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Warum den Speditionen die Fahrer ausgehen

08.06.2012 | 20:00 Uhr
Lastkraftwagen stehen auf einem Parkplatz. Die Speditionen suchen händeringend nach Fahrern. Foto: Joerg Koch/dapd

Hagen.   Der demografische Wandel trifft die Speditionsbranche mit voller Wucht: Nach Berechnungen des Bundesverbandes Güterverkehr und Logistik werden in den kommenden zehn Jahren nicht weniger als 200.000 Plätze hinterm Lkw-Steuer frei.

Bei den Speditionen werden Lkw-Fahrer knapp. Der demografische Wandel trifft die Branche mit voller Wucht: Nach Berechnungen des Bundesverbandes Güterverkehr und Logistik werden in den kommenden zehn Jahren nicht weniger als 200 000 Plätze hinterm Lkw-Steuer frei, weil die Fahrer in Rente gehen. Und flächendeckend fehlt der Nachwuchs, um diese gewaltige Lücke zu stopfen - auch in der Branchenhochburg Südwestfalen, weiß Jan Tornow, Verkehrsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK). Wir sprachen mit ihm über Ursachen und mögliche Folgen des Fahrermangels.

 

Woran liegt es, dass den Speditionen zunehmend die Lkw-Fahrer fehlen?

Jan Tornow: Da gibt es gleich mehrere Gründe. Unter den sinkenden Schulabgängerzahlen leiden vor allem die Berufe, die ein nicht so attraktives Image haben. Und das trifft eben auch auf den Berufskraftfahrer zu, wenn man sich Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Entlohnung anschaut. Die sind in der Regel täglich acht, neun Stunden unterwegs, haben ununterbrochen mit Termindruck und Staus zu kämpfen, müssen in der Fahrerkabine übernachten und wenn sie Glück haben, dann sind sie am Wochenende mal zu Hause. Für einen Familienvater ist das schon schwierig. Das ist ganz sicher kein leicht verdientes Geld.

Und für das, was geleistet werden muss, ist die Entlohnung nicht gerade üppig. Ich weiß aber auch von Speditionen, die das erkannt haben und gezielt mehr zahlen. (Der monatliche Tariflohn liegt laut Branchenverband bei 1803 bis 1867 Euro brutto plus Spesen und Zuschläge.)

Erschwerend kommt hinzu, dass der Beruf des Kraftfahrers in der Vergangenheit nur selten ausbildungsbewehrt war. Denn die Speditionen hatten kein Problem Fahrer zu finden, weil viele, die von der Bundeswehr kamen, dort ihren Lkw-Führerschein gemacht hatten. Die Betriebe setzten oft gezielt auf solche ungelernten Kräfte. Jetzt ist diese Quelle versiegt - und die ein oder andere Spedition hat in Sachen Ausbildung schlicht die Zeit verschlafen.

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Für Quereinsteiger sind zudem die hohen Kosten eine Hürde. Ein Lkw-Führerschein kostet heute rund 6000 Euro. Hinzu kommen höhere Anforderungen durch EU-weite Regeln, die den Lkw-Fahrern alle fünf Jahre den Nachweis einer kosten- und zeitintensiven Weiterbildung abverlangen.

Was wird getan, um das Problem zu lösen?

Jan Tornow: Es bricht zwar nicht auf einmal die große Ausbildungswelle aus, aber einige, vor allem größere Speditionen haben inzwischen draufgesattelt und bilden verstärkt eigene Nachwuchskräfte aus. Manche gehen auch gezielt in die Schulen, um dort für den Fahrerberuf zu werben. Der ist heute durch die Vielzahl der elektronischen Hilfsmittel im Führerhaus sehr viel anspruchsvoller geworden. Außerdem versuchen Unternehmen ihre Fahrer dadurch zu binden, dass sie ihnen die Lkw nach Wunsch ausstatten.

Steht uns ein großes Speditionssterben bevor?

Jan Tornow: Das glaube ich nicht. Der ein oder andere wird ins Schleudern kommen, aber es wird gleich nicht alles zusammenbrechen. Ich erwarte einen ganz normalen Bereinigungsprozess, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Aber dazu müssen jetzt auch alle aufwachen.

Sven Nölting

Kommentare
11.06.2012
12:37
@wahlpottler
von Codemancer | #16

Arbeitskraft ist nicht gleich Arbeitskraft. Die Arbeitskräfte gehen uns dort aus, wo spezielle Qualifikationen erforderlich sind - Stichwort:...
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Warum den Speditionen die Fahrer ausgehen
Warum den Speditionen die Fahrer ausgehen
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https://www.derwesten.de/wp/region/sauer-und-siegerland/warum-den-speditionen-die-fahrer-ausgehen-id6746079.html
2012-06-08 20:00
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