Nie wieder Erziehung zum Hass zulassen

Es ist still, absolut still im Raum, als der 88-jährige Mann aus einer anderen Welt erzählt: Aus einer Welt des Krieges, des Massenmordes, der Todesangst, aber auch der Verführung. Ja, ich war ein echter Hitlerjunge, ich habe mich identifiziert, sagt Sally Perel.

Lünen. Im Lippe Berufskolleg berichtet Perel, wie er als jüdischer Junge den Holocaust überlebte und der NS-Ideologie auf den Leim ging, Als er, der vermeintliche Nicht-Jude, in eine Schule der Hitler-Jugend geschickt wurde. "Wir wurden zum Hass erzogen, alles was nicht deutsch war, begannst du zu hassen. Meine Glaubensbrüder wurden vergast und ich rief ‚es lebe der Sieg!‘ In der Masse hörst du auf, Ich zu sein, da fängst du an, Wir zu sein", sagte Perel, der ehemalige Hitlerjunge Salomon. Das Gedankengut werde er bis heute nicht los. "Der begeisterte Hitlerjunge von damals ist noch sehr lebendig in mir."

Tränen verbrannter Kinder
Niemals, das ist seine Botschaft und seine Mission, darf eine junge Generation erneut so verführt und missbraucht werden. "Ich möchte alle Jugendlichen impfen mit den Tränen der in Auschwitz verbrannten Kinder", erklärt er. Einmal Auschwitz besuchen, das sei menschliche Pflicht.
Die Neonazis hätten "den Hass von damals perfekt übernommen", so Perel. Dass es sie wieder gebe, sei für ihn "die größte Enttäuschung." Für Perel steht fest: "Wer den Bereich des Hasses betritt, betritt den Bereich des Verbrechens."
Zeitzeugen seien die besten Geschichtslehrer, zitierte Sally Perel den Regisseur Steven Spielberg. Und er gab seinem Wunsch Ausdruck, auch die Schülerinnen und Schüler des Lippe Berufskollegs zu Zeitzeugen gemacht zu haben: "Überliefert die Wahrheit weiter", appellierte er an sie.

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