Doch keine Strompreis-Erhöhung in Schwerte?

Stromkunden müssen im kommenden Jahr kräftig in die Tasche greifen - so jedenfalls hieß es noch vor ein paar Wochen. Der Netzbetreiber hatte die Erhöhung den Stadtwerken angekündigt. Jetzt allerdings stellte sich heraus, dass noch gar keine endgültige Entscheidung gefallen ist.

SCHWERTE.. Der Grund für die Erhöhung sollten die Netzentgelte sein, die um 1,7 Cent pro Kilowattstunde steigen würden, hieß es noch vor ein paar Wochen. Dass die Absicht zwar weiterhin bestehe, jedoch noch keine Entscheidung gefallen ist, bestätigte Michael Grüll von den Stadtwerken am Mittwoch. Auch er selbst sei von dieser neuen Situation überrascht worden. Denn in den Mitteilungen von Mitte Oktober hatte man die Erhöhung als bereits von der Bundesnetzagentur endgültig abgesegnet dargestellt.


Seitdem rumort es hinter den Kulissen. Vor allem die Bundesnetzagentur geriet in die Schusslinie, aber auch der Hagener Netzbetreiber Enervie.Zum Sprachrohr machten sich dabei vor allem große Stromverbraucher wie die Kaltwalzwerke aus dem Lennetal. Ihr Fachverband, in dem die großen Firmen zusammengeschlossen sind, will in dem anstehenden Verfahren gegen die Entscheidung der Bundesnetzagentur und gegen die Netzentgelterhöhung vorgehen. "Betrieben in der Region drohen damit erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Standorten in Deutschland", heißt es in einer Pressemitteilung des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung. Die Preiserhöhungen würden für manchen Betrieb gar siebenstellig ausfallen.


Grüll: "Da kommt eine kurze E-Mail, und dann sind alle im Urlaub"

Bei den Schwerter Stadtwerken will man sich ebenfalls noch nicht geschlagen geben. Neben den Fakten ärgert Stadtwerkechef Michael Grüll auch die Art und Weise, auf die man von der doch erheblichen Preissteigerung erfahren habe. "Da kommt eine kurze E-Mail, und dann sind alle im Urlaub." Zum Thema Netzentgelterhöhung hat Grüll gemeinsam mit seinen Kollegen der anderen betroffenen Stadtwerke noch einen Termin bei NRW-Wirtschaftminister Garrelt Duin. Und auch zu dem Verfahren bei der Bundesnetzagentur will man sich laden lassen. In Schwerte gebe es ebenfalls etliche Industrieunternehmen, die sich beschweren wollen. "Ich habe derzeit zehn Namen auf der Liste, und es werden immer mehr", so Grüll. Deutliche Worte findet auch der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe: Dass sich der Hagener Energieversorger seine maroden Kraftwerke auf Kosten der Schwerter Bürger bezahlen lassen will, sei unerträglich. "Gerade am Rande des Ruhrgebiets sind wir auf die energieintensive Industrie und ihre Wirtschaftskraft angewiesen", betont Hüppe. Gemeinsam mit seiner Kollegin aus dem Märkischen Kreis werde er sich an die Bundesnetzagentur wenden.Ob all das hilft, ist allerdings fraglich. "Ich glaube, dass alles möglich ist", meint Michael Grüll. Zumindest sei die Sache jetzt in Bewegung geraten. Enervie will unrentable Kraftwerke abschalten
Die Bundesnetzagentur beabsichtigt, die Kosten für den Kraftwerkspark des Hagener Stromversorgers Enervie auf die Netzkosten umzulegen.Denn Enervie würde seine unrentablen Kraftwerke gerne abschalten, die Bundesnetzagentur aber genehmigte das nicht.Damit Enervie nicht auf den Kosten sitzenbleibt, wollte man die auf die Preise für das Stromnetz und damit auf alle Stromkunden umlegen.

EURE FAVORITEN