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Große regionale Preis-Unterschiede bei gebrauchten Immobilien

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Foto: LBS
Gebrauchtimmobilien sind in NRW heute vergleichsweise günstiger als vor zehn Jahren – besagt die Wohnungsmarktanalyse der Landesbauparkasse (LBS). Das gilt sowohl für Häuser als auch für Eigentumswohnungen. Zudem ist die Nachfrage in Bezug auf barrierearmes Wohnen gestiegen.

Essen. 

Klagen über dramatisch steigende Immobilienpreise sind aus Sicht vieler Experten zu pauschal. Dazu sind die Unterschiede je nach Region viel zu groß. Das gilt bundesweit, aber auch auf Nordrhein-Westfalen bezogen. Wer in Düsseldorf oder Köln, günstigstenfalls auch noch in Zentrumsnähe, kaufen möchte, braucht ein Vielfaches von dem, was eine vergleichbare Immobilie etwa in Warstein oder Meschede kosten würde.

Nach der Wohnungsmarktanalyse der Landesbauparkasse geht die Schere auch anderswo auseinander: bei den Preisen von Neuimmobilien im Vergleich zu Bestandsobjekten. So hat sich das von der LBS als größtem Makler vermittelte Durchschnittseigenheim in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel auf aktuell 278.000 Euro (Preis im ersten Halbjahr 2013) verteuert. Gebrauchte Häuser wurden im gleichen Zeitraum sogar um fünf Prozent günstiger – und waren zuletzt für durchschnittlich 172.000 Euro zu bekommen. „Eine ähnliche Entwicklung beobachten wir bei den Eigentumswohnungen“, betont der LBS-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerhard Schlangen.

Gebraucht für weniger als die Hälfte erhältlich

Ursache für den teureren Neubau sind vor allem hohe Grundstückspreise in Zentrumsnähe, zusätzliche Anforderungen an den Wärmeschutz sowie gestiegene Komfortansprüche. Das gilt für Wohnungen wie Häuser gleichermaßen. Sparen kann, wer sich eine passende Bestandsimmobilie als Alternative sucht. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung müssen im Schnitt rund 98.000 Euro Kaufpreis gezahlt werden. Das ist weniger als die Hälfte des Preises für eine vergleichbare Neubau-Wohnung.

„Und durch die extrem niedrigen Zinsen ist es oft sogar möglich, die Wohnung für den gleichen Betrag zu finanzieren, der die Miete ausmacht“, betont Schlangen. Dann sorgt entweder der selbst nutzende Eigentümer oder (indirekt) ein Mieter mittel- bis langfristig für die Abtragung des Kredits. Eine einfache Rechnung am Beispiel einer 60 Quadratmeter-Wohnung zum Kaufpreis von 100.000 Euro verdeutlicht das: Bei einer monatlichen Kaltmiete von 417 Euro (entsprechend sieben Euro pro Quadratmeter) könnte man diese Wohnung bei drei Prozent Zinsen und zwei Prozent Tilgung für den gleichen Aufwand auch finanzieren. Der Unterschied: „Als Käufer baut man mit den monatlichen Zahlungen eigenes und bleibendes Vermögen.“ Das macht zwar auch der Mieter – allerdings nicht für sich selbst, sondern für den Vermieter.

Barrierefreiheit – Studie zeigt den hohen Bedarf

In einer Studie ließ die LBS derweil den künftigen Bedarf für das barrierearme Wohnen ermitteln. Demnach fehlen in NRW heute schon 694.000 entsprechend ausgestattete Wohnungen. Bis 2030 werden es durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung sogar 824.000 sein. In 55 Prozent der NRW-Haushalte ist der Hauptverdiener heute über 50 Jahre alt. Zwei Drittel davon wollen auf jeden Fall im dritten Lebensabschnitt zuhause wohnen bleiben.

Die meisten glauben, sie könnten ihre Immobilie auch mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit weiter bewohnen. „Hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit allerdings oft weit auseinander“, so Schlangen. Von zehn Ausstattungsmerkmalen, die ein barrierearmes Heim auszeichnen, werden im Schnitt nur zweieinhalb erfüllt. Umso wichtiger sei eine finanzielle Vorsorge, damit im Fall der Fälle die nötigen Reserven für einen Umbau zur Verfügung stehen.

Der Gesetzgeber habe dies bereits erkannt, als er die Wohn-Riester-Förderung ab 2014 nun auch für den barrierearmen Umbau freigegeben habe.