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EM-2012

Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen

29.06.2012 | 16:47 Uhr
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
Sie langweilten die Zuschauer: Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn am ZDF-Strand auf Usedom. Foto: ZDF

Essen.   Beckmann gab den Besserwisser, bei Waldi wurde herumgepöbelt. Und selbst die Urlauber machten einen Bogen um den ZDF-Fernsehstrand. Die TV-Berichterstattung zur Fußball-EM war zum Abgewöhnen. In positiver Erinnerung bleibt höchstens Bela Rethy, dem ohne Spickzettel ein witziger Kommentar gelang.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war diese Europameisterschaft kein Hort des Frohsinns. Das Fernsehen macht da keine Ausnahme. Live-Kommentare schwer wie Blei, ein Fußballstrand mit einer Stimmung wie in der Stadtbücherei, dazu die prolligen Pöbeleien in Waldis Bierbahnhof – so gewinnt man keine Titel.

Und wenn nicht der liebe Scholli gleich zum Anpfiff des Turniers einen dummen Spruch über Mario Gomez rausgehauen hätte, wäre noch nicht mal Stoff genug für des Deutschen Lieblingsbeschäftigung übrig gewesen: das Nörgeln. Im Nörgeln sind wir Weltmeister. Wir nörgeln sogar über die Leute, die nörgeln. Auch deshalb überwucherte Mehmet Scholls Gomez-Spruch die Berichterstattung der kompletten ersten EM-Woche, vielleicht auch in Ermangelung anderer Vorlagen.

Kritik üben, nach einem Sieg – darf man das eigentlich, fragte die Nation empört und erörterte die Antwort in den bewährten Foren. Die Nationalmannschaft beschwerte sich in den Pressekonferenzen, Waldis Spießgesellen rissen ihre Zoten, gern auch im Kaiser-Kostüm, Frank Plasberg rief eilig eine so genannte Experten-Runde ein, und – Euro-Krise hin, Rettungsschirm her – irgendwie bekam man den Eindruck: Die Gomez-Kritik ist ein Fall für Amnesty International.

Scholl biss sich auf die Zunge

Der liebe Scholli wurde von diesem Shitstorm so erwischt, dass er sich von Stund an überhaupt nichts mehr traute. Man muss ihm zugute halten, dass er nach Gerhard Dellings frühem Abschied einen Partner zur Seite gestellt bekam, mit dem er überhaupt nicht konnte.

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Reinhold Beckmann gab wieder einmal den Besserwisser und mühte sich nach Kräften, jeglichen Dialog zu versenken. Was einst im Duo Delling-Netzer wunderbar leicht funktionierte, diese knackigen Doppelpässe zwischen Fachkenntnis und Humor, gerann diesmal zum zähen Quark. Beckmann machte sich wichtig, und Scholl biss sich lieber auf die Zunge, als noch einmal was Böses zu sagen.

Erholung beim Anblick von Wellen, Wind und Möwen

Man freute sich also fast, wenn das ZDF übernahm und nach Usedom schaltete, und das soll wirklich was heißen. Jubelfeste fanden am Fernsehstrand zu Heringsdorf wahrlich nicht statt, aber so schlecht wie im Nörgel-Forum behauptet, war der an die Ostsee verlegte Fernsehgarten nun auch nicht. Und immerhin konnte man sich zwischendurch immer wieder beim Anblick von Wellen, Wind und Möwen erholen, was ja nun bei Beckmann, Scholl und Waldi leider nicht möglich war.

Selbst die Urlauber vor Ort machten einen Bogen um die Veranstaltung, was aber auch am Preisgefüge liegen kann. Die besten Plätze kosteten 120 Euro. Manche der 800 Liegestühle und 80 Strandkörbe blieben also leer, was die allgemeine Freude mächtig dämpfte, auch bei den Veranstaltern, die nun ein Defizit im hohen fünfstelligen Bereich befürchten.

Gewittersturm raubt den Spickzettel

Was bleibt in Erinnerung? Ein witziger Live-Kommentar von Bela Rethy , dem ein Gewittersturm den Spickzettel raubte, und vor allem die letzten Minuten des Spiels Spanien gegen Irland. Vier Dinger hatten die Iren reingekriegt, die Party war zu Ende, und dann begann die grüne Insel-Armee zu singen. „Fields of Athenry“, ein schwermütiges Lied von einem armen Bauern, der einem reichen Engländer Getreide stiehlt, um seine Familie vor dem Hungertod zu retten. Immer lauter sangen sie, ein gewaltiger Chor von Trotz und Trauer füllte Arena und Fernsehschirm, und was macht Tom Bartels: Er schweigt. Lässt die Bilder wirken, spürt die Macht dieser Minuten. Ein TV-Kommentator, der mal die Klappe hält: Das ist nun wirklich einen Titel wert.

