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Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell

26.08.2011 | 12:42 Uhr
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
Die ARD setzte im Spätsommer 2011 auf eine Talkshow-Offensive nach dem Motto: fünf Tage, fünf Köpfe. (Foto: Das Erste)

Essen. Willkommen im Talkshow-Karussell 2011! Reinhold Beckmann fürchtet sich vor dem neuen Sendeplatz. Frank Plasberg tritt mit “Hart aber fair“ gegen Günther Jauchs Erfolgsquiz „Wer wird Millionär?“ an – obwohl Jauch eigentlich Plasbergs neuer Senderkollege ist. Und Anne Will ist am späten Mittwochabend gestrandet. Ein Überblick.

Fünf Tage, fünf Köpfe, fünf Talkshows: So einfach kann Programmplanung in der ARD manchmal sein. Verkauft wird die Talkshow-Offensive als ein Mehr an Information. An vieren der fünf Tage beginnen die „Tagesthemen“ zudem einheitlich um 22.15 Uhr. Programmdirektor Volker Herres nennt das die „größte Struktureform des Ersten Deutschen Fernsehens“.

Verbunden war das jedoch mit Konzessionen, keiner der Talker im Ersten sollte murren, keiner zu sehr benachteiligt werden. Auch die Dokumentationen (zuvor montags, 21 Uhr) sollten nicht untergehen. Doch statt mehr tiefgründiger Dokus - die nun ins Spätprogramm gewandert sind – präsentiert die ARD nach Aussagen des Medienwissenschaftlers Bernd Gäbler „noch eine Talkshow, noch eine Talkshow, noch eine Talkshow“. Gäbler ist Verfasser der Studie „.. und unseren täglichen Talk gib uns heute!“ der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Er weist schon jetzt darauf hin, dass sich in der deutschen Talklandschaft Themen doppeln, Politik zur Show gemacht werde und die immer wieder gleichen Gäste auftauchen. Selbst die ehemalige ARD-Talk-Queen Sabine Christiansen beschwerte sich in einem Zeitungsinterview, dass es „ein bisschen viel“ gesellschaftspolitische Talkshows gebe. Das sei schade, weil „es sich damit etwas abnutzt“.

Themen-Doppelungen sollen vermieden werden

Mehrmals wöchentlich werden dann wahrscheinlich wieder die üblichen Gäste – oder besser „Talkshow-Sitzmöbel“ – zu ähnlichen Themen diskutieren. Aber die ARD verspricht selbstverständlich: Unnötige Doppelungen sollen durch eine „redaktionsübergreifende Datenbank“ verhindert werden. Einheitsbrei werde es nicht geben, jede Sendung habe ihre eigene „Farbe“, setze „eigene Akzente“. Doch selbst Reinhold Beckmann fragt sich, ob die Datenbank ein „bürokratisches Planungsmonster“ wird.

Ein Überblick über die künftige „Fünf Tage“-Woche des Talks im Ersten:

Sonntag (21.45 Uhr bis 22.45 Uhr):
Der perfekte Sendeplatz nach dem Sonntagskrimi gehört nun nicht mehr Anne Will, sondern Günther Jauch . Seine erste Sendung läuft am 11. September 2011, zehn Jahre nach den Terroranschlägen in den USA. Der 55-Jährige will den Begriff des „Politischen“ weiter fassen, hat er angekündigt. Es könne auch mal um Doping im Sport gehen, sagte er kürzlich. Eine Sendeminute kostet mehrere Tausend Euro.

Montag (21 Uhr bis 22.15 Uhr):
Frank Plasberg muss nun mit „Hart aber fair“ ab dem 5. September in den ersten Minuten gegen seinen neuen Talk-Kollegen Günter Jauch antreten. Ausgerechnet in den Minuten, in denen Zuschauer übers Ein- oder Ausschalten entscheiden, unterhält Jauch die RTL-Zuschauer mit dem Erfolgsquiz „Wer wird Millonär?“.

Dienstag (22.45 bis 0 Uhr):
„Menschen bei Maischberger“
startet am 30. August auf dem üblichen Sendeplatz. Für Sandra Maischberger ändert sich nicht viel. Ihre Talk-Sendung sei, so die ARD, eines der „zentralen Foren des gesellschaftspolitischen Diskurses im deutschen Fernsehen“ - und soll das bleiben.

Mittwoch (22.45 bis 0 Uhr):
Verliererin? Nein, dass sei sie nicht und sie sei auch nicht wütend auf Jauch, sagte sie der WAZ Mediengruppe . Doch „Anne Will“ (ab 31. August) ist nun am späten Mittwochabend gestrandet. Wäre sie eine Stunde früher dran, könnte sie wenigstens noch ein paar Zuschauer mehr dank des „Film-Mittwochs“ im Ersten gewinnen. Dann wären auch Themenabende – wie zuvor sonntags hin und wieder nach dem Tatort – denkbar gewesen. So allerdings muss Anne Will in den num 75-minütigen Format kreativer sein als zuvor am Sonntag: Der neue Sendeplatz ist kein Selbstläufer mehr.

Wechselt den Sendeplatz: Reinhold Beckmann. (Foto: Getty)

Donnerstag (22.45 Uhr bis 0 Uhr):
Reinhold Beckmann musste vom Dienstag auf den Donnerstag weichen und nun „jedem Zuschauer eine Umzugskarte schicken“, wie er jüngst im „Spiegel“-Interview quengelte. In der Premierenwoche (1. September) tritt „Beckmann“ auf dem ungewohnten Sendeplatz gegen den ersten Teil der ZDF-Dokumentation „Nine Eleven - Der Tag, der die Welt veränderte“ an. Beide Sendungen dürften ein ähnliches Publikum ansprechen.
 
