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Rauchverbot

Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum

26.06.2012 | 17:02 Uhr
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
Keine Ausnahmen mehr: Die Landesregierung plant das Aus für Raucherclubs und will die Sonderregelungen für kleine Eckkneipen und Festzelte abschaffen.

Hagen.   Rot-Grün in NRW will das Rauchverbot weiter verschärfen. Der Sauerländer Schützenbund sieht dadurch das Brauchtum gefährdet, der Hotel- und Gaststättenverband erwartet ein „gesetzlich beschleunigtes Kneipensterben“.

"Wenn es Gesetz wird, muss man sich daran halten“, sagt Karl Jansen. Der Bundesoberst des Sauerländer Schützenbundes ist kein Revoluzzer. Aber glücklich ist der Mendener nicht über die von der Landesregierung geplante Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes , die keine Sonderregelungen mehr für Festzelte vorsieht. Ganz im Gegenteil. Da sind sich die Schützen-Funktionäre und -vereine einig.

„Das Brauchtum geht den Bach runter“, fürchtet Addi Grooten, stellvertretender Bundesoberst und Kreisoberst in Meschede: „Schützenfeste stehen für Gemütlichkeit und Geselligkeit. Und wenn die Raucher vors Zelt gehen müssen, zerreißt das unser ganzes Fest.“ Oder noch schlimmer: „Die Raucher kommen erst gar nicht.“ Deshalb befürchtet er einen wirtschaftlichen Schaden für die Schützenvereine.

Und das auch noch aus anderen Gründen. Grooten: „Wer soll denn kontrollieren, dass das Rauchverbot strikt eingehalten wird? Polizei und Ordnungsämter werden das sicherlich nicht übernehmen.“ Also müssten die Vereine dafür einen Ordnungs- oder Sicherheitsdienst anheuern. „Das verursacht zusätzliche Kosten, und das Geld ist ohnehin schon knapp.“

Dehoga befürchtet schnelleres Kneipensterben

Vom Geld spricht auch Thorsten Hellwig. Er ist Sprecher des Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in NRW und befürchtet, dass 3000 nordrhein-westfälische Gastronomiebetriebe durch das strikte Rauchverbot in ihrer Existenz bedroht wären. Vor allem kleine Kneipen. „Das heißt nicht, dass sie alle mit einer liberaleren Regelung noch ewig am Markt wären“, betont Hellwig. Es gebe viele Gründe für das Kneipensterben. Aber durch Streichung von Ausnahmeregeln werde das Tempo erhöht: „Das ist ein gesetzlich beschleunigtes Kneipensterben.“Denn das Geschäftsmodell für einen bestimmten Betriebstyp fuße wie ein Barhocker auf drei Beinen: Reden, Trinken, Rauchen. „Nehmen sie ein Bein weg, bricht das Modell zusammen.“

Doch Hellwig geht es nicht nur ums Geld, sondern auch ums Prinzip: „Die Landesregierung macht etwas, das weder Bürger noch Gastronomen wollen.“ Das gehe aus allen Umfragen hervor. Auch gebe es bereits mehr als 80 Prozent rauchfreie Angebote. Und in den kleinen Raucherkneipen hielten sich sowieso keine Nichtraucher mehr auf. Das heißt für Hellwig: „Es geht doch gar nicht mehr um Nichtraucherschutz, sondern um eine Verbotskultur.“ Und die hält der Verband für hochgradig problematisch: „Wir wollen den Lebensstil unserer Gäste nicht bewerten, auch nicht, ob einer Fleisch verzehrt, Vegetarier ist oder Alkohol trinkt. Wir wollen für jeden ein Angebot machen.“ Und das fehlende Angebot für die Raucher treibe sie vor die Kneipentür, was zu Konflikten mit den Anwohnern führe.“

Schützen fühlen sich hilflos

Und was ist mit dem Prinzip der Wettbewerbsgleichheit, das Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) anführt? Das beruht laut Hellwig auf dem Gedanken, dass Gastronomie gleich Gastronomie sei. „Aber eine Kneipe funktioniert völlig anders als ein Musikclub oder ein Restaurant.“

Oder als ein Schützenzelt. Das haben die Schützen in vielen Gesprächen und Stellungnahmen deutlich gemacht. Doch offenbar ohne Erfolg. Karl Jansen ist sich sicher: „Das beeinträchtigt die Stimmung und das ganze Fest.“ Addi Grooten sieht schon Streit heraufziehen, wenn manche Gäste trotzdem weiter rauchen und andere sich gestört fühlen. „Die werden keine Ruhe geben.“ Sein Fazit: „Wir sind unzufrieden, aber ändern können wir wohl nichts.“

Harald Ries

Kommentare
09.07.2012
19:57
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von schuhi2306 | #52

also ich bin raucher und es ist doch wohl schwachsinn wenn der staat sich einmischt ob rauchen oder nicht wenn jedes lokal einfach an der tür raucher zeichen oder nichtraucher dann kann sich jeder selber aussuchen ob er reingeht oder nicht ich fühle mich auch von den flugzeugabgasen belästigt werden die aus gesundheitlichen gründen gestrichen? elektosmok werden handys in meiner nähe verboten ? lachhaft das sich unsere politiker da ein kopf drüber machen haben die nicht andere probleme ? und nebenbei bemerkt die tabacksteuer sacken unsere politiker gerne ein ...man sollte mal drüber nachdenken

03.07.2012
07:41
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von Deepyello | #51

So so, die Schützen fürchten um ihr Brauchtum, wenn es ein Rauchverbot gibt. Es gab mal Zeiten, da war es Brauchtum sich mit Pistolen zu duellieren. Zum Glück sind wir von dem Brauch inzwischen weg.

Aber im Ernst: Wenn das Schützenbrauchtum vom Rauchen abhängt, dann sollten wir die Schützenvereine schnellstens auflösen. Die Vereine sollten sich freuen, denn vielleicht kommen dann auch mal wieder mehr Nichtraucher zu diesen Festen. Völliger Unsinn ist das Märchen vom Kneipensterben. Alle in Deutschland gemachten Studien zu diesem Thema wurden von der Zigarettenindustrie zumindest mitfinanziert. In Amerika gibt es seit Mitte der 90iger Jahre Rauchverbote. Eine Langzeitstudie hat klar belegt, dass es kein Kneipensterben gegeben hat. Ähnliche Erfahrungen hat man auch in den nordischen Ländern gemacht. Ich freue mich demnächst mal wieder in eine normale Kneipe gehen zu können, ohne mit stinkender Garderobe nach Hause zu kommen und ohne meine Gesundheit gefährdet zu haben.

29.06.2012
09:04
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von banane666 | #50

@ regal, da bin ich haargenau ihrer Meinung......!!!

28.06.2012
17:05
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von regal | #49

Vielleicht hierzu noch ein interessanter Buchtipp:
"Corpus Delicti" von Juli Zeh

Roman über eine Gesundheitsdiktatur, in der es nahezu unmöglich ist, sich nicht mehr "strafbar" zu machen, wenn man sich nicht an die äußerst strengen Gesundheits-Vorschriften der Regierung hält. Und alles "nur zu eurem Besten"...
Wie soll da ein Raucher argumentieren? Denn es ist natürlich schädlich für die Gesundheit, zu rauchen. Aber auch: Alkohol (bei uns die akzeptierte Volksdroge, auch ziemlich schädlich und für Unbeteiligte ebenfalls reichlich unangenehm), oder Zucker oder Fett oder Fleisch oder was-weiß-ich zu konsumieren oder Auto zu fahren (bzw. in der Stadt zu wohnen) oder zu unbedacht Sport zu treiben (usw.usf.) ist gesundheitsschädlich. Und die meisten Leute, die das tun, WISSEN das. Wir können uns und andere nicht vor allem schützen. Und es gibt Menschen, die das auch nicht WOLLEN.
Das ist ein weites Feld. Und es lohnt sich, mal über den Anspruch und die (eigene) Wirklichkeit nachzudenken

28.06.2012
16:13
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von regal | #48

Wenn man gegen die "großen Sachen" nichts machen kann, geht man dort "vorwärts", wo sich was ausrichten und damit dann groß rumtuten lässt.

Ich kann nicht begreifen, wieso es nicht möglich sein soll, Angebote für verschiedene Bedürfnisse zu machen? Auf den Ferieninseln an der Nordsee z.B. ging das schon Jahre vor der Reglementierungswut gut: Es gab Cafés und Kneipen mit und ohne Raucherlaubnis. Die einen gingen da nicht hin, die anderen dort nicht. Und es ist doch richtig: es gibt inzwischen (gezwungenermaßen) doch wahrhaftig genug Möglichkeiten für Nichtraucher, wo sie hingehen können.

Vielleicht kann für mich dann die Konsequenz nur sein, mich öfter mal zuhause mit Freunden zu treffen: Das ist nicht nur billiger, sondern es riecht auch nicht nach "Volksgesundheit". Man kann die Fenster öffnen usw. - obwohl: Auch immer mehr Wohnungen werden nur noch an "NR" vermietet, was ich unerträglich finde.

28.06.2012
14:48
lückenloser Nichtraucherschutz - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von bloss-keine-Katsche | #47

Da sollen sich die Raucher mit den Beschneidern zusammentun.
Wer aber frei von Körperverletzung sein will und auch nicht will, dass andere darunter leiden, der muss Beschneidung unter Strafe stellen und auch Rauchen in der Öffentlichkeit nicht erlauben.
Wieso geht so was im CSU/FDPregierten Bayern (schon länger)
und hier in NRW müssen wir warten,
muss NRW immer so rückständig sein?

27.06.2012
16:53
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von wolfgang123 | #46

Mit der angeblichen Sorge um die Arbeitskräfte in Kneipen versucht unsere frisch gewählte Regierung das Leben des Wahlviehs weiter zu reglementieren. Kein Wähler von rot-grün kann sich an dieser Stelle beklagen. Es war alles vorher klar.

Raucht nicht mehr! Kauft nicht mehr ein! Fahrt kein Auto mehr! Fliegt nicht in den Urlaub!

Das ist rot-grün!

27.06.2012
16:18
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von hapeer | #45

#33-4
Vorsicht, Vorsicht - auch eine Vielzahl von Getränken, die in Kneipen angeboten, sind nicht ohne Suchtpotential.

Das würde für Sie bedeuten, vom Regen in die Traufe zu kommen...

1 Antwort
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von simmes | #45-1

Natürlich nicht. Eine "Bevormundung" bestünde in diesem Fall doch darin, dass mich jemand gegen meinen Willen zum Mitsaufen zwingt. Das ist mir noch in keiner Kneipe passiert - das gezwungene Mitrauchen leider schon oft.

27.06.2012
16:15
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von meinemeinungdazu | #44

Warum wird Rot-Grün nicht verboten?: Sie schaden unserem Volk!

27.06.2012
16:15
Rauchverbot im Festzelt - Schützen fürchten um ihr Brauchtum
von dummmberger | #43

Diese Sorgen sind unbegründet.
Ganze Scharen gesundheitsbewusster Menschen wie Georg Washuber werden die Zelte stürmen und sich einen gemütlichen Abend bei grünem Tee und Müsli machen.

Das wird ein Bomben-Geschäft.

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2012-06-26 17:02
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