Todesanzeige für Schulvielfalt verstimmt Gemüter

Mit einer Todesanzeige in einem kostenlosen Anzeigenblatt kämpft der CDU-Stadtverband Schwerte gegen die zweite Gesamtschule und für eine weitere Vierzügigkeit der Gymnasien. Die Befürworter der Gesamtschule laufen dagegen Sturm. CDU-Stadtverbandschef Jörg Schindel versucht sich im Gespräch zu erklären.

Schwerte.. Man habe provozieren wollen, so CDU-Stadtverbandschef Jörg Schindel. Das Kreuz in der Anzeige habe er nur als Zeichen einer Beerdigung gesehen. "Man hätte es natürlich auch als Nachruf formulieren können", so Schindel. "Grundsätzlich ist das der Anfang einer Kampagne mit Anzeigen, in denen wir unsere Kernaussagen veröffentlichen", so Schindel. "Mit Stellungnahmen oder Leserbriefen kommen wir nicht weiter", betonte er.

Wer diese Form der Anzeige gestaltet, und wer sie abgesegnet hat, wollte der CDU-Parteichef Schwertes nicht sagen. "Ich kann nur sagen, das entscheidet bei uns keiner alleine".

Todesanzeige in Text eingebettet

Die CDU hatte in dem Anzeigenblatt etwa eine halbe Seite Text veröffentlicht, in die eine Todesanzeige eingebettet ist. Während im Haupttext vor allem darauf abgehoben wird, dass eine zweite Gesamtschule nur auf Kosten eines Gymnasiums eingerichtet werden könnte und dann die Argumente der CDU in der Schul-Debatte abgearbeitet werden, steht in der Todesanzeige:

"Nach dem plötzlichen Ende der Realschule gedenken wir mit Unverständnis und Entrüstung der Aufkündigung von Schulvielfalt, Elternwille und Wahlfreiheit in der Hansestadt Schwerte an der Ruhr, Zu Grabe getragen am 20. Mai 2015 im Rat der Stadt Schwerte durch die Stimmen von SPD, Linke, WfS und Grüne."

Zwei schwarze Kreuze

Sowohl vor dem Datum als auch in der rechten Seite befindet sich ein schwarzes Kreuz. Im Hintergrund ist die Fassade des Schulzentrums Nordwest zu sehen, in dem die jetzige Realschule untergebracht ist, aber auch die neue Gesamtschule angesiedelt worden ist.

CDU-Stadtverbandschef Jörg Schindel sitzt übrigens selbst sowohl im Schulausschuss als auch im Rat. Er gehört zu jenen Ratsmitgliedern, die innerhalb von 24 Stunden ihre Meinung komplett geändert haben. Während er im Schulausschuss noch für eine neue Gesamtschule und nur gegen die Beschränkung der beiden Gymnasien im Jahr 2016 auf fünf Eingangsklassen votiert hatte, stimmte er einen Tag später im Rat auch gegen die Gesamtschule.

Hier Reaktionen auf die Anzeigen-Aktion:

Die Pfarrerin, SPD-Politikerin und Vorsitzende der Initiative für eine zweite Gesamtschule, Sigrid Reihs: "Die CDU hat anscheinend jedes Gefühl für Anstand und Geschmack bei ihrer Aktion mit der Todesanzeige verloren. Diese Anzeigenaktion schürt unbegründet Ängste und diffamiert alle Schwerter Bürger, die anderer Auffassung sind, auf eine unerträgliche Weise. Dass dafür das Kreuz, das zentrale Symbol des christlichen Glaubens in Anspruch genommen wird, macht mich persönlich fassungslos."

Pfarrer Peter Iwan: "Ich sehe das Kreuz in diesem Zusammenhang als Symbol für den Tod und deshalb nicht in seiner religiösen Bedeutung. Über Geschmack und Sinnhaftigkeit der Aktion kann man sicher streiten."

Im NRW-Schulministerium verweist man darauf, dass die Anzeige eine rein parteipolitische Maßnahme ist. "Als Schulministerium sehen wir uns nicht in der Funktion die Anzeige zu bewerten und darüber eine Aussage zu treffen. Es handelt sich um keine inhaltliche Schulpolitik", so Torsten Neumann, Pressereferent im Ministerium für Schule und Weiterbildung. Er selbst habe eine solche Anzeige zum ersten Mal gesehen.

Holger Hülsmeyer (Künstler): "Diese Kampagne ist unglaublich niveaulos und verlogen. Diese Kampagne nimmt billigend in Kauf, dass man in Schwerte auf Jahre nicht mehr miteinander wird vertrauensvoll reden können über die Parteigrenzen hinweg."

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