50 Jahre Telefonseelsorge: Eine Lünerin berichtet

50 Jahre lang gibt es die Telefonseelsorge Dortmund/Unna jetzt schon, auch für Lünen sind die Ehrenamtlichen zuständig. Karla aus Lünen-Brambauer ist seit vier Jahren dabei. Wir haben gefragt, warum sie bei der Seelsorge arbeitet, wie sie mit suizidalen Anrufern umgeht - und warum sie mit manchen Anrufern herzlich lacht. Hier hören Sie die Antworten.

Lünen.. Karla möchte anonym bleiben und antwortet unter dem Pseudonym, das sie auch bei der Seelsorge angenommen hat, auf unsere Fragen.

Nach eineinhalb Jahren Ausbildung ging es für Karla vor zweieinhalb Jahren ans andere Ende der Leitung, im Schnitt ist sie seitdem jede Woche dreieinhalb Stunden bei der Telefonseelsorge erreichbar. Manche Anrufe, sagt sie, dauerten nur wenige Sekunden. Mit anderen spricht sie bis zu zwei Stunden.

Hier erzählt Sie, warum Sie so gerne bei der Seelsorge arbeitet:

Eine Arbeit also, mit der Sie nicht nur den Anrufern hilft, sondern durch die sie auch selbst viel lernt, wie sie hier erzählt:

Und das hat auch konkrete Auswirkungen auf ihr eigenes Leben:

Dabei sind viele Gespräche durchaus herausfordernd, etwa mit Menschen mit Suizidgedanken. Aber auch damit geht sie um, erzählt Karla:

Weil Sie mit vielen Menschen auch länger spricht, lernt sie sie auch etwas kennen. Vieles bleibt dabei aber trotzdem im Dunkeln, was nicht immer schlecht sein muss:

Nicht alle Anrufer meinen es ernst. Manche, erzählt Karla, wollten nur Telefonsex. Mit diesen Menschen spricht sie nicht. Andere, oft Kinder, rufen als Mutprobe an oder machen sich einen Scherz daraus. Das erkennt sie schnell:

Geht es den Menschen schlecht, versucht Karla auch, über ihre Stimme Einfluss auf die Gemütslage des Anrufers zu nehmen. Auch zum Eigenschutz:

Mit manchen Anrufern - so überraschend es klingt - kann Karla auch herzlich lachen. Selbst in schwierigen Phasen:

Das ist die Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist für alle Menschen da, die Sorgen und Ängste haben oder in Krisen stecken. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche unter 08001110- 111/222. Anonym und verschwiegen, offen und tolerant, kompetent und kostenfrei.
Am 3. April 1965 hat bei der Telefonseelsorge am Nachmittag um 16.30 Uhr das erste Mal das Telefon geklingelt. Im ersten Jahr gingen insgesamt knapp 2900 Anrufe dort ein. Heute sind es schon rund 20 000 Anrufe jährlich.
In den ersten 17 Jahren war die Telefonseelsorge in evangelischer Trägerschaft. 1982 kam schließlich die Katholische Kirche als Partner dazu.
Ihren 50-jährigen Geburtstag feiert sie mit einem Gottesdienst in der Dortmunder Stadtkirche St. Marien und anschließendem Empfang am 16. April (17 Uhr).

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