Wie halten Sie sich fit, Herr Kraus?

Peter Kraus als Schnulzenkönig in dem Film „Sytemfehler – Wenn Inge tanzt“.
Peter Kraus als Schnulzenkönig in dem Film „Sytemfehler – Wenn Inge tanzt“.
Foto: Verleih
„Sugar Baby“ ist und bleibt seine Visitenkarte, das ändert sich auch mit 74 nicht. Peter Kraus singt die alten Lieder gerne, wenn man ihn Raum für Neues lässt. Nun ist er auch wieder im Kino zu sehen, in dem Jugendfilm „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“.

Mit einem halben Jahrhundert Showkarriere als Sänger, Schauspieler und Entertainer hat Peter Kraus einen eigenen Legendenstatus erreicht. Der gebürtige Münchner gab 1954 sein Leinwanddebüt in der Kästner-Verfilmung „Das fliegende Klassenzimmer“. Drei Jahre später rockte er das Wirtschaftswunder mit den Hits „Sugar Baby“ und „Sweetie“. Seit den 60er Jahren bestreitet er Fernsehshows und erfolgreiche Bühnentourneen. Mit einer Gastrolle als Schlagersänger im Teenfilm „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ (Start: 11. Juli 2013) meldet sich Peter Kraus nun auf der Leinwand zurück.

Wer war als Rock’n’Roller Ihr Vorbild? Elvis oder Eddie Cochran oder doch lieber die Everly Brothers?

Peter Kraus: Eigentlich keiner von denen. Ich mochte lieber Bill Haley.

Was denn, der war doch fett, mit Schmalzlocke!

Ja, aber das hat damit nichts zu tun. Es war sein Gesang. Der hatte den Swing. Oder Elvis mit seinen ersten Nummern, weil die sehr groovig waren. Aber wen ich nie mochte, das war Little Richard. Das hat für mich keinen Groove, das war nur brachial, derb. Aber Bill Haley swingt. Und da kam ich ja auch selber her. Ich bin mit der Musik von Sinatra, Gene Kelly und Fred Astaire aufgewachsen. Bei mir muss es swingen. Aggression brauche ich nicht.

Und jetzt sind Sie der ewige Teen-Boy, der zur Gitarre greift und „Sugar Baby“ singt?

Ja sicher, das auch. Aber ich sage immer, „Sugar Baby“ und die Songs, die die Leute immer wieder sehr gerne von mir hören wollen – das ist meine Visitenkarte. Andere zücken ein Papierkärtchen, ich singe „Sugar Baby“. Das gönne ich den Menschen, aber dann müssen sie mir auch zuhören, was ich Neues zu sagen habe.

Und das gelingt straflos?

Es gab auch schon den Fall, dass es mich störte. Aber dann wiederum ist es doch faszinierend, eine Musik importiert zu haben, von der man sich doch eigentlich wünschte, dass sie ganz schnell wieder weg vom Fenster ist.

Ach ja: Negermusik, Hottentottenmusik . . .

Und Schluckaufgesang und so weiter. Und dann gehst du 55 Jahre später auf die Bühne und die Leute warten darauf, dass du diese Lieder spielst – ja, das ist doch klasse und dann mache ich das natürlich. Aber wie gesagt: Es ist der Schlüssel, dass ich dann auch was anderes machen darf. Allerdings muss man den haben, denn sonst kommt man gar nicht erst rein.

Nun ist Ihre Interessen- und Talentlage alles andere als eingleisig.

Naja, ich habe mich ja von Anfang an nicht nur auf Schlager konzentriert. Ich war auch nicht ausschließlich darauf erpicht, einen Hit zu landen. Es ging ja mit dem Kino los und dann kam ich über ernste Filme in den Musikfilm rein und mit Rock’n’Roll habe ich Platten verkauft. Aber dann kam ich zum Fernsehen und habe Shows gemacht.

