Lüner Notaufnahme: Mehr Patienten kommen

Der Krankenhauskomplex an der Altstadtstraße, wie er sich heute darstellt: mit dem Facharztzentrum Collosseum und dem Parkhaus Ecke Konrad-Adenauer-/Borker Straße.
Der Krankenhauskomplex an der Altstadtstraße, wie er sich heute darstellt: mit dem Facharztzentrum Collosseum und dem Parkhaus Ecke Konrad-Adenauer-/Borker Straße.
Foto: Klinikum Lünen
Das Klinikum Lünen kämpft mit einer Überbelastung der Notaufnahme in Spitzenzeiten. Im Schnitt kämen jährlich 6 Prozent mehr Patienten - Tendenz steigend. Das Problem: Für eine durchschnittliche Behandlung bekommt die Klinik 30 Euro, hat aber Kosten von 120 Euro. Für die Lösung wären eigentlich die Krankenkassen verantwortlich.

Lünen.. Warum ist die 2007 für 6,4 Millionen Euro umgebaute Notaufnahme des Klinikums Lünen wieder zu klein?

Die Patientenkontakte sind innerhalb von sechs Jahren von 27.823 auf 39.575 um 11.752 gestiegen. Diesen Anstieg habe man nicht abschätzen können, sagt Geschäftsführer Axel Weinand.

Warum kommen immer mehr Patienten?

Die Menschen werden älter und kränker. Auffällig sei, dass gerade an Tagen, an denen die Arztpraxen geschlossen haben und nur die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte besetzt ist, viele Patienten direkt ins Krankenhaus kommen. „Die zunehmende Unterversorgung mit Haus- und Fachärzten wird diesen Trend noch verschärfen“, vermutet Weinand.

Ist jeder Patient ein Notfall?

„Nein“, sagt Weinand. Jeder fünfte sei kein Notfall. Man gehe heute mit Dingen zum Arzt, bei denen man früher nichts unternommen hätte. Oder man wüsste nicht, wie leichte Erkrankungen selbst behandelt werden können. Zudem gebe es den zunehmenden Anspruch einer Vollkasko-Mentalität. Patienten wissen, dass sie im Krankenhaus gleich die komplette Behandlung bekommen. Viele Jüngere hätten gar keinen „festen“ Hausarzt mehr.

Was passiert zu Spitzenzeiten?

Patienten werden nicht der Reihe nach, sondern nach medizinischer Notwendigkeit behandelt. Das nennen Ärzte „Triage“, zu deutsch Einteilung. Patienten mit leichterer Erkrankung werden später behandelt. Dadurch entstehen für sie lange Wartezeiten.

Was können Patienten tun?

Bei Beschwerden zügig zum Hausarzt gehen. Lüner Patienten können sich zudem an die Notfallpraxis in der Von-Wieck-Straße 2 wenden.

Wie verbessert das Klinikum die Situation?

Man habe Personal aufgestockt, Arbeitszeiten verlagert und zusätzliche Behandlungsräume geschaffen, sagt die Geschäftsleitung. Für weitere Maßnahmen seien erhebliche finanzielle Mittel nötig. Beispiel: Der Umbau der ehemaligen Apothekenräume in weitere Behandlungszimmer erfordere eine Investition von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Wollte das Klinikum einen weiteren Arzt und zwei Pflegekräfte in dem Drei-Schicht-Betrieb der 24-Stunden besetzten Notaufnahme einsetzen, wären 5,5 Ärzte und 11 Pflegekräfte nötig. Das koste jährlich 950.000 Euro.

Wie ist das bezahlbar?

Unter derzeitigen Rahmenbedingungen gar nicht, sagt Weinand. Aus eigener Kraft könne das Klinikum das Geld nicht aufbringen.

Warum gibt es dafür kein Geld?

Axel Weinand rechnet vor: Für einen ambulanten Notfall bekommt das Krankenhaus durchschnittlich 30 Euro. Die durchschnittlichen Kosten lägen aber bei 120 Euro. „Im St.-Marien-Hospital führt die ambulante Notfallversorgung zu einem jährlichen Verlust in Millionenhöhe.“ Jeder Wirtschaftsbetrieb hätte einen solchen hochdefizitären Bereich schon geschlossen. Kliniken dürften das aufgrund ihres Versorgungsauftrags nicht.

Was könnte die Lösung sein?

Die Versicherten der Krankenkassen hätten das Geld bereits eingezahlt. Doch die Kassen setzten es nicht da ein, wo es am nötigsten gebraucht werde, sondern schütteten Milliarden-Beträge als „Geldprämie“ an ihre Versicherten aus, so Weinand.

Wie gehen andere Kliniken mit diesem Problem um - zum Beispiel in Dortmund?

Am Klinikum Dortmund befinden sich Notaufnahme und Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte unter einem Dach. „Schon in der Wartezone sortieren wir die Patienten“, sagt Marc Raschke, Pressesprecher des Klinikums Dortmund. Manche kämen auch mit Mückenstichen in die Notaufnahme, und wenn sie nicht enorm entzündet seien, seien das Fälle für die Kassenärzte.

Warum liegen in Lünen die zwei Einrichtung nicht auch nebeneinander?

Die Notfallpraxis benötigt zwei bis drei Räume. „In unserer derzeitig räumlich angespannten Situation ist es unmöglich, Räume abzugeben“, sagt Weinand. Ein Umbau der ehemaligen Apotheke sei absehbar nicht finanzierbar. Da die Notfallpraxis in der Von-Wieck-Straße 2 nur wenige Meter vom Klinikum entfernt liege, könne eine bessere Aufklärung helfen, Patienten dorthin zu weisen.

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