Nach Renaturierung: Wieder Fische in der Seseke

Die Seseke hat es geschafft: das ehemals tote Gewässer beginnt wieder zu leben. Seltene Fische wurden dort gesehen, die sechsjährige Renaturierung ist ein großer Erfolg. Wir haben mit dem Lippeverband über die Veränderungen gesprochen.

Lünen.. Manchmal ist die Sache ganz einfach: Erst schwimmt Gunnar Jacobs in der Seseke ein richtiger Brocken von einer Quappe in den Kescher, und dann fliegt ein Eisvogel vorbei. Zeichen dafür, dass es dem Fluss wieder gut geht. Denn lange Zeit war die Seseke - wie viele andere Gewässer auch - tot, eine stinkende Kloake.

Jetzt kann man dort nicht nur seltene Eisvögel und Quappen treffen, sondern auch viele andere Fische: Gründlinge, Barben, den Döbel und Stichlinge zum Beispiel. Der Umbau der Seseke zum naturnahen Gewässer steht kurz vor dem Abschluss. Die letzten Arbeiten laufen an der Mündung der Seseke in die Lippe. Noch macht der Höhenunterschied den Fischen hier zu schaffen, und schränkt ihre "Reisefreiheit" deutlich ein (wir berichteten).

Lohn nach langer Arbeit

Dennoch, die Fisch-Population wächst. Gunnar Jacobs und sein Kollege Hermann Hoffmann vom Lippeverband haben den Eisvogel am Mittwoch an der Stadtgrenze entdeckt. Es macht sie mehr als froh. Die jahrelange Arbeit hat sich gelohnt: Hier zwischen Lünen und Bergkamen an der Mühlenstraße hat sich die Natur viel von dem wieder zurückgeholt, was ihr zu Zeiten der Industrialisierung einst genommen wurde.

Die ersten Bäume haben sich über die Seseke geschoben. Das ist wichtig, damit der Fluss ausreichend Schatten bekommt, nur so - ohne beständige Sonneneinstrahlung - kann das mit der Wasserqualität funktionieren. Seit etwa sechs Jahren ist die Seseke hier wieder frei, fließt in einem natürlichen Flussbett - ganz ohne Abwasser. Und seit sechs Jahren kontrolliert der Lippeverband regelmäßig, wie an diesem Tag.

"Etwa zehn bis 20 Jahre braucht ein Gewässer, bis sich alles stabilisiert hat", sagt Jacobs. Die sechs Jahre aber haben schon einiges bewirkt. Zehn regelmäßig vorkommende Fischarten zählen er und sein Kollege Hermann Hofmann. Sie können sich außer über Gründlinge, Barben und Stichlinge auch über Fische namens Schmerle, Hasel und Blaubandbärbling freuen.

Seltene Fische in Seseke

Einige haben es selbst in die Seseke geschafft, andere sind vor Jahren ausgesetzt worden. Besonders über die dicke Quappe freuen sich die beiden. "Denn die", sagt Jacobs, "ist vom Aussterben bedroht". 2013 sind die Quappen hier angesiedelt worden. Nachgezüchtet wurden sie, von einer kleinen Population östlich von Hamm.

Besonderes Augenmerk des Lippeverbandes gilt auch dem Blaubandbärbling. Denn der kommt eigentlich aus Südostasien. "Mit Fischhandel und Aquawirtschaft ist der Fisch nach Deutschland gekommen. Nun stehen sie unter besonderer Beobachtung, ob sie möglicherweise das Gleichgewicht der heimischen Population irgendwie durcheinander bringen.

Fische sind naturgemäß schlecht zu beobachten, aber eine Chance, etwas von der neuen Unterwasserwelt zu sehen gibt es, weiß Gunnar Jacobs: "Den Döbel kann man manchmal von den Brücken aus sehen. Sie schwimmen oberflächennah und stehen oft gegen die Strömung." Und weil diese Fische durchschnittlich bis zu 40 Zentimeter groß werden, sind sie gut zu sehen.

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