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Religion

Kritik an kirchlicher "Schulanfangsbox" mit Weihwasser und Gebetswürfel

14.06.2012 | 16:40 Uhr
Kritik an kirchlicher "Schulanfangsbox" mit Weihwasser und Gebetswürfel
Gebetswürfel, ein Gebetbuch und Weihwasser - ein katholisches Hilfswerk will spirituelle Schulanfangsboxen verteilen.Foto: dapd

Paderborn.  Weihwasser, eine Butterbrotdose und ein Gebetswürfel - für 14,90 Euro will ein katholisches Hilfswerk eine Schulanfangsbox an Schulanfänger verkaufen. Kritik kommt vom Grundschulverband. Diese Schulanfangsbox sei Manipulation. Konfessionen sollten sich aus der Schule heraushalten. Die Kinder selbst konnten mit der Box erst einmal nicht viel anfangen.

Der heilige Bonifatius hat auch rund 1250 Jahre nach seinem Ableben nichts von seinem Missionierungseifer eingebüßt. Eine Postkarte erinnert an den Erzbischof, der einst mit "unvergleichlichem Einsatz das Evangelium" verbreitet hat. Die Karte zum Ausmalen befindet sich neben Weihwasser und anderen Gaben in einer Schulanfangsbox des katholischen Bonifatiuswerks.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker verteilt sie am Donnerstag in einer nach dem Heiligen benannten Grundschule. Die bunte Dose mit ihrem spirituellen Inhalt soll bundesweit für 14,90 Euro verkauft werden.

Der Segen Gottes dürfe bei der Einschulung nicht vergessen werden, mahnt Becker, der auch Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz ist. "Rund 700.000 Kinder verlassen in diesen Tagen in Deutschland den Kindergarten und stehen vor ihrer Einschulung. Das ist ein bedeutender Lebensweg der Jüngsten, der nicht ohne Gottes Segen erfolgen sollte", fügt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Georg Austen, hinzu.

Box kommt bei den Kinder erst einmal nicht so gut an

Die sechsjährigen Kinder an der Schule des katholischen Hilfswerkes können mit den spirituellen Gaben wenig anfangen. Sie lächeln freundlich für das Pressefoto mit der neuen Schulanfangsbox in der Hand. So wird es ihnen aufgetragen. Damit sollen sie dafür werben, dass möglichst viele Eltern und Schulen die überdimensionale Butterbrotdose beim Bonifatiuswerk bestellen.

Als der sechsjährige Lukas danach gefragt wird, was denn das an eine Arzneiflasche erinnernde Utensil mit der Aufschrift "Weihwasser zum Segnen" bedeute, sagt er verlegen: "Das ist irgendein Fläschchen." Auch die gleichaltrige Dana hat "vergessen, was das heißt", der bunte Würfel in der Box sei aber schön. Die Aufschriften - "Gott segne..." oder "...die Erde, auf der du lebst" - kann sie noch nicht entziffern. "Ich weiß nicht, was das heißt", sagt Dana.

Der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker (l.), zeigt ein Fläschchen Weihwasser aus einer Schulanfangsbox.Foto: dapd

Erzbischof Becker ist dennoch der Überzeugung, dass das katholische Hilfswerk mit diesem Geschenk zur Einschulung "ganz nah am Leben der Menschen" ist. Er bedauert, dass viele Schulen und Familien "dieses Lebenswendefest" nicht mehr unbedingt mit Kirche und Gottes Segen in Verbindung brächten. Empört berichtet er darauf, in Ostdeutschland gebe es Gegenden, in denen 75 bis 80 Prozent konfessionslos seien. Er gesteht zwar ein, dass es sich bei der Einschulung um einen säkularen Akt handele, sagt aber auch: "Den Beginn eines neuen Lebensabschnitts unter den Segen Gottes zu stellen, nimmt die Lebenswirklichkeit der Kinder ernst."

Grundschulverband kritisiert Schulanfangsbox

Die Vorsitzende des bundesweiten Grundschulverbands, Maresi Lassek, kann ihn mit dieser Einschätzung und dem damit verbundenen missionarischen Eifer gar nicht ernst nehmen. Sie empfindet die Schulanfangsbox mit ihren spirituellen Inhalten "als Manipulation". Schließlich müsse man den Gebetswürfel, das Weihwasser und die damit verbundene Bedeutung erklären.

