Experte spricht über Gefahr der Medienabhängigkeit

Facebook, Youtube und Online-Games sind gerade bei Jugendlichen beliebt. Es gibt aber auch Nutzer, die davon abhängig werden. Wie Eltern eine drohende Medienabhängigkeit ihrer Kinder erkennen und verhindern können, erläutert ein Experte bei einem Vortrag in Lünen.

LÜNEN.. Michael Knothe ist Vorstandsmitglied beim Fachverband für Medienabhängigkeit. Er kennt sich mit den Reizen von Internet-Angeboten wie Facebook, Youtube oder von Online-Games wie "World of Warcraft" aus. Er weiß aber auch um die Gefahren dieser Angebote, dass Leute nämlich davon abhängig werden können.Knothe hält am Mittwoch, 1. Oktober, an der Geschwister-Scholl-Schule in Lünen einen Vortrag für Eltern, die sich sorgen, dass ihre Kinder vom Internet abhängig sein könnten. Knothe erklärt: "Es geht nicht darum, zu erklären, wie Spiele oder Facebook genau funktionieren, sondern darum, was die Anziehungs- oder Sogkraft dahinter ist. Ich möchte zeigen, was diese Angebote mit Menschen machen. Dazu gehe ich mit den Eltern in einen Dialog."

Wir beantworten wichtige Fragen zum Thema.

Ist abhängig, wer morgens nach dem Aufwachen direkt Neuigkeiten bei Facebook checkt?
"Nein", sagt Experte Michael Knothe: "Für die Abhängigkeit gibt es klare Kriterien. Zu sagen, jemand sei abhängig, nur weil er sich morgens direkt bei Facebook einloggt, ist so, als würde man sagen, jemand mit Schnupfen habe einen grippalen Infekt oder eine Lungenentzündung."

Wie ist definiert, wann jemand internetabhängig ist?
DieAmerican Psychiatric Association, die Vereinigung US-amerikanischer Psychiater, hat Kriterien entwickelt, mit der Störungen im Bereich des Computerspielens erfasst wurden. Diese DSM-5-Kriterien wurden für die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie PINTA-DIARI für die Diagnose von Internetabhängigkeit genutzt. Michael Knothe erläutert: "Nach dem DSM-5 liegt eine Sucht vor, wenn 5 Kriterien (daher der Name DSM-5) länger als 12 Monate bestehen. Ich würde jedoch empfehlen, schon bei Vorliegen von 3 Kriterien, die länger als 6 Monate bestehen, zu handeln oder fachlichen Rat zu suchen."

Einige der DSM-Kriterien sind

  • eine häufige Beschäftigung,
  • Entzugserscheinungen,
  • Aufgeben von Hobbys,
  • das Spielen als Flucht vor dem Alltag,
  • Lügen über die Dauer der Beschäftigung,
  • Verlust von Jobs, Beziehungen etc.

Wie erkennen Eltern, dass ihre Kinder möglicherweise internetabhängig sind?
Nur darauf zu schauen, wie lange jemand vor dem Computer hockt, sei nicht zielführend, sagt Experte Knothe. Eltern sollten eher darauf achten, was ihre Kinder vernachlässigten: "Also: werden Schulleistungen schlechter, werden die Freunde weniger?"

Welche Angebote im Internet machen am meisten abhängig?
Laut der Studie "Prävalenz der Internetabhängigkeit" (PINTA-DIARY) sind das bei Jungen eher Online-Spiele, bei den Mädchen ist es das Chatten. Das bestätigt auch Michael Knothe. Kinder welchen Alters sind besonders von einer Medienabhängigkeit gefährdet?
Michael Knothe sagt: "Laut der PINTA-Studie gelten ein Prozent der Menschen in Deutschland zwischen 14 und 65 Jahren als internetabhängig. Das sind 560.000 Menschen. Es fällt auf, dass Jüngere - 14- bis 16-Jährige - besonders betroffen sind."

Gibt es eine Parallele zwischen Glücksspielsucht und Abhängigkeit von Angeboten im Internet?
Referent Michael Knothe beschäftigt sich beruflich mit dem Thema Glücksspielsucht. Er sagt: "Beides sind stoffungebundene Süchte. Glücksspiel ist die (noch) große Schwester der Medienabhängigkeit. Bei Glücksspiel geht es um Geld, im Internet um Status und soziale Anerkennung. Das macht etwas mit dem Belohnungssystem. Wenn Ihnen im richtigen Leben jemand auf die Schulter klopft, freuen Sie sich ja auch. Genauso ist es mit "Likes" bei Facebook oder Erfolg bei Online-Spielen.

Termin des Vortrags
Der Vortrag "Next Generation@" findet am Mittwoch, 1. Oktober, um 18 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Holtgrevenstraße 2-6, statt. Um Anmeldung unter Tel. (02306) 1 04 17 04 wird gebeten.

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