Mutloses Gemurkse

Marc-André Podgornik
Die Reform der Pflegeversicherung reicht nicht aus

Dass der Reformbedarf im Pflegebereich riesig ist, ist mittlerweile jedem klar. Darum ist es umso enttäuschender, dass die Regierung gestern nur ein mutloses Reförmchen auf den Weg gebracht hat. Dabei drängt die Zeit: Lag die Zahl der Pflegebedürftigen 1995 noch bei 1,7 sind es inzwischen schon 2,4 Millionen Menschen – und diese Entwicklung dürfte sich aufgrund der alternden Gesellschaft rasant weiterentwickeln. Das führt zu einem finanziellen wie personellen Problem. Wenn nicht bald gegengelenkt wird, steuern wir in eine Pflegekrise.

Wir brauchen eine Pflege, bei der sich die Leistungen an den Bedürfnissen der zu Pflegenden orientiert, bei der Prävention und Rehabilitation berücksichtigt werden und die Situation pflegender Angehöriger deutlich entspannt wird – sonst fehlen sie auf dem Arbeitsmarkt. Die Gesamtsituation im Pflegebereich muss verbessert und – das ist entscheidend – der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden.

Von all diesen Forderungen findet sich, trotz vollmundiger Ankündigungen, im Entwurf des Gesundheitsministers nichts wieder. Darüber können die kleinen Verbesserungen der Leistungen für Demenzkranke nicht hinwegtäuschen. Der Gesundheitsbereich ist ein Minenfeld, in das sich keine Regierung hineintraut.