Ulrich Schilling-Strack


Kommentare
02.07.2012
07:12
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von eidaisserjawieder | #9


leider leider gibt es noch keine funktion " NUR " dem kommentator den
HALS - ÄÄÄHMMMM TON ABZUDREHEN
ganz ohne ton sind fussballuebertragungen leider etwas langweilig
olli und den rest kann ich ja wegschalten

nur leider laest sich mit dem dummen gelaber seeehhhhr viel sendezeit fuellen!
.

01.07.2012
16:36
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von Goldsucher | #8

Die Gründe, die GEZ zu verweigern, werden so langsam erdrückend!

01.07.2012
15:02
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von seew1 | #7

Bela Rethi gelangen witzige Kommentare? Was haben Sie denn geraucht? Auf der-postillon.de (oder .com)W war folgender Eintrag zu lsen: Bela rät die: Sportkommentator kann sich Namen der Spieler nicht merken." Sene Kommentare war en Plattheit nicht zu überbieten. Jeder weiß, daß es mehrere Möglichkeiten,aber nur eine Alternative gibt, aber B. R. nicht !Auch die Sportreporter früherer Generationen waren nicht unbeddingt mehrsprachgi, aber gescheit genug, sich schlau zu fragen. B.R. taugt für "Media-Markt" und "Saturn"-Reklame, aber zu nicht mehr- WWann immer er komentiert, drehe ich denn Ton ab, denn seine Kommentare sind einfach "unterirdisch".

01.07.2012
12:19
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von TVtotal | #6

Wie sagte der ewig betroffen dreinschauende von der ARD noch zu den Italienischen Stürmern...STRASSENKÖTER...das so einer überhaupt noch ein Micro in die Hand bekommt ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Gebührenzahler!

4 Antworten
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von Fernglas | #6-1

Genau das ist "lebender" Journalismus

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #6-2

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Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von seew1 | #6-3




sie haben vollkommen Recht! Beckmann ist eine Schande!

Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von Dirk72 | #6-4

Und Scholl bezeichnete die italienischen Stürmer als Pflegefälle !

01.07.2012
11:42
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von muellerdoerk | #5

Eine vortreffliche Kollegenschelte der Fernsehberichterstattung! Chapeau.Ihr langjähriger Englandkorrespondent legt den Finger in die Wunde Deutscher Befindlichkeiten und beschreibt uns trefflich als Weltmeister im Nörgeln.Im Verbindung mit diesem typisch deutschen Charakterzug steht die beispielhafte Humorlosigkeit und Zaghaftigkeit der Fernseh-Kommentatoren.Dass es besser geht, bewiesen die Herren Delling-Netzer! Auch unsere junge Mannschaft sollte sich in dieser Hinsicht an den bei der Nationalhymne schmetternden Griechen, Irländern und insbesondere Italienern ein Beispiel nehmen!

30.06.2012
22:19
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von fsch | #4

Eine solche Kollegenschelte von einer Redaktion, die als Glanzlicht ihrer EM-Berichterstattung den immens wichtigen und inhaltlich herausragenden Frisurenvergleich zwischen Reus und Gomez ersann?

30.06.2012
20:25
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von Highlanders | #3

Da lob ich mir die Kommentare hier bei uns in Grossbritannien...in den Halbzeitpausen kamen Ex Spieler wie Alan Shearer oder auch Juergen Klinsmann bei der BBC zu Wort...Klinsis Meinung hat hier auf der Insel grosses Gewicht...wer braucht da schon Kahn, Waldemar und Hohenstein...

30.06.2012
19:21
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von 09sammy | #2

Immer schön kritisieren und selbst die Hausaufgaben nicht machen!
Usedom an der Nordsee??

2 Antworten
Erdkunde
von Erbeck1 | #2-1

Da haben Sie selbstredend recht , aber mir ist es beim "Überlesen" auch erst nicht aufgefallen .

Ich fand Mehmet Scholl gut und das nicht erst seit dieser EM - er hat Ahnung sowie Witz und zudem trifft er die Fussballersprache . Mit Delling wäre es aber in der Tat besser gewesen . Ich mag Beckmann oder Kerner auch nicht in den Abentalks , wo Leute wie Boris Becker erscheinen . Schleimige Unterhaltung mit null Wert !

Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von Andreas.Fettig | #2-2

Nordsee, Ostsee ... - Wasser ist doch Wasser, Meer gleich Meer.
Nein, im Ernst - danke für den Hinweis. Wir habens korrigiert und den Kollegen mit einem Stein an den Füßen in die Ostsee geworfen.
Beste Grüße
Die Redaktion

30.06.2012
19:04
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von S04CKS | #1

Bis zu 120 Euro wollte man den dafür Leuten abknüpfen, Ollis sssehr, sssehr guten und enoooorrm wichtigen Kommentaren live zu lauschen?

Dreist!

1 Antwort
Fernsehkommentare zur EM waren zum Abgewöhnen
von S04CKS | #1-1

... den Leuten dafür ...

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