Gute Stimmung bei Kundgebung am Seepark

Viel Kritik äußerten die Redner auf der DGB-Kundgebung am Seepark zum 1. Mai. Kritikpunkte waren unter anderem der rauer werdende Ton gegenüber Minderheiten. Dennoch war die Stimmung gut, wie unsere Bilder zeigen.

Lünen.. "Ich habe seit 1996 noch keine der Veranstaltungen zum 1. Mai im Seepark versäumt", sagte der ehemalige Ratsherr Horst Loddoch (80), "für mich ist das die ideale Kombination aus Kundgebung, die der Tradition des Tags der Arbeit gerecht wird, Familienfest und Treffpunkt der Bürger."

Eingeladen hatten wieder das Kulturbüro der Stadt Lünen in Kooperation mit dem Lüner Ortsverband des DGB Region Östliches Ruhrgebiet. Nach der Begrüßung der in diesem Jahr besonders zahlreich erschienenen Gäste durch Ludger Kerkhoff, Sprecher des Regionalforums der IGBCE ergriff Rolf Möller als stellvertretender Bürgermeister das Wort.

Entsolidarisierung

In seiner Rede beklagte er die zunehmende Entsolidarisierung und den rauer werdenden Ton gegenüber benachteiligte Minderheiten: "Doch unsere Stadt ist anders, wir bieten nicht populistische Antworten und Lösungsansätze, sondern stehen für Toleranz und stellen uns den Herausforderungen." Er kritisierte Leih- und Zeitarbeit, aber auch die Tatsache, dass bei vielen trotz Vollzeitjob der Lohn zum Leben nicht ausreiche.

Ähnliche Ansichten vertrat die Bevollmächtigte der IG Metall Dortmund Ulrike Kletezka als Hauptrednerin. Sie lobte den endlich eingeführten Mindestlohn, kritisierte die Ausnahmen und warnte vor Aufweichungen und Verwässerungen. "Durch den Mindestlohn sind nicht, wie vorausgesagt, 800 000 Stellen abgebaut worden, es gab 500 000 neue Arbeitsplätze."

Eintreten für soziale Standards

Sie erläuterte die kritische Haltung des DGB zum Freihandelsabkommen mit den USA und trat vehement für die Verteidigung unserer Grundwerte und sozialen Standards ein. Getreu dem diesjährigen Motto "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir" verlangte sie leistungsgerechte Löhne zum Beispiel bei den Erziehern. Ihre immer wieder von Applaus unterbrochene Rede schloss sie mit dem Bericht über eine Studie in den USA, die ergab, dass Gewerkschaftler glücklichere Menschen seien: "Zusammen sind wir stark…und jetzt feiert mal schön."

Dass das eine rein rhetorische Aufforderung war, zeigten die voll besetzen Bänke, die Speisen und Getränke auf den Tischen und die langen Schlangen vor den Ständen. Auch die ganz jungen Besucher hatten ihr Vergnügen bei der "Comanchi Kinderanimation" und am Stand der evangelischen Gemeinde Horstmar Preußen. Sie durften die Welt der Indianer erleben, mit Pfeil und Bogen schießen, basteln und malen.

Breites Liederangebot

Die Kultur kam auch nicht zu kurz: Der "MGV Harmonie Zeche Victoria" hielt mit seinen Liedern die Bergmannstradition hoch, das "Käßner Trio" sorgte mit Rock, Pop, Schlagern und Oldies für die Unterhaltung nach Noten, ebenso wie die "Fidelen Freunde" vom Mundharmonikakreis der Preußen/Horstmarer Gemeinde. Und Superintendent Winfried Moselewski mit Tochter Golda traten mit einem breiten Liedangebot für musikalische Koexistenz ein.

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