''Ehrenmord''-Opfer: "Verwandter wird mich erschießen"

Im "Ehrenmord"-Prozess bestätigen immer mehr Zeugen, dass die Schwerterin ihren Tod vorhergesehen hat. "Ein Verwandter will kommen und mich erschießen", hatte das Opfer einem Mitarbeiter des Jobcenters anvertraut, der am Montag vor Gericht aussagte.

Schwerte. 
Immer deutlicher wird das Bild von der Angst, die die Ermordete vor ihrer Familie hatte: einer Familie, die hochangesehen war und der die junge Frau trotzdem ständig zu entfliehen versuchte. In ihrer Verzweiflung vertraute sie sich sogar einem Fallmanager (48) in einem Jobcenter an, der am Montag, 29. April, vor dem Hagener Landgericht ausgesagt hat.

In Verzweiflung dem Mitarbeiter anvertraut

Die junge Frau versuchte, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie bewarb sich auf Jobs und wurde von einem Jobcenter betreut. Dort kam sie in die Betreuung für Menschen in besonderen Lebenslagen, wie es ein Fallmanager des Jobcenters nannte.

Während eines Gesprächs habe die verzweifelte Frau sich ihm anvertraut. Sie werde bedroht und dürfe nur in Begleitung eines Bruders das Haus verlassen.

Beziehung mit verlobtem Mann

Und: "Ein Verwandter aus Finnland will kommen und mich erschießen!", so habe sie gesagt, erinnerte sich der 48-jährige. Der Grund: ihre Beziehung mit einem bereits verlobten Mann. "Wie bedroht musste sie sein, wenn sie mir als Mann so vieles anvertraut?", sagte der Zeuge.Da die junge Frau keine Polizei gewollt habe, veranlasste er ihre Unterbringung in einem Frauenhaus in Iserlohn.

Hintergrund
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstilauf einem "Familientribunal" zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.

Von Patricia Prange