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Edelfleisch aus Brasilien ist ein Klimakiller

24.05.2012 | 14:12 Uhr
Edelfleisch aus Brasilien ist ein Klimakiller
Rinder erzeugen viel klimaschädliches Kohlendioxid. Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool

Wien.   Gourmets schätzen Rindfleisch aus Argentinien, Brasilien oder Japan. Doch die Ökobilanz des Übersee-Fleisches ist verheerend: Ein Kilo Rind aus Südamerika etwa setzt so viel C02 frei wie eine Autofahrt vom Ruhrgebiet nach Neapel.

Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1600 Kilometer lange Autofahrt. Das ist deutlich mehr als bei vielen vorhergehenden Berechnungen dieser Klimabilanz.

Der Grund dafür: Forscher aus Österreich und den Niederlanden haben für die neue Kalkulation auch berücksichtigt, welche Flächen für die Tierzucht und -haltung benötigt werden. Auf dem für die Rinder genutzten Weideland könne kein Wald mehr wachsen, der das Treibhausgas aus der Atmosphäre aufnehme und so das Klima entlaste. Dadurch verschärfe sich der negative Einfluss der Tierhaltung auf das Klima zusätzlich, berichten die Forscher im Fachmagazin „International Journal of Life Cycle Assessment“ (doi: 10.1007/s11367-012-0434-7).

Rindfleisch aus Mitteleuropa schneidet in der Bilanz der Wissenschaftler deutlich besser ab, mit umgerechnet 111 Kilometern Autofahrt. Das liegt unter anderem daran, dass hier Rinder für die Fleischproduktion meist in Mastställen gehalten werden und keine großen Weideflächen beanspruchen. Als am klimaverträglichsten unter den Fleischprodukten erwies sich deshalb auch in Europa erzeugtes Hühnerfleisch: Ein Kilogramm des Geflügelfleischs ist nach den Berechnungen der Forscher für den Ausstoß von durchschnittlich 6,4 Kilogramm CO2 verantwortlich, dies entspricht 31 Autokilometern.

„Die industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse“

Das aber heißt nicht, dass die bei uns übliche Stallhaltung der Tiere ökologisch besser sei, betonen die Forscher: „Die industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse, auch wenn sie in der Klimabilanz manchmal besser abschneidet als die Weidehaltung“, sagt Erstautor Kurt Schmidinger von der Universität Wien. Würde man statt der Weidenhaltung alle Rinder in Ställen halten und mit Kraftfutter ernähren, bräuchte man dafür mehr Ackerland, um das Tierfutter anzubauen. „Das hätte Konsequenzen für die Welternährungssituation “, sagt der Forscher.

Auch unter Gesichtspunkten wie globalen Seuchen, Antibiotikaresistenzen , Tierschutz, Biodiversität, Wasserverschmutzung, Bodenerosion und vielen anderen sei die industrielle Tierhaltung sehr problematisch.

Tofu-Herstellung verbraucht nur wenig CO2

„Pflanzliche Lebensmittel hingegen schneiden unter Einbeziehung aller ethischen Aspekte der Welternährung tatsächlich wesentlich besser ab als Tierprodukte“, sagt Schmidinger. In der Studie erzielten Pflanzenprodukte die mit Abstand besten Klimawerte: So verursacht die Produktion von einem Kilogramm Tofu umgerechnet 3,8 Kilogramm CO2, das entspricht 19 gefahrenen Autokilometern.

Für ihre Studie hatten die Forscher die Klimabilanz verschiedener Lebensmittel nach der weltweit gängigen Life Cycle Assessment-Methode ermittelt. Dabei wird berechnet, wie viel CO2 bei der Erzeugung eines Produkts freigesetzt wird – sowohl durch direkte Emissionen wie durch den Energieverbrauch oder den Transport, als auch indirekt, beispielsweise durch die Produktion von Futtermitteln oder anderen Rohstoffen.

dapd

Kommentare
24.05.2012
20:35
Edelfleisch aus Brasilien ist ein Klimakiller
von dumper | #3

Erbsenzählerei ,sonst nichts. Wenn ich Argentinisches Rindfleisch essen will oder Kobe Rind ,interessiert es mich einen feuchten Keks wieviel Co2 dabei freigesetzt wird. Diese Erbsenzähler sollten erst einmal vor ihrer eigenen Türe kehren bevor sie sich das Maul zerreißen.

1 Antwort
Man weiß, daß Fleischkonsum Hunger in die Welt bringt,
von vantast | #3-1

und die Erde weiter zerstört. Leider interessiert es die meisten Leute nicht, wie man hier sieht: das kindliche Verhalten wird nicht verändert, die Welt nicht gerettet. Schade nur, das es immer die Ärmsten am meisten trifft.

24.05.2012
15:48
Edelfleisch aus Brasilien ist ein Klimakiller
von Beichtvater | #2

Soso, nun werden also die nicht vorhandenen Waldflächen fiktiv zur Berechnung hinzugezogen...
Haben die "Forscher" (sorry, Statistiker will ich hier nicht verunglimpfen) auch die 1600 km Straße für eben diese eine Autofahrt als negativen Einfluss des Autos berücksichtigt?
Incl. der Herstellung der Straße, der Leitplanken, der Herstellung der Maschinen und dem Transport des Asphalts zum Verwendungsort?

Nein?
Ok, dann können wir diesen Artikel auch wieder getrost in die Sommerlochschublade legen, wo er hingehört.

24.05.2012
14:47
Edelfleisch aus Brasilien ist ein Klimakiller
von Dunervstmich | #1

Der Raps und Maisanbau hierzulande scheint mir ein viel größeres Problem zu sein. Auf diesen Feldern wächst auch kein Wald. Und vor allem keine Lebensmittel für den Verzehr. Statt dessen wird der Mais unsinnigerweise verbrannt. Dank erneuerbaren Energie Gesetz wird dieser Unsinn auch noch fürstlich subventioniert. Lieber erst mal vor der eigen Haustüre kehren, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Oder zu versuchen eine neue Neiddebatte zu starten. Motto reiche Bonzen essen argentinisches Rindfleich und wir werden vergiftet.

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2012-05-24 14:12
Antibiotikaresistenzen, Rindfleisch, CO2-Speicherung, Fleischproduktion
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