Der Singende Seemann Jens "Tutti" Hudek ist tot

Seine Stimme klingt nur noch auf Schallplatten wie Danie-Girl, Kleine Geisha oder Das Schraubenlied: Der Singende Seemann Jens "Tutti" Hudek, der eigentlich Franz-Paul hieß, ist vergangene Woche im Alter von 74 Jahren gestorben. Seine Erfolgs-LP "Show-Express" wurde 120.000-mal verkauft.

Schwerte. Von der Bühne hatte sich Hudek, dessen Kindheits-Spitznamen "Tutti" eigentlich nur die Schwerter kannten, schon Ende 1999 verabschiedet. Beim Silvesterball in der Halle der Heideschützen beendete er das Kapitel Berufsmusiker. Nicht weit entfernt von der früheren Gaststätte Haus Sprave (heute Friseurhaus Linda Grobe) an der Hörder Straße, wo seine Karriere im Jahre 1962 ganz klassisch mit dem Männergesangverein Liedertafel gestartet war.

Bädertourneen und Galas

Zwei der seltenen Auftritte des Kaufmannssohnes in seiner Heimatstadt, wo er Einladungen zu Geburtstagen oder Ehejubiläen stets ablehnte. Gefeiert wurde er dagegen auf Bädertourneen von Ruhpolding bis zum Timmendorfer Strand, bei Galas und Modenschauen, bei Auftritten im Radio und im Fernsehen bei Peter Frankenfeld.

Und nicht zuletzt auf der MS Berlin, wo Hudek dreieinhalb Jahre lang Tag für Tag 3000 weinselige Passagiere auf dem Rhein in Schunkelstimmung versetzte.

Vier Auftritte an einem Abend

In der Karnevalszeit hetzte der Künstler außerdem von Prunksitzung zu Prunksitzung, wo er an einem Abend bis zu vier 55-Minuten-Auftritte hinlegte. Er hatte zwei Showgesichter. Gestartet als Singender Matrose mit dem Shanty-Chor "Die blauen Jungs", tauschte er auf Rat seines Agenten die Prinz-Heinrich-Mütze und das Streifenhemd später gegen den weißen Smoking, um sein Publikum ganz seriös mit Chansons, Balladen und Schlagern zu begrüßen. Als Stimmungskanone und Abräumer beschloss er dann sein Programm.

Kein Wunder, dass Hudeks Schallplatten hinterher aus dem Kofferraum gleich stapelweise weggingen. Mit insgesamt sechs Single-Platten bereicherte der Bass-Bariton die Schlagerwelt. Gleich 120.000 Mal über den Ladentisch ging seine Erfolgs-Langspielplatte "Show-Express". In wie vielen Sammlungen in der Ruhrstadt sie heute noch schlummert, weiß niemand.Er wurde am Freitag im engsten Kreis zu Grabe getragen.

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