370 Hektar Privatwald werden Wildnis - aber mit Windrad

Martin Korte
Das "Wildnisgebiet Heiligenborn" nahe Bad Laasphe soll in eine neue Naturschutzstiftung übertragen und damit langfristig erhalten und entwickelt werden. Waldbesitzer Dieter Mennekes (li.) mit Helmut Ahlborn von der Forstverwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein.
Das "Wildnisgebiet Heiligenborn" nahe Bad Laasphe soll in eine neue Naturschutzstiftung übertragen und damit langfristig erhalten und entwickelt werden. Waldbesitzer Dieter Mennekes (li.) mit Helmut Ahlborn von der Forstverwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein.
Foto: dpa
Waldeigentümer Dieter Mennekes stiftet eine 500 Fußballfelder große Fläche im Wittgensteiner Land. Die Fläche soll sich selbst überlassen werden und so wieder ein Stück Urwald werden. Aber: Auf dem Grundstück soll ein Windrad gebaut werden. Mit dessen Einnahmen soll die Naturschutz-Stiftung finanziert werden.

Bad Laasphe. Erstmals wird in NRW ein Privatwald in ein Wildnisgebiet umgewandelt. 370 Hektar Forst sollen im Kreis Siegen-Wittgenstein wieder zur unberührten Natur werden. Eigentümer Dieter Mennekes bringt die Fläche, so groß wie 500 Fußballfelder, in ein groß angelegtes Wildnisprogramm ein.

Für die Umwandlung überführte er das Grundstück in eine eigene Naturschutzstiftung. Diese soll unter anderem durch die Installation eines Windrades auf der Wildnis-Fläche finanziert werden – „gezwungenermaßen“, wie Mennekes gestern im Gespräch mit dieser Zeitung einräumte. An der Grenze zu seinem Wald seien von anderen Investoren bereits drei Wind-Anlagen geplant; er selbst hatte zwei Räder beantragt, wovon nur eines bewilligt wurde. Das Windrad sei artenschutzrechtlich genehmigt worden, sagte Michael Blaschke, Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz, gestern. Es sei nur für eine „Übergangszeit“ geplant; das Gebiet brauche schließlich 15 bis 20 Jahre, um sich in einen „Urwald“ zu entwickeln.

Am Donnerstag bei der Vorstellung des Projektes war allerdings noch nicht die Rede von einem Windrad. Umweltminister Remmel (Grüne) sagte in Bad Laasphe vielmehr, Wildnisgebiete seien der „Urwald von morgen“. Es gehe darum, die Artenvielfalt zu schützen: „Dafür sind Wildnisgebiete da – dass die Natur Natur sein kann.“ Wildnisgebiete sind Waldflächen, in denen sich die Natur frei entfalten kann. Eine forstliche Nutzung ist dauerhaft ausgeschlossen, zudem bleiben alle Bäume bis zu ihrem natürlichen Verfall stehen.

Der Eigentümer und Umweltstifter Dieter Mennekes (73) ist der erste Privateigentümer, der sich am europäischen Wildnisprogramm beteiligt. „Wir können nicht den Brasilianern predigen, dass sie ihre Wildnis intakt halten sollen, wenn wir selbst nichts tun“, sagte er. Einkünfte aus der Wildnisfläche habe er künftig zwar nicht mehr. „Ich sehe das als eine gute Investition an, wenn der Ertrag der Allgemeinheit zugute kommt.“

Porträt Dieter Mennekes

Wildnis statt Millionen

Kommentar: Treppenwitz im Wildwald