Ein Untergang im Nahen Osten

Arnon Grünberg schreibt sehr viel (Romane, Theaterstücke, Kolumnen, Reportagen) und oft sehr seltsam. Nicht stilistisch, da ist er ehrgeizlos konventionell. Aber seine Helden und seine Geschichten sind schwer einzuordnen. In „Der Mann, der nie krank war“ ist dies noch stärker der Fall als sonst.

Sam sieht aus wie ein Inder, was am Vater liegt, ist aber Schweizer, wie die Mutter. Er kümmert sich um seine behinderte Schwester, hat große Pläne als Architekt, führt eine Beziehung mit der schönen Nina. Aber manchmal wirkt es, als sei er gar nicht wirklich da.

Sam nimmt an einem Wettbewerb für eine Oper in Bagdad teil, reist hin, wird entführt, gefoltert und schließlich befreit. Danach lässt er sich von Nina gerne demütigen. Und arbeitet erneut im Nahen Osten, in Dubai. Es läuft nicht gut. Er wird verhaftet, als Mossad-Killer angeklagt und hingerichtet. Wirklich vermisst wird er nicht. Sehr unangenehm. Aber er hat wenig getan, um es zu verhindern. Er ist passiv hineingeschlittert ins Unheil. Es waren dumme Zufälle, Missverständnisse. Oder doch ein dunkler Sog, der Sam angezogen hat, der ihn bewog, seine behütete Existenz aufs Spiel zu setzen?

Der Leser erfährt es nicht. Er weiß nicht, was er von Sam halten soll. Identifikationsangebote gibt es kaum. Der Held bleibt einem fremd. So fremd wie sich selbst, so unverbunden mit der Welt, so wenig lebendig, so hohl und leer. Grünberg spart nicht mit Ironie, baut durchaus glaubhafte Szenerien, bleibt aber auch an der Oberfläche. Das ist alles sehr irritierend. Irritation ist gut.

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