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Traumhaus der Deutschen steht am Grafenbusch in Oberhausen

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Häuser haben Gesichter Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services
Das bundesweit ermittelte Wunschhaus wurde 1997 als Zwillingspaar eingeweiht. Der Grafenbusch bekam den Zuschlag wegen seiner guten Erreichbarkeit.

Oberhausen. 

Das Wunschhaus der Deutschen steht am Grafenbusch. Es ist das Siegerhaus einer gemeinsamen Aktion vom Magazin „Stern“ und der Bausparkasse „Schwäbisch Hall“. Am 25. September 1997 wurde es feierlich eingeweiht. Der damalige Bundesbauminister Klaus Töpfer war dazu nach Oberhausen gereist, ebenso wie Susanne Barkenecker aus Münster, die den „Traum vom Wohnen“ in einem Preisausschreiben gewonnen hatte. Erfüllt hat sich den später Ingo Mersmann. „Ich wohne gerne hier“, sagt er.

Wohn- und Arbeitshaus

„Ich habe es als Musterhaus angeschaut und es 1997 übernommen.“ Im Grunde handelt es sich um zwei Häuser, die durch eine Brücke miteinander verbunden sind. „Lässt sich gut nutzen als Wohn- und Arbeitshaus“, meint Mersmann. „Es ist auch möglich, eins zu bewohnen und das andere zu vermieten.“ Oder es als Domizil fürs Zusammenleben von Jung und Alt zu nutzen? „Eher nicht, meint der Besitzer. Dafür seien die Treppen „für Ältere schwer zu bewältigen“. Allen voran die, die zur Dachterrasse des einen Hauses hinaufführt. Das Ergebnis: Oben sitzt nie jemand. Dafür gibt es unten gleich zwei verschiedene Terrassen und, weil die Haus-Zwillinge etwas verwinkelt angelegt sind, auch mehrere Gartenstücke. Man könnte zwei Grillpartys parallel laufen lassen, ohne dass die Gäste miteinander zu tun haben müssten.

SerieIn Fertighaustechnik gebaut, mit Holz verkleidet und mit kleinen Fenstern ausgestattet, wollten die Architekten vom Büro Baufrösche in Kassel günstige klimatische Verhältnisse schaffen, was ihnen aber auf der Brücke nicht gelungen ist: Sie ist im Winter kalt. Wer will schon einen Mantel überziehen, um im eigenen Haus den Raum zu wechseln?

Macht alles nichts, das Positive überwiegt. Irgendwie fühlt man sich bei Mersmanns ein bisschen wie im Urlaub. „Generell ist das Haus gut durchdacht“, sagt Mersmann. „Das Verwinkelte ist der Reiz an den Häusern.“

Weitere Zwillingspaare des Traumhauses stehen nebenan 

Häuser? Ja. Nebenan gibt es noch zwei weitere Zwillingspaare, die ebenfalls nach dem Entwurf der Baufrösche gebaut worden sind. „Die haben fast vier Jahre, nachdem ich eingezogen war, noch leer gestanden“, erinnert sich Mersmann. Mögliche Gründe sind der hohe Preis, denn zwei Häuser kosten eben doch mehr als eins. Auch möglich, dass niemand so nah an der Bahnlinie wohnen wollte. „Als ich einzog, kamen acht Züge am Tag, mittlerweile sind es 25.“

Zum Ausgleich ist man in wenigen Minuten im Centro, am Schloss oder am Kaisergarten, kann am Kanal spazieren gehen und in der Siedlung selbst ist kaum Verkehr.

Keines der drei Zwillingspaare gleicht wirklich dem anderen, sagt Mersmann. „Die Bewohner konnten die Aufteilung selbst bestimmen. Es gibt innen keine tragenden Wände.“ Dass die Wunschhäuser extrem anpassungsfähig sind, beweist das Hauspaar nebenan. Hier wurde die Brücke entfernt. Die Zwillinge wurden einfach getrennt, wodurch der eine Zwilling etwas erweitert werden konnte.

Die Flexibilität war’s denn auch, die die Fachwelt beeindruckte: „Hier werden Wohnvorstellungen auf sympathische Ikea-Art aufgebrochen.“ Im Zusammenspiel von zwei Häusern scheine alles machbar: Teilung bei Scheidung, sturmfreie Bude, Büro und Gewerbe, Altenteil, Einliegerwohnung, Starterhaus.

70.000 Fragebögen

Wie kam das Wunschhaus der Deutschen nach Oberhausen? Die Stadt bewarb sich und erhielt den Zuschlag. Gut zu erreichen sollte der Standort sein, möglichst viele Interessenten sollten das Muster-Traumhaus besichtigen können.

Um zu erfahren, wie die Deutschen wohnen möchten, hatte der „Stern“ bundesweit 70 000 Fragebögen verschickt und auswerten lassen. Das Ergebnis war wenig überraschend: Wohnwunsch Nummer eins war das Einfamilienhaus, pfiffig, ökologisch, bezahlbar, frei stehend und praktisch sollte es sein.

Im Rahmen des darauf folgenden Wettbewerbs waren Architektur-Büros aufgefordert, Entwürfe einzureichen, die die Wohnwünsche erfüllten. Die Kasseler Baufrösche überraschten mit der Idee des Zwillingswohnens und machten das Rennen. Nun galt es, die richtige Stadt zu finden, die dem Wunschhaus einen Bauplatz bieten könnte.

Im Grafenbusch wurden drei Haus-Zwillingspaare gebaut, Musterhaus war nur das von Ingo Mersmann.