Irrwitzige Idee

Dennis Betzholz

Der Mann, der die Idee hinausposaunte, heißt Peter Bleser (CDU), Staatssekretär im Verbraucherministerium. Wer glaubt, der Mann sei Vater eines 15-jährigen, pubertierenden Jungen, der nichts sehnlicher will als endlich das Auto des Papas zu fahren, täuscht sich. Er ist Großvater, die Enkel gerade mal im Bobbycar-Alter. Doch warum in aller Welt wagt sich sonst ein etablierter Politiker wie er mit einer derart irrwitzigen Idee, den Führerschein mit 16, an die Öffentlichkeit?

Immerhin: Das Problem, das er damit zu lösen versucht, ist real. In ländlichen Regionen fehlt häufig eine verdichtete Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Vor allem außerhalb der Schulzeiten. Davon sind natürlich insbesondere Auszubildende betroffen – gerade in Zeiten, in denen Lehrstellen im eigenen Dorf selten geworden sind. Der Führerschein mit 16 könnte – ganz eventuell – ein Problem lösen. Es würde aber gleichzeitig viele weitere schaffen.

Denken wir nur an die Unfallzahlen: Jeder Vierte geht auf das Konto von jungen Fahrern. Nicht selten endet er tödlich. Ist es das Risiko wert? Geht man davon aus, dass Azubis vor allem im Berufsverkehr unterwegs sind, gleicht das Tempolimit von 80 km/h blankem Hohn. Die 16-Jährigen, die auch über Landstraßen zur Arbeit fahren müssen, wären sogleich ein gewaltiges Hindernis. Die Unfallgefahr würde steigen. Auch das hat der Ausschuss um Herrn Bleser nicht bedacht. Nicht zu vergessen, dass sich auf dem Land schon jetzt morgens kilometerlange Blechkolonnen über den Asphalt schieben. Ganz zu schweigen von der politisch hochgepriesenen Umweltbilanz. Noch mehr Führerscheine zu verteilen, würde beides konterkarieren.

Zumal es Alternativen gäbe. Schon Generationen vor den heutigen Azubis sind notfalls mit dem Mofa zur Arbeit gefahren. Jetzt soll das zu gefährlich sein? Sehr eigentümlich. Aber wie gesagt: Die Mobilität auf dem Land muss verbessert werden. Die Debatte um den Führerschein mit 16 wird in diesem Kontext aber keine Rolle spielen und schneller verstummt sein als die Enkel Blesers den Spaß an ihrem Bobbycar verlieren.