Energie-Fachmann treibt Hausbesitzer zum Sparen an

Tobias Krell
Hocheffizient: Nach der Sanierung dieses Hauses von 1949 betrug die Energieersparnis stolze 97 Prozent.
Hocheffizient: Nach der Sanierung dieses Hauses von 1949 betrug die Energieersparnis stolze 97 Prozent.
Foto: Dena
Sanierung, Heizung, Energieausweis – das sind die Schlagworte im Gespräch mit Dena-Fachmann Thomas Drinkuth. Was Hauseigentümer im Kleinen erreichen können, wirke sich letztlich auf die gesamte Energiebilanz aus. Gerade bei älteren Gebäuden sei das Einsparpotenzial besonders hoch.

Die Energiewende ist in aller Munde. Oft wird in diesem Zusammenhang aber nur über die großen Ziele gesprochen, über Kraftwerke, Technologien und Stromleitungen. Im Gespräch mit Thomas Drinkuth, stellvertrender Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energieagentur Dena, wollten wir wissen, wie es um die Energiewende im Kleinen bestellt ist, wie wichtig der Beitrag privater Eigentümer zum großen Ganzen ist und wann sich eine Sanierung oder der Heizungstausch lohnt.

Herr Drinkuth, welche Bedeutung haben private Eigentümer für eine erfolgreiche Energiewende?

Thomas Drinkuth: Zunächst einmal hat der Gebäudebereich generell eine sehr hohe Bedeutung. Wenn von der Energiewende die Rede ist, geht es meist um den Ausstieg aus der Atomenergie und den Verzicht auf fossile Brennstoffe. Dabei wird oft übersehen, dass unser gigantischer Energiehunger dieser Entwicklung derzeit entgegensteht. Ohne eine deutliche Absenkung unseres Energiebedarfs wird der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht möglich sein – und der Gebäudebereich bietet große Potenziale zur Verbesserung der Energieeffizienz.

Und wie hoch ist derzeit der Anteil von Gebäuden am Energieverbrauch?

Drinkuth: Das macht immerhin stolze 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus. Davon entfallen gut zwei Drittel auf Wohngebäude – 41 Prozent auf Ein- und Zweifamilienhäuser, 24 Prozent auf Mehrfamilienhäuser. Da ein erheblicher Teil der Gebäude hierzulande vor 1978 gebaut wurde – also zu einer Zeit, in der Energieeffizienz noch keine große Rolle spielte, ist der Nachholbedarf durchaus noch groß.

Auch alte Heizungsanlagen gibt es in großer Zahl. Wie kommt es, dass der Markt für moderne Heizungen nur sehr langsam wächst?

Drinkuth: Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die meisten Eigentümer erst dann ihre Heizung wechseln, wenn die alte defekt ist. Dabei gibt es genug in die Jahre gekommene Heizungen, die so unrentabel sind, dass sich dort ein Austausch lohnen würde. Ich würde sagen: Spätestens mit einem Alter von 15 Jahren lohnt sich eine Überprüfung, wie hoch das Einsparpotenzial ist.

Immer noch gibt es Eigentümer, die energetische Sanierungen scheuen. Vereinzelt wird sogar behauptet, die Maßnahmen könnten nicht halten, was sie versprechen. Wie beurteilen Sie das?

Drinkuth: Das ist eine Frage, die uns sehr häufig gestellt wird. Es scheint, als wären viele Menschen skeptisch. Dabei gibt es dazu unserer Erfahrung nach keinen Grund. Wir haben inzwischen im Rahmen eines Projektes viele hundert Gebäude durch eine solche Sanierung begleitet – und bewertet. Die Auswertungen zeigen, dass die tatsächliche Energieeinsparung (im Schnitt 76 Prozent) dem angepeilten Wert (durchschnittlich 80 Prozent)sehr nahe kommt. Eine mögliche Erklärung, warum nach einer energetischen Sanierung der Verbrauch manchmal nicht sinkt, ist die falsche Nutzung der nun gut gedämmten und effizient geheizten Wohnungen und Häuser. Wer glaubt, künftig könne er bei offenem Fenster die Heizung ständig voll aufdrehen, macht damit die möglichen Einsparungen zunichte. Auch nach einer Sanierung sollte bewusst und sparsam mit Energie umgegangen werden.

Wann lohnen sich energetische Sanierungen?

Drinkuth: Sie lohnen sich vor allem bei älteren Gebäuden, an denen länger nichts getan wurde. Das gilt wie bereits erwähnt ganz besonders dann, wenn ohnehin Arbeiten am Haus anstehen. Wenn beispielsweise die Fassade sowieso neu gemacht wird, ist es sinnvoll, sich gleich auch um die Dämmung zu kümmern. Ich empfehle, stets einen qualifizierten Energieberater hinzuzuziehen. Der kann absehen, was sich lohnt.

Was ist sinnvoller - kleinere Schritte oder eine Sanierung in einer großen Maßnahme?

Drinkuth: Das kommt auf den Zustand von Wänden, Dämmung, Fenstern und Anlagentechnik an. Je älter diese sind, desto eher lohnt sich eine große Gesamtsanierung. Aber auch kleinere Maßnahmen können schon beachtliche Effekte erzielen. Nicht jeder Eigentümer kann sich die Sanierung auf einen Schlag leisten. Deshalb ist der Regelfall die schrittweise Sanierung. Wenn das gut geplant ist und (wie oben bereits empfohlen) einhergeht mit ohnehin anstehenden Arbeiten, macht sich das ökologisch wie wirtschaftlich bezahlt. Ein gutes Gesamtkonzept lässt sich mit Hilfe eines Energieberaters erstellen.

Wie sehr hat sich der Gebäude-Energieausweis bisher bewährt?

Drinkuth: Der Energieausweis ist im Grundsatz ein gutes Instrument, das auch bei vielen Menschen gut ankommt, aber in der Praxis leider noch nicht so präsent ist, wie wir uns das wünschen. Das hat unsere große Umfrage zum Thema ergeben. Demnach kennen immerhin 80 Prozent der Menschen hierzulande diesen Ausweis. Und davon empfinden ihn 90 Prozent als hilfreich. Ärgerlich ist nur, dass der Gebäudeenergieausweis bei Wohnungsbesichtigungen gerade einmal in jedem vierten Fall auch zugänglich war. Aber dahingehend soll sich mit der nächsten Novelle der Energieeinsparverordnung etwas tun.