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Wenn Senioren vereinsamen

08.08.2012 | 17:29 Uhr
Wenn Senioren vereinsamen
Irmtraud Becker (84) und Hildegund Ewers (v.l.) vom Besuchsdienst der Kolpingsfamilie Dahlhausen besuchen die Dahlhauserin (92).Foto: Ingo Schmidt

Süd. Mathilde V. (Name der Redaktion bekannt) ist nicht bloß allein. Sie fühlt sich einsam. Jedes Klingeln an der Wohnungstür ist wie ein Lichtblick. Von kurzer Dauer. Denn es sind dann selten Verwandte oder Freunde, die der 92-Jährigen einen Besuch abstatten. Einmal pro Woche kommt der Pflegedienst, Nachbarn erledigen Einkäufe. Sonst herrscht Leere in ihrem Leben. „Ich habe fast niemanden mehr“, sagt die Seniorin.

Wie Mathilde V. ergeht es immer häufiger älteren Menschen. Rund zwei Drittel der Personen im Rentenalter waren im Jahr 2011 verwitwet. Darunter befanden sich 53 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen. Immer mehr Ehen werden außerdem geschieden. So lässt der demografische Wandel die Gesellschaft vergreisen. Und die Greise vereinsamen.

Die Dahlhauserin ist seit 42 Jahren Witwe. Nach dem Tod ihres Mannes wollte sie nicht wieder heiraten. Sie war unabhängig, hatte ihr eigenes Einkommen. Nicht nur für die Frauengemeinschaft der Katholischen Kirche war sie zu dieser Zeit aktiv und dadurch viel unter Menschen. So etwas fehlt ihr heute.

Nichten und Neffen versuchen, sich oft wie möglich um sie zu kümmern, sind aber beruflich eingespannt. Noch immer wohnt Mathilde V. in ihrer Wohnung in Dahlhausen, ein Auszug kommt – so lange es irgendwie möglich ist – nicht in Frage. Eine Gesellschafterin begleitet die Seniorin allerdings bei den Arztbesuchen. „Denn ich habe Angst, alleine aus dem Haus zu gehen. Die Knochen wollen nicht mehr richtig mitmachen. Geistig bin ich aber noch topfit.“

Das können vor allem Hildegund Ewers und Irmtraud Becker vom Sozialen Dienst der Kolpingsfamilie Dahlhausen bestätigen. Regelmäßig besuchen die Frauen ältere Mitglieder, die nicht mehr an den Veranstaltungen des Gesellenvereins teilnehmen können.

„Es kann schließlich nicht sein, dass Kolpinggeschwister nur noch Mitglied sind, die Beiträge zahlen. Man darf die Menschen nicht vergessen“, erklärt Ewers den Hintergrund. Das Besuchsprogramm läuft seit Januar, zehnmal waren die Frauen bereits im Einsatz. „Mit Freude und Dankbarkeit werden wir dabei begrüßt, aber auch immer mit der Frage verabschiedet, wann wir denn wiederkommen könnten.“

Hilfe bei Fahrten zum Amt, Einkäufe erledigen oder Krankenhausbesuche gehören mit dazu. Ein Flyer informiert monatlich über das Vereinsleben. „Im Prinzip machen wir alles, was für uns auch machbar ist. Eine Begleitung durch den Alltag eben.“

So wie an diesem Nachmittag der Besuch bei Mathilde V. Im Wohnzimmer setzen sich die drei zusammen, unterhalten sich über Gott und die Welt: Die 92-Jährige liest täglich Zeitung, kann also mitreden. Was ist los im Ortsteil? Was gibt es Neues in der Kolpingsfamilie? Themen, die den Aufenthalt schnell vorbeigehen lassen. Und doch hält dieser Lichtblick länger an, als ein Pflichtbesuch.

Christopher Becker


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