In der zweiten Woche wird’s nicht besser. Dann kehrt im ZDF die charmante Maybrit Ilner mit ihrer Polit-Talkshow aus der Sommerpause zurück. Und auch im eigenen Haus gibt’s Konkurrenz: Weil Neu-ARD-Talker Günther Jauch schon einmal vorsorglich Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) auf seine Gästeliste geschrieben haben soll, habe er, so Beckmann, „zwei Wochen hintereinander den Papst eingetragen. Mal mit Dalai Lama und mal ohne“.

Tobias Fülbeck


Kommentare
06.09.2011
11:06
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Marc_Bolan | #19

Der Eintrag von Daredevil v. 27.8. trifft es schon ziemlich genau auf den Punkt. Es geht wie (fast) immer um Kohle/Zaster. Bei 53,-€ GEZ Quartalsbeitrag und das bei ca. knapp 40 Mio. Haushalte,....da kommt schon ein riesiges Sümmchen an GEZ-Gebühren zusammen,..und nun heißt es, dass Geld auch auszugeben, denn am Jahresende darf nichts über bleiben, sonst bekommste nächstes Jahr weniger in deinen Etat!! Also,..mit vollen Händen raus die Kohle, und jetzt heißt es für unsere Gisela Schlüters (Plaßberg, Will, Maischi., Jauch, Illner etc.pp.ich nenn sie mal so, ich mochte die Gisela nämlich)) was von dem großen Stück Kuchen abzubekommen, und da kratzt die eine Krähe der anderen kein Auge aus, da halten alle zusammen, und die ARD bezahlt sie nicht nur wegen des Gelsüberflusses so gut, sondern hat auch Angst, dass die boys and girls abwandern könnten zu den privaten! Auch wenn man einen Sendeplatz am Mit. um 22:45 h hat, füp die Kohle kann man ganz schön viel Schmerzen aushalten! Ich gebe Tante Anne noch max. drei Jahre, dann ist sie beim RTL in Kölle, da hebt sie dann das kulturelle Niveau und dort sind auch ihre Wurzeln. Und den anderen traue ich auch so was in der Art zu.
Ich sollte auch eine Talk-show im ARD bekommen, die würde heißen: Stammtischparolen, ...das was so in Kneipen an den (angetrukenen) Stammtischen so von sich gegeben wird, ungefiltert, wäre bestimmt witzig :-) Also, Augen zu und durch, mfg M.B.

02.09.2011
22:16
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von rockingmom | #18

Bin leidenschaftlicher ÖR-Gucker, aber diesen Kram brauche ich wirklich nicht. Es sitzen eh immer die gleichen Nasen dort. Geldverschwendung.

31.08.2011
10:16
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von telefacts | #17

Das Wichtigste dabei ist doch der Kandidaten-Nachschub. Ich hätte da eine Idee:
http://blog.telefacts.tv/2011/04/07/kandidaten-knast/

30.08.2011
21:27
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Moeppkenbrot | #16

Erinnern mich an die Addams Family.....

28.08.2011
16:55
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Pucky2 | #15

Hölle, Hölle, Hölle... in der ARD wird also nur noch getalkt... aber leider nicht mehr diskutiert.

Ich sehne mich nach Sendungen, wie ich stelle mich mit Claus Hinrich Casdorff. Damals durften die Gäste noch ausreden und sich erklären und der Moderator stellte gescheite fragen und drängte sich nicht in den Mittelpunkt.

27.08.2011
10:34
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.08.2011
09:51
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Daredevil | #13

Wir reden hier von FÜNF gesellschaftspolitischen Talksendungen auf EINEM einzigen öff-rechtl. Sender, die zusammen genommen grob überschlagen mehr als 40 Mio. Euro /Jahr kosten (was die Herrschaften pro Sendeminute bekommen, ist im Artikel oben verlinkt). Davon allein etwa 21 Mio. für Sendungen, die mitten in der Woche (Di-Do) von 22.45-0.00 Uhr ausgestrahlt werden, also wohl kaum nennenswert Zuschauer haben dürften und gegen zumindest ähnlich gelagerte Sendungen wie Stern TV konkurrieren.

Hier gehts doch wirklich nur noch darum, die Politiker/Entscheidungsträger zu verhätscheln in dem man ihnen eine Plattform für ihre Selbstdarstellung bietet, damit sie ARD und ZDF über die GEZ weiter das Geld in rauhen Mengen zuschustern und gleichzeitig sich seine Moderatoren auf Warteposition warmzuhalten und mit jeder Menge Geld durchzufüttern, der Zuschauer/Bürger hat herzlich wenig Vorteile von seiner Talkschwemme.

Es sollte öffentlich-rechtlichen Sendern eigentlich verboten werden in diesem sowie einigen etwaigen anderen Formaten mehr als 1-2 gleichartige Sendungen pro Sender produzieren zu dürfen, damit das Geld der Gebührenzahler nicht mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen wird bzw. es sich diese Herrschaften nach Kräften in die eigene Tasche wirtschaften.

27.08.2011
05:29
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von themroc | #12

Mulitier ;-)

26.08.2011
22:20
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Moeppkenbrot | #11

Murmeltier!

26.08.2011
22:15
Plasberg, Jauch, Will - das ARD-Talkshow-Karussell
von Moeppkenbrot | #10

Da grüßt einen doch ewig das Murmultier!

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