:26:53, 2. Maryse Scheller, 1:34:46, 3. Susanne Lampret, 1:37:13.