Das sei etwa an der von ihr geleiteten und aktuell mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Grundschule unmöglich. Ihre Schüler hätten zu mehr als 90 Prozent einen Migrationshintergrund. Daher ist Lassek der Ansicht, dass die Konfessionen sich aus der Schule heraushalten sollten. Die Schulanfangsbox sei nicht zulässige Werbung. "Selbst wenn es nur um eine Butterbrotdose geht. Das hat nichts in der Schule verloren", sagt sie und würde sie an ihrer Schule verbieten. Gegen Leiter staatlicher Schulen wie Lassek scheint selbst der 1250 Jahre alte Missionierungseifer des Bonfiatius machtlos.

Der katholische Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann nennt diese Art der Missionierung vom Bonifatiuswerk gar "einen hilflosen Versuch. So etwas ist wie auf asphaltierten Böden zu pflanzen". (dapd)


Kommentare
15.06.2012
19:34
LOL
von Elvenpath | #28

Kritik an den Moderatoren nicht erwünscht....

15.06.2012
19:27
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.06.2012
19:11
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #26

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.06.2012
19:02
Wehe
von Elvenpath | #25

Wenn ich jemals einen Geistlichen erwischen sollte, der mein Kind derart zu manipulieren versucht, dann kann sollte er zusehen, dass er möglichst schnell das Weite sucht!

15.06.2012
11:56
Kritik an kirchlicher
von Auntie | #24

Einige scheinen ja nicht zu verstehen, warum das andere so aufregt. "Niemand braucht das doch zu nehmen" "Stört doch keinen" "Niemand wird gezwungen".

Ja richtig. Doch staatliche Schule sollte nichts mit Religion zu tun haben. Man stelle sich vor...Es werden Korane an Grundschüler verteilt und sie bekommen für den Schulanfänge Gebetsteppiche mit...

Die Eltern mögen - in ihrer elterlichen Gewalt - die Kinder zur Kirche schleppen und ihre Puppen in Form der Arche Noah halten. In der Schule hat dies nicht zu suchen.

1 Antwort
Kritik an kirchlicher
von gatagorda | #24-1

Und Knfessionsunterricht gehoert auch nicht in die Schule, allerhoechstens ein Fach Religionskunde, in dem die Kinder etwas ueber die grossen Weltreligionen erfahren. Glaubenserziehung ist Sache der Eltern und der entsprechenden Geistlichkeit. Meinetwegen Sonntagsschulen wie in den Staaten

15.06.2012
11:00
Kritik an kirchlicher
von bertholdfritz | #23

Mummenschanz und Hokuspokus
Sehr geehrter Frau Erzbischof,
ich möchte mich bei Ihnen beschweren! Wie können Sie in der heutigen Zeit solche Behauptungen aufstellen wie:“ Den Beginn eines neuen Lebensabschnitts unter den Segen Gottes zu stellen, nimmt die Lebenswirklichkeit der Kinder ernst.“
Haben die Kinder nicht den Kindergarten abgeschlossen und gehen nun in die Schule? Wo fehlt es hier an Lebenswirklichkeit? Haben Sie nicht ohne den Segen Gottes ihre eigene Empfängnis hinnehmen müssen und sind trotzdem bis in die heutige Lebenswirklichkeit geschliddert? Und nun sind Sie da und verbreiten solch einen Un-Sinn. Es macht nur den einen Sinn, wenn Sie solche Dinge betonen: Sie wollen sich selbst wieder ins Spiel bringen, denn Sie leben davon.
Aber wir brauchen Sie nicht wirklich. Suchen Sie sich einen anständigen Job, verdienen Sie Ihr Geld durch eigene Hände Arbeit, wie wir alle, die Sie und ihren Hoc est corpus meum bisher finanziert haben. Das sollte vorbei sein, Aufklärung war schon

15.06.2012
10:39
Kritik an kirchlicher
von Gothaur | #22

Naja, ist ja nur das Christentum, da kann sich natürlich Hinz und Kunz, und jeder "Walter Wichtig" ohne weiteres Kritik erlauben.
Warum auch nicht? Passiert ja eh nix.
Anderweitig sähe das natürlich ganz anders aus.
Gruß

15.06.2012
09:50
Hoffen wir,
von meigustu | #21

das dass Weihwasser keine Fälschung ist und auch alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften erfüllt.

15.06.2012
09:26
Kritik an kirchlicher
von Catman55 | #20

Naja, von der Privatsache ist es ja noch weit entfernt - siehe Kirchensteuer.

15.06.2012
08:07
Kritik an kirchlicher
von randori20 | #19

Hier sieht man, das Fundamentalismus genauso in den christlichen Kirchen existiert. Es wird endlich Zeit, das die Trennung von Staat und Kirche konsequent durchgeführt wird. Religion ist Privatsache und hat in Schulen nichts verloren.

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