Salafisten verteilten kostenlose Korane in Schwerte

Die Aktion "Die Wahre Religion" hat am Samstag auf dem Cavaplatz in Schwerte kostenlose Exemplare des Korans verteilt. Die "Lies!-Kampagne" gilt als salafistisch extremistisch und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Wir haben die wichtigsten Informationen zu der Koranverteilung in Schwerte zusammengefasst.

Schwerte.. Ein alter bärtiger Mann in Pluderhosen und etliche junge Männer ebenfalls mit Bärten und Kopfbedeckungen. Wer Samstag über den Cavaplatz ging, den erwartete ein Bild, das man zumindest aus deutschen Großstädten mittlerweile gewohnt ist. Die Aktion "Lies" verteilte kostenlos Exemplare des Korans.

Wie kam die Aktion nach Schwerte?

Stadtsprecher Carsten Morgenthal erklärte gestern, ein Privatmann aus Menden habe den Stand eine Woche zuvor bei der Stadt angemeldet. Laut Straßen- und Wegegesetz konnte man ihm das nicht verbieten, weil es als Ausübung der Religion gilt und der Verkehr in der Fußgängerzone nicht behindert wurde. Die Standgebühren betrugen 10 Euro.

War das das erste Mal, das so etwas in Schwerte stattfand?

Es war bereits das zweite Mal, dass es so einen Stand in der Fußgängerzone gab. Im vergangenen Jahr wurde ebenfalls der Koran kostenlos verteilt. Damals hatte man geprüft, ob die Koranverteilung presserechtlich erlaubt ist. Die ausgeteilten Exemplare verfügten aber anders als vermutet über ein Impressum.

Ist die Verteilung eines religiösen Buches nicht harmlos?

Nein, der Verfassungsschutz NRW beobachtet das Treiben mit Sorge und schreibt in seinem Jahresbericht: "Das Netzwerk ,Die Wahre Religion‘ (DWR) um den in Köln lebenden salafistischen Prediger Ibrahim Abou Nagie bildet einen Schwerpunkt des politischen Salafismus. Koranverteilungen sind grundsätzlich rechtlich nicht zu beanstanden. Verteilungen im Rahmen der Lies!-Kampagne sind jedoch eindeutig als salafistisch extremistische Aktionsform zu bewerten."

Wie funktioniert eigentlich die Koran-Verteilung?

Die Aktionen sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ähnlich wie ein Franchise-System organisiert. Eine Zentralstelle leitet an, die Verantwortlichkeit für die Aktionen vor Ort übernehmen autarke lokale Akteure.

Und was wollen Salafisten mit solchen Aktionen bewegen?

Nach Ansicht des Verfassungsschutzes ist das Ziel nicht die tatsächliche Konversion aller in Deutschland lebenden Menschen zum Islam, sondern das Provozieren medialer und staatlicher Reaktionen. Nach Selbstwahrnehmung und Darstellung von Salafisten geht es beim Umgang der Behörden und der deutschen Öffentlichkeit mit dem Salafismus um eine vermeintliche "Verfolgung" aller Muslime in Deutschland. Dies sei Teil eines globalen Krieges "des Westens" gegen "den Islam".

Was sagen die Veranstalter selber dazu?

Die Aktion DWR selber leugnet das auf ihrer Homepage. Sie sagt über sich: "Das Lies! Projekt ist ein gemeinschaftliches Projekt der Muslime Deutschlands mit dem Ziel, den nicht-muslimischen Mitbürgern den Islam näherzubringen."

Was sagt die Dianet-Moschee-Gemeinde zu solchen Aktionen?

Sie distanziert sich. Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun, das ist nicht unsere Denkweise, betont Ylmaz Arslan aus dem Vorstand des Moschee-Vereins.

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