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LKA-Experten in Dortmund nutzen Photoshop bei Phantombildern

31.01.2012 | 12:00 Uhr
LKA-Experten in Dortmund nutzen Photoshop bei Phantombildern
Kriminalhauptkommissar Joachim Holz arbeitet beim Landeskriminalamt NRW (LKA) in der Abteilung "Visuelle Fahndungshilfen" und erstellt landesweit Phantombilder.Foto: Andreas Winkelsträter

Dortmund.  Bei Anruf Phantombild: In NRW gibt es LKA-Experten, die angefordert werden, sobald es um Täterbeschreibungen bei Verbrechen wie Vergewaltigung oder Mord geht. Zu diesem mobilen Einsatzteam gehört Joachim Holz. Warum er Photoshop für seine tägliche Arbeit benutzt. Ein Porträt.

Das Radiergummi und das Lasso in Photoshop sind seine ständigen Begleiter. Die Autobahnen und Landstraßen in NRW kennt er aus dem Effeff, keine Polizeidienststelle, in der er nicht schon gearbeitet hat: Joachim Holz vom Landeskriminalamt. Der Kriminalhauptkommissar ist im Sachgebiet „visuelle Fahndungshilfen“ zuständig für die Erstellung von Phantombildern, ist einer von vier LKA -Experten in NRW. Und der erfahrene Kripobeamte stellt gleich klar: „Wir erstellen hier keine Passbilder, sondern Fahndungsbilder, die Interpretationen des Betrachters zulassen, eine Art grafischer Typisierung des Gesuchten.“

„Bei Anruf Phantombild“, so könnte man das Serviceangebot bezeichnen, denn landesweit kann die Polizei die LKA-Experten per Anruf anfordern. Natürlich habe man Hürden aufgebaut, „denn wir wollen kein inflationäres Einsetzen der Bilder“, erklärt Joachim Holz. So rücken er, der auf 16 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann, oder seine Kollegen nur aus, wenn es sich um Gewaltdelikte handelt, um Körperverletzungen, Vergewaltigungen oder Mord. „Allerdings kann es auch bei einer Einbruchserie sein, die ein Serientäter begeht, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark beeinträchtigt.“ Und vor allem müsse der Zeuge oder das Opfer „eine gewisse Qualität haben, muss in der Lage sein, mit uns ein Montagebild zu erstellen“.

Bei seiner Tätigkeit greife er nur zu zehn Prozent auf die Technik in seinem Notebook (Photoshop) zurück, der Rest sei Interaktion, Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis. Da ist dann mehr psychologisches Einfühlungsvermögen gefragt, mit dem er sich in die Opfer und Zeugen hineindenken kann, sie in seinen Bildmontagen zum Sprechen bringt. „Was sehr wichtig ist: Wir haben alle Zeit der Welt“, betont Holz. „Erst wenn das Opfer sagt: ,Das ist er’, dann sind wir auch wirklich fertig.“

Scheitern ist normal

Das Gegenüber müsse wissen, dass „Scheitern völlig normal ist“, erzählt der Hauptkommissar. Denn der Zeuge stehe, egal was er auch sagt, unter Druck. Ebenso das Opfer, das vielleicht vergewaltigt worden ist, das schwer verletzt worden ist. Oft habe der Zeuge nur den Bruchteil einer Sekunde Blickkontakt zum Täter gehabt, da sein Blick auf die Schusswaffe gerichtet war. Oft stehe der Täter im Dunkeln. Die Perspektive. Eine Kassiererin etwa, die überfallen wird, blickt in der Regeln sitzend von unten nach oben auf den Täter. Aus all diesen Gründen heraus sei von Beginn an ein Vertrauensverhältnis wichtig, eine lockere Atmosphäre. So besuche er in Ausnahmefällen auch Verletzte am Krankenbett oder gebrechliche ältere Zeugen in deren gewohnter häuslicher Umgebung.

Die wertvollsten Hinweisgeber für ihn: „Kinder, die noch unvoreingenommen an die Sache herangehen, oder ältere Menschen, die schon abgeklärt sind, die viel erlebt haben.“ Mit Kindern arbeite er, als handele es sich um ein PC-Spiel. „Denn das kennen sie von zu Hause.“ Da lockere er die Situation schon mal auf, in dem er Ohren oder Augen auf dem Bildschirm wackeln lasse. „Und bei älteren Menschen lasse ich mir auch mal deren Lebensgeschichte ausführlich erzählen“, so Holz. Danach geht’s entspannt an die Arbeit.

Als Arbeitsgrundlage dient dem Beamten das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop mit einer Datenbank von rund 4500 Bildern. Sie stammen von Straftätern, wurden aber so verfremdet, dass man keine real existierenden Personen erkennen kann. Durch eine Vorauswahl (Mann/Frau, Alter, Erscheinungsbild wie Westeuropäer, Asiat, Südländer etc.) erhalte man eine Auswahl von rund 200 Bildern, die dann genutzt werden. „Wichtig dabei ist, dass wir den Zeugen kein weißes Papier anbieten, das ein aktives Vorgehen von ihnen erfordert“, sagt Holz. „Wir zeigen ihnen vielmehr Inspirationsgrundlagen, sprich Bilder, an denen sie sich orientieren können, an denen sie die Kopfform oder die Augen des Täters wiedererkennen können.“

Und so tauchen nach und nach drei bis fünf Bilder auf seinem Bildschirm auf. Eins, für das sich sein Gegenüber entscheidet, wird zum Basisbild. Dann kommt die Technik zum Einsatz. Holz schneidet die zutreffenden Augen aus anderen Bildvorlagen mit Hilfe der Lassofunktion in Photoshop aus, setzt sie in die von den Zeugen ausgesuchte Kopfform ein, verfeinert das mit dem „Radiergummi“, passt die Formen aneinander an. „Die Augen, ein richtiger Blick, ist die halbe Miete.“

Die Augen sind wichtig

Wie von Geisterhand verändert sich das Bild auf dem Bildschirm. In Windeseile jagt der erfahrene Experte, der knapp über 100 Phantombilder pro Jahr anfertigt, mit der Maus über den Bildschirm. „Je schneller und besser man mit Photoshop arbeitet, desto günstiger ist das für den Zeugen.“

So folgen dann Mund, Kinn, Ohren, alle Details, an die sich der Zeuge erinnern kann. Ganz wichtig, so Holz, seien auch die Haare, die einen Menschen kolossal verändern können. Wie bei einem Mosaik kommt ein Versatzstück zum anderen. „Und oftmals sitzen die Leute dann vor dem Bild, wissen, dass etwas nicht stimmt, aber können es nicht ausdrücken.“ Und dann verändert er schon mal die Proportionen, malt er Licht oder Schatten hinzu, um etwa Wangenknochen deutlicher hervortreten zu lassen. „Es ist wie bei einem Schönheitschirurgen“, sagt Holz. „Ich muss nur wissen, wo genau ich den Schnitt ansetzen muss.“

Auch auffällige schlechte Zähne könne man in die Montagen einbauen, prägnante Piercings oder Tattoos, Basecaps oder Mützen den Tatverdächtigen aufsetzen. Und das alles in Schwarz/Weiß. „Denn dann müssen sich unsere Zeugen nicht entscheiden: Waren es grüne oder graue Augen“, so Holz. Schwarz-Weiß ließe das alles vollkommen offen.

Andreas Winkelsträter


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