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Rückspiegel - Eine deutsche Politesse irrt nicht! 15 Euro!

09.12.2011 | 10:55 Uhr
Foto: WP

Bochum/Witten  Von einem neuen Höhepunkt der Knöllchen-Abzocke berichten Bürger aus Witten und Bochum: die Verwarnungsrücknahmegebühr in Höhe von 18 Euro für die Einstellung eines nachweislich ungerechtfertigten Verfahrens.

Der 68-jährige Reinhard K. aus Bochum soll am 10. Oktober auf einem Gehweg in Bochum geparkt haben. Nur komisch. Er und sein Wagen waren in der Eifel, bezeugt von einer geschlossenen Gesellschaft. Ob sich da vielleicht jemand verschrieben hat? Niemals! So etwas passiert einer deutschen Politesse nicht! 15 Euro! Halterhaftung!

Der Protest des langjährigen Kfz-Sachverständigen bewegte die Stadt zum Kompromiss: 18 Euro jedoch kostet die Einstellung des Verfahrens. Klagen möchte K. nicht. Und er zahlt lieber die 18 Euro, als den falschen Vorwurf zuzugeben. „Ständig auf Koks“, sang Herbert Grönemeyer über sein Bochum einst. Dass das auch für die Stadtverwaltung gilt, konnte damals niemand ahnen.

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Als Arno R. das Geschichtchen vom legalen Betrug las, wunderte er sich nur wenig. Ihm war das selbe in Witten passiert. Besonders witzig: Er soll an einem Platz geparkt haben, den es gar nicht gibt. Knolle ist Knolle und Gebühr Gebühr, erklärte ein Stadtsprecher vor laufender Kamera dazu. Wie sollte der Platz, den es nur auf dem Papier des Bußgeldbescheides gibt, am besten heißen? Putin-Platz Vielleicht? Vorschläge, bitte.

Die Möglichkeiten dieser extralegalen Einnahmequelle sollten natürlich streng zu Ende gedacht werden, denn der Staat hat nichts mehr zu verschenken. Eigentlich könnte man ja in Witten, Bochum und wo sonst Recht und Gesetz herrschen, auf das Erteilen ausgedachter Parkknöllchen verzichten und zufällig ausgesuchten Haltern gleich eine Verwarnungsrücknahmegebührenbescheid zuschicken. Das würde Kosten sparen. Die Bescheide ließen sich auch vorab im Stadt-Shop an Bürger verkaufen, zum Beispiel als Geschenkgutschein für Weihnachten über ein, zwei Verwarnungsrücknahmen.

Gerd Heidecke


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