Bauherren sollten beim Hausbau an die Zukunft denken

Heute bauen und an morgen denken - Wichtig ist eine flexible Raumaufteilung beim Hausbau zu planen.
Heute bauen und an morgen denken - Wichtig ist eine flexible Raumaufteilung beim Hausbau zu planen.
Foto: dpa
Wer heute sein Eigenheim baut sollte unbedingt schon an morgen denken. Schließlich können sich die Lebensumstände und Wohnwünsche mit der Zeit ändern. Es gibt alledings einige Tricks, mit denen man sein Heim so gestaltet, dass man sie später gegebenenfalls an seine neuen Ansprüche anpassen kann.

Mainz. Nie mehr Stress mit dem Vermieter oder den Nachbarn: Ein eigenes Heim wünschen sich viele. Wer selber baut, braucht dafür nicht nur das nötige Kleingeld. Er sollte auch wissen, wie er leben will. Dabei geht es nicht nur um Zimmeranzahl und Wohnfläche, sondern auch um Vorlieben und Gewohnheiten. Wer zum Beispiel häufig Besuch empfängt, benötigt eine Diele mit großer Garderobe und womöglich ein Gästezimmer. Und wer viele Bilder aufhängen möchte, braucht entsprechend viel Wandfläche.

Lebensumstände und Wohnwünsche können sich ändern

Auch sollte der Bauherr nicht nur an seine aktuellen Wünsche, sondern an die Zukunft denken. "Der Großteil der Wohnhäuser wird von Bauherren im Alter um 35 Jahre gebaut", sagt Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in Mainz. "Bereits einige Jahre später können sich die Lebensumstände, Wohnwünsche oder auch Komfortansprüche grundlegend verändert haben."


Kinder werden erwachsen und ziehen aus, dafür ziehen später vielleicht die eigenen Eltern ein. Wer viele Räume in etwa gleich groß plant und auf tragende Innenwände verzichtet, kann die Aufteilung leichter wieder ändern. So kann aus dem Kinderzimmer ein Hobbyraum werden, erläutert die Architektenkammer Rheinland-Pfalz in ihrem Handbuch "Was Bauherren wissen müssen".

Bei der Raumplanung kommt es auf Kleinigkeiten an 

Wer sich schon beim Hausbau Gedanken über Barrierefreiheit macht, kann später teure Umbauten vermeiden. Türöffnungen sollten von vornherein so geplant werden, dass sie sich später noch verbreitern lassen, und die Treppe so großzügig sein, dass sich ein Lift einbauen lässt. Weitere Maßnahmen sind schwellenfreie Raumübergänge, tief gesetzte Schalter und Bäder mit ebenerdigen Duschen.


Die Wohnfläche ist natürlich auch eine Frage des Budgets. Aber zu sehr sollte am Platz nicht gespart werden. "Wenn man schon baut, will man schließlich Wohnqualität schaffen", sagt Alexander Scholz, freier Architekt aus Bliesdorf (Brandenburg). Zur Orientierung empfiehlt er: 12 bis 16 Quadratmeter für Schlaf- oder Kinderzimmer, 40 bis 50 Quadratmeter für Küche und Wohnzimmer zusammen. Planen Hausbauer bei Türen einen Mindestabstand von 60 Zentimetern zur Wand ein, passt hinter die geöffnete Tür noch ein Schrank. Für ein Regal oder die Garderobe reichen 40 Zentimeter.

Steckdosen an der richtigen Stelle?

Was ist besser: Ein offener oder ein geschlossener Grundriss? Eine offene Wohnküche wirke großzügig und hell, erläutert Scholz. Dafür mangele es an Rückzugsmöglichkeiten. Beim geschlossenen Grundriss sind die Zimmer kleiner, aber man kann die Tür auch mal hinter sich zumachen. "Ich selber bevorzuge offene Räume, da bekommt man allerdings nie richtig Ordnung rein", sagt der Architekt. Wen Dünste vom Kochen und herumstehendes Geschirr stören, der sollte Küche und Wohnzimmer lieber trennen. Wer sich für einen großen Bereich für Essen, Kochen und Relaxen entscheide, könne auf verschiedenen Ebenen planen - etwa eine Sitzecke schaffen, die drei Stufen tiefer liegt.


Bei der Raumplanung kommt es auch auf kleinere Dinge an: "Steckdosen sind immer an der falschen Stelle", sagt Alexander Scholz. Also: Ausreichend einplanen und auch an Vierer- oder Fünfer-Leisten denken. Über Daten- oder Lautsprecherkabel sollte man sich ebenfalls rechtzeitig Gedanken machen, damit sie später nicht quer durch die Wohnung verlegt werden müssen.

Unten wohnen und oben schlafen

120 bis 180 Quadratmeter sind bei einem Haus für eine vierköpfige Familie eine gute Größe. Aber manche müssen mit 100 Quadratmetern auskommen. Alexander Krippstädt vom Bund Deutscher Innenarchitekten Mitteldeutschland in Dresden rät, zum Beipiel die Arbeitsecke eben im Wohn- oder Schlafzimmer einzurichten. "Eine beliebte Lösung ist es, eine Wand aus einem angrenzenden Zimmer noch etwa 60, 70 Zentimeter weiter in den Raum hineinzuführen", erklärt Krippstädt. "So entsteht eine Nische mit genug Platz für die Arbeitsplatte."


Unten wohnen und oben schlafen - das ist immer noch der Klassiker. Für die Lage der Räume gilt ein einfaches Prinzip: Nach Norden oder zur Straßenseite hin liegen idealerweise Funktionsräume für Hauswirtschaft, Garderobe und Technik sowie die Speisekammer, erläutert Krippstädt. Nach Osten ist die Küche ausgerichtet und nach Westen das Wohnzimmer, wo die Familie den Tag gemeinsam ausklingen lässt. (dpa)