Der Lockruf der Hitparade zog bei Ihnen nicht?

Nein, wirklich nicht. Das ist ja auch ein eigener Beruf – darüber nachzudenken, was ich aufnehmen könnte, was dem Publikum in der Jetztzeit gefällt; und wo ich dafür klauen könnte.

Sie können eben in vielen Bereichen was.

Nun gut, das ist nett. Ich kann was. Aber warum kann ich was? Weil ich eben vieles versucht habe.

Sie waren gut ausgebildet. Sie konnten schon singen und tanzen und schauspielern, und das, bevor Sie ins Rampenlicht rückten.

Klar, aber das war nötig so. Denn in jener Zeit konnte man mit einer Platte nicht so viel verdienen. Da konnten Schlagersänger sich nicht nach einem Erfolg nach Mallorca zurückziehen und sich dann Jahre später wundern, dass sie nach einer halben Stunde auf der Bühne langweilig wirken. Wir haben damals alle viel mehr lernen wollen – und müssen. Und bei der Generation vor uns war das noch viel intensiver.

Und zwar?

Mein Vater hat ja quasi rund um die Uhr gearbeitet. Er war Radiosprecher, hat nachts in einer Bar gesungen, war Regisseur. Die Leute konnten alles, weil sie einfach alles machen mussten. Das war wirklich noch nicht die Zeit, wo man schnell sehr viel Geld verdiente und dann nichts mehr machen musste.

Mangelnden Fleiß kann man Ihnen aber auch nicht vorwerfen.

Ja, mit Regie habe ich angefangen, da war ich 21. Das war für den WDR die Show „Herzlichst, Peter Kraus“. Meine ungefähre Vorstellung damals war es, mich mit 35, spätestens 40 nicht mehr schminken zu lassen und dann ein begnadeter Filmregisseur zu sein. Wie konnte ich ahnen, dass ich mit 74 noch auf der Bühne stehen und Rock’n’Roll singen würde.

Sie sind ein Typ wie Cliff Richard – der wirkt auch viel jünger als er ist.

Der Cliff, ja der ist gut drauf, sehr sportlich, fährt gut Ski…

Und Sie fahren Autorennen.

Ja, aber das sind ja Oldtimer-Bergrennen. Das mache ich nicht mehr so viel, denn meine Frau ist dagegen. Sie hat ja auch Recht, denn die alten Kisten sind alles andere als sicher. Aber ich mag es genau so – da fährt man noch selbst. In einem modernen Auto wird man gefahren.

Wie halten Sie sich sonst fit?

Ich bin ein Bewegungsmensch. Ich habe keine festen Trainingspläne, aber ich nutze alle beweglichen Zeiten, um etwas zu machen. Ich sitze nicht gern herum. Wasserski fahren, Paddeln. Das sind alles Sportarten, die ich bis heute mache. Weil sie mir Freude bereiten. Wenn es mir einfällt, mache ich auch spontan einen Liegestütz oder einen Klimmzug.

Sie sind wohl
einfach nur
schwer aus-
zulasten?

Ich sage es mal so: Wenn man das Glück hat, sich gern zu bewegen oder einen Drang danach hat, und das dann auch tut, dann ist das effektiver, als wenn man die ganze Woche auf Fernbedienungen klickt und sich am Samstag vier Stunden im Fitnesscenter quält. Das bringt gar nichts, jedenfalls mir nicht.

Der Hunger nach Musik ist ebenso nach wie vor ungestillt?

Ich mache vor allem in letzter Zeit wieder die Musik, die mir Spaß macht – mal mit Bigband, mal Rock’n’Roll – und hoffe auf das Glück, dass es den Leuten gefällt. Es funktioniert auch halbwegs.

Sind auch Sachen wie im Film dabei, so in Richtung Roland Kaiser?

Nein, das singt ja auch nur meine Rolle, der Herb König. Peter Kraus würde so eine Schnulze nie singen.

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