Wie entstand die Börse?

Heute bestimmen die Börsen über Wohl und Weh unserer Wirtschaft. Dabei werden oft Werte gehandelt, die nicht mehr sind als eine Notiz in einem Depot. Früher war das anders, der erste Crash etwa wurde von Tulpen verursacht.

Wann wurde die erste Börse gegründet?

Im Mittelalter liegen die Wurzeln des Handelssystems, das man später Börse nennt. Die Idee ist simpel: Menschen, die etwas zu verkaufen haben und solche, die es kaufen wollen, kommen an einem Ort zusammen, handeln nach Regeln und innerhalb bestimmter Zeiten. Die erste Börse der Welt wurde 1409 in Brügge gegründet. Hier lebte die Kaufmannsfamilie van der Buerse, die regelmäßig in ihrem Haus Zusammenkünfte von Kaufleuten organisierte. Eine neue Form des internationalen Handels war geboren. Und schnell entwickelten sich weitere Börsen in Europa. Weil so immer mehr Waren gehandelt wurden, entstanden erste spezialisierte Börsen, wie 1460 die Antwerpener Gewürzbörse. Bis zum Handel von Aktien und Wertpapieren aber war es noch ein langer Weg.

Was wurde damals gehandelt?

Zum wichtigsten Börsenstandort seiner Zeit entwickelte sich die Amsterdamer Börse. Im Jahr 1602 wurde hier die weltweit erste Aktie gehandelt. Es war die der „Niederländischen Ostindischen Kompagnie“. Ein einfallsreicher Streich, über die Beteiligung von wohlhabenden Bürgern internationale Vorhaben zu finanzieren. Es entwickelte sich zu einem richtigen Erfolgskonzept, das große Bauvorhaben ermöglichen sollte, wie etwa den Bau des Suezkanals, der im 19. Jahrhundert durch den Verkauf von Aktien finanziert wurde.

Wann gab es den ersten Crash?

Fast so alt wie die Geschichte der Börse ist auch die der Börsencrashs. Der erste geschah in Amsterdam. Und auch im 17. Jahrhundert funktionierte ein solcher Crash nicht viel anders als heute. Damals allerdings ging es um Tulpenzwiebeln. 1593 erst waren die Zwiebeln nach Holland gekommen. Und schnell waren sie überall beliebt. Mit der Nachfrage stieg der Preis, der durch einen Virus auch noch angeheizt wurde. War die Pflanze befallen, wiesen die Blüten bunte Flammen auf. Die Tulpe wurde zum Spekulationsobjekt. Bis dann 1637 die ersten auf die Idee kamen, Gewinne mitzunehmen. Eine Entscheidung, die Folgen hatte. Immer mehr Menschen nahmen von den Tulpenzwiebeln Abstand, nur wenig später lag ihr Wert unter dem einer Gemüsezwiebel. Danach ging es 1720 in London abwärts. Der Grund dafür waren, ähnlich wie heute, zu hohe Staatsschulden. Mit der industriellen Revolution aber setzten auch die Börsen zum Höhenflug an. Der große Geldbedarf für den Eisenbahnbau beflügelte im 19. Jahrhundert auch die deutschen Börsen. Während man an fast allen europäischen Börsen erfolgreich Anteilsscheine zahlreicher Aktiengesellschaften handelte, konzentrierte man sich am heute wichtigsten deutschen Börsenstandort, in Frankfurt, auf Staatsanleihen, was der Frankfurter Börse den Ruf großer Solidität einbrachte. 1896 wurde in Deutschland das erste Börsengesetz erlassen, was die Bedingungen des Handels vereinheitlichte. In seinen Grundzügen ist das Gesetz bis heute gleich.

Wie veränderten sich die Börsen?

Am 24. Oktober 1929 ereignete sich in New York ein Börsencrash, der die Geschichte nachhaltig prägte. Er leitete die Weltwirtschaftskrise ein. Einen wirklichen Auslöser dafür gab es nicht. Das Problem hatte vielmehr eine lange Geschichte. Der Dow Jones war seit 1923 nur noch gestiegen. Viele Kleinanleger hatten spekuliert. Man sprach vom „ewigen Wohlstand“. Als dann im Oktober der Dow Jones Kursverluste einstreichen musste, kam bei vielen der Verdacht auf, dass der Wohlstand doch begrenzt sein könne. Aus Nervosität wurde Panik. Die internationalen Börsen wurden infiziert und die weltweite Krise war perfekt.

Wo stehen wir heute?

Die Krisen der Neuzeit werden vor allem durch eines beschleunigt, den Computerhandel, der sich auf der ganzen Welt durchgesetzt hat. Käufe und Verkäufe können in Bruchteilen von Sekunden getätigt werden. Zwar ist eine Aktie immer noch ein Anteil an einem Unternehmen und findet hier ihren Gegenwert, aber während man früher Papierexemplare hatte, sind Aktien heute nicht mehr als eine Notiz im Depot.

 
 

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