Das aktuelle Wetter Duisburg 9°C
Sauerland

Sauerlands Gegner feiern die Abwahl ihres Oberbürgermeisters

12.02.2012 | 22:06 Uhr
Nach der Verkündung des Ergebnisses im Rathaus jubeln die Mitglieder der Bürgerinitiative, in der Mitte Theo Steegmann. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.  Als Stadtdirektor Greulich das Ergebnis verkündet brandet Jubel im Rathaus auf: 129.833 Stimmen gegen OB Sauerland. Draußen steigen Feuerwerks-Raketen in den Himmel.  Sauerland selbst gibt derweil zu, nicht mit seiner Abwahl gerechnet zu haben.

Zuerst war das kurze, aber eindeutige Nicken von Innenminister Jäger in Richtung von Theo Steegmann, dem Sprecher der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“. Schon da ist klar, dass Adolf Sauerland, der Oberbürgermeister von Duisburg, abgewählt ist . Als lange Minuten später Stadtdirektor Greulich das Ergebnis verkündet: 129.833 Stimmen gegen den OB, brandet Jubel im Rathaus auf. Draußen steigen Feu­erwerksraketen in den Himmel. Begeisterung drinnen, Begeisterung draußen. Was für ein stolzes Ergebnis!

Video
Erleichterung in den meisten Gesichtern der Anwesenden, die die Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Duisburger Rathaus verfolgt hatten. Ein Neuanfang für die Stadt Duisburg scheint zum Greifen nah.

Kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses war ein alter, ein geschätzter Duisburger ins Rathaus gekommen. Alt-Oberbürgermeister Josef Krings. Als ahnte er schon das Ergebnis voraus, gibt er seiner Partei, der SPD, den Rat, bei der Wahl eines Kandidaten „jemanden von außen“ zu bevorzugen, „einen der nicht in die ganze Sache verstrickt sei. Und auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) denkt da schon weiter. Sollte Sauerland abgewählt werden, sei er dafür, dass sämtliche Parteien des Abwahlbündnisses sich auf einen gemeinsamen Bürgermeister-Kandidaten einigen.

Sauerland verabschiedet sich mit: „Gott schütze die Stadt Duisburg“

Eine Stunde später tritt der Abgewählte vor das Mikrofon im Rathausfoyer. Vor der Tür haben sie ihn ausgetrillert, hier drinnen rumort es nun, quittieren sie seine Rede mit abschätzigen Randbemerkungen. Er werde am Mittwoch seinen verwaisten Schreibtisch übergeben, kündigt Adolf Sauerland an. Und er gibt zu, nicht mit seiner Abwahl gerechnet zu haben: „Bei den vielen Erfolgen meiner Arbeit war ich mir sicher, dass das Ergebnis anders sein würde.“ Er habe das Amt mit Herzblut und Leidenschaft ausgeübt. Mit einem „Gott schütze die Stadt Duisburg“ beendet der Noch-Oberbürgermeister seine, wie er sagt, letzte Pressekonferenz in diesem Amt.

Szenen eines langen, eines spannenden Nachmittages in Duisburg: Es ist kurz vor 18 Uhr, als Theo Steegmann, der Sprecher der Bürgerinitiative, den Ratssaal betritt. Etwas nervös, aber guter Stimmung. „Wir haben alles getan. In zwanzig Minuten schließen die Wahllokale, jetzt liegt die Entscheidung bei den Duisburgern“, sagt er. Das Schlimmste, was passieren könne,  sei ein knappes Ergebnis für Sauerland. Dann höre die Polarisierung, die Lähmung der Stadt nicht auf.

Optimistisch gibt sich zu diesem Zeitpunkt auch schon Herbert Mettler, der Fraktionsgeschäftsführer der SPD. Die Wahlbeteiligung läge bei über 40 Prozent, sagt er. „Das erhöht die Chance, dass wir unser Ziel erreichen.“ Da ist es 18.10 Uhr, die Auszählung hat zu der Zeit längst begonnen. Im Rathausfoyer ist es eng geworden, liegt die Spannung in der Luft. Einzig von der Duisburger CDU ist niemand zu sehen. Sie hat sich in einem Lokal in Walsum versammelt. Auch das wird schon als erster Hinweis auf eine Niederlage interpretiert.

Währenddessen laufen im Rathaus die Vorbereitungen des Abstimmungsabends auf Hochtouren. Wie vor eineinhalb Jahren, bei der schon legendären Pressekonferenz am Tag nach der Loveparade, beanspruchen die Übertragungswagen der Fernsehsender ausladend Platz vor dem Haus.

OB Adolf Sauerland abgewählt

Theo Steegmann: „Gut, dass er eine Erklärung abgegeben hat.“

Oben, im ersten Stock, nehmen die aus ganz Deutschland angereisten Journalisten ihre Arbeitsplätze ein. Direkt vor der Tür zum Foyer saßen sie damals nebeneinander, um ih­re Statements zur Katastrophe abzugeben: Lopavent-Chef Rainer Schaller, Ordnungsdezernent Rabe, Planungsdezernent Dressler und  Sauerland eben. Heute geht es um dessen politisches Überleben. Wird er im Rathaus auftauchen? Adolf Sauerland ist seit Tagen an Grippe erkrankt. Eine taktische Grippe, unken manche, die unterstellen, Sauerland drücke sich davor, im Falle seiner Abwahl vor das Rednerpult im Rathaus zu treten. Dass er es später doch tut, rechnen ihm viele positiv an. Auch BI-Sprecher Theo Steegmann: „Gut, dass er eine Erklärung abgegeben hat. Alles andere wäre feige gewesen“.

Der Jubel ist längst verebbt, die einen feiern, die anderen lecken sich die Wunden, da schreiben im Ratssaal noch unzählige Journalisten. Oben an der Wand hängt ein Ölbild von Karl Jarres, dem rechtsliberalen Oberbürgermeister aus den Jahren 1914 bis 1933. Den Zylinder in der Hand, die Brust ordengeschmückt. Bei der Ruhrbesetzung 1923 leistete Jarres Widerstand gegen die alliierten Besetzer, ertrug zwei Monate Haft. Das Land feierte ihn danach als „Helden der Nation“.

Andere Zeiten, andere Stadtoberhäupter.

So wurde in der Stadt abgestimmt - das amtliche Endergebnis

 

Hayke Lanwert

Kommentare
13.02.2012
19:20
Peinlich
von s.fuchs | #32

OB Sauerland hatte 2010 nach Aussagen seiner Mitarbeiter in der Stadtverwaltung massiven Druck ausgeübt, um das Großereignis unter allen Umständen in...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Ergänztes Loveparade-Gutachten soll bis Ende Juni vorliegen
Loveparade
Bis Ende Juni hat Panik-Forscher Keith Still Zeit, das Loveparade-Gutachten nachzubessern. Das Gericht hatte die Frist um mehrere Wochen verlängert.
Opfer der Duisburger Loveparade zeigt Staatsanwälte an
Loveparade
Betroffenen-Initiative sieht Anfangsverdacht wegen Strafvereitelung im Amt: Thorlof Schmidt: „Die Pannen summieren sich bei der Staatsanwaltschaft.
Darum braucht Duisburg so lange für den Loveparade-Prozess
Loveparade
Nach fast fünf Jahren sind immer noch viele Fragen offen. Die Ankläger und ihr Gutachter stehen in der Kritik, das Gericht sagt, es arbeite schnell.
Gutachten stellt Anklage im Loveparade-Verfahren in Frage
Loveparade
Ehemaliger OVG-Richter stellt Zuständigkeit des Duisburger Bauamts in Frage. Auch sieht der Baurechtsexperte die Polizei in größerer Verantwortung.
Unbekannte verwüsten Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg
Loveparade
Erneut haben Unbekannte Teile der Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg zerstört. Aufgestellte Grablichter, Dekorationen und Kränze sind betroffen.
Fotos und Videos
Nacht der tausend Lichter
Bildgalerie
Loveparade
Chronik einer Katastrophe
Bildgalerie
Loveparade
article
6344947
Sauerlands Gegner feiern die Abwahl ihres Oberbürgermeisters
Sauerlands Gegner feiern die Abwahl ihres Oberbürgermeisters
$description$
https://www.derwesten.de/wp/staedte/duisburg/loveparade/sauerlands-gegner-feiern-die-abwahl-ihres-oberbuergermeisters-id6344947.html
2012-02-12 22:06
Adolf Sauerland,Oberbürgermeister,Abwahlverfahren,Loveparade
Loveparade