Wie die Joker ins Spiel kamen und Könige aufs Kartenblatt

Welches ist das beste Spiel? Skat, Rommé, Canasta oder Doppelkopf? Was sie eint, ist die Basis: das Kartenspiel.
