Schneewittchen am Theater Hagen

Schneewittchen (Annika Firley) und die sieben Zwerge am Theater Hagen. Foto: Theater Hagen
Schneewittchen (Annika Firley) und die sieben Zwerge am Theater Hagen. Foto: Theater Hagen
Foto: Theater Hagen

Hagen.. Der Prinz ist ein Traumtyp mit blonden Locken. Doch Schneewittchen winkt ab. Schönheit alleine reicht nicht. Das Theater Hagen erzählt den Klassiker der Brüder Grimm jetzt in einer zauberhaften Inszenierung als Geschichte vom Erwachsenwerden.

Hagen ist ein Opernhaus und stellt daher konsequent die ganze Magie des Musiktheaters in den Dienst des jährlichen Weihnachtsmärchens. Damit hat die Bühne Pionierfunktion in Nordrhein-Westfalen. Erstmals komponiert Andres Reukauf die Lieder zum Familienstück: Knackige Rhythmen und wunderschöne Melodien, die sofort ins Blut gehen und mit ihrer Emotionalität eine zusätzliche Erzählebene zum Geschehen beisteuern. Die Kinder können der engagierten Band unter Reukaufs Leitung bei der „Arbeit“ zusehen, das bringt die Handlung viel näher an die kleinen Zwerge im Publikum heran als Töne aus der Konserve.

Und noch etwas hebt das Hagener Weihnachtsmärchen heraus. Intendant Norbert Hilchenbach macht die Inszenierung zur Chefsache. In seiner Regie werden klassische Märchenstoffe lebendig - aber nicht brav oder sogar kitschig, sondern überraschend neu gedeutet. Starke Mädchen gibt es in diesen Geschichten, zu denen Werner Hahn das Textbuch schreibt, keine Modepüppchen.

Hilchenbach lässt seine Figuren eine Entwicklung durchmachen. So auch Schneewittchen. Nicht der Prinz ist am Ende der Erlöser, der kann warten und wiederkommen. Stattdessen beschließt das unselbstständige Schneewittchen, der Fuchtel der Stiefmutter endlich entronnen, erst einmal zu lernen, wie man auf eigenen Beinen steht. Denn gutes Aussehen allein, das kann nicht der Grund für wahre Liebe sein.

Der wunderbare Hagener Bühnenbildner Jan Bammes hat ein richtiges Märchenreich entworfen. Das Zwergenland steht im Mittelpunkt; der große Baum mit seiner Wohnplattform hat schon in „Fairy Queen“ begeisternde Dienste geleistet. Als greller Gegensatz zur Waldromantik funktioniert der Fitnessraum der Stiefmutter, die sich an ihrer Schönheit abrackert und für die ein Pickel auf der Nase einer Tragödie gleichkommt.

Ein Familienstück lebt von starken Kontrasten. Entsprechend setzt Norbert Hilchenbach die Figuren ohne Zwischentöne in Szene. Constanze Fischbach ist eine hysterisch-gemeine Stiefmutter im goldenen Turntrikot, die mit toller Stimme und viel Beinarbeit ihrer Wut freien Lauf lässt. Annika Firley besticht als Schneewittchen mit mädchenhaftem Timbre und leichtfüßigem Charme. Tillmann Schnieders hat als Prinz Gottfried einen schmelzenden Tenor und ein geschniegeltes Auftreten. Bettina Kenney, der gestiefelte Kater der vergangenen Saison, fegt trotz einer Verletzung als Zwerg Viggi wie ein Wirbelsturm über die Bühne.

Engagierte junge Solisten

Alle Solisten sind junge Musicalkünstler, die meisten von ihnen haben am Theater Hagen die ersten Bühnenerfahrungen sammeln können, und sie tanzen, singen und spielen mit überwältigend mitreißender Freude an der Sache. Das gilt auch für die Zwerge, die mit Sockenmütze und Stirnlampe herzerfrischend komisch über die Bühne poltern und deren Zwergenmarsch der Hit des Winters in der Region werden könnte.

Information über freie Termine und Karten: 02331 / 2073218 oder www.theater.hagen.de Die Schneewittchen-Lieder gibt es auf CD.

 
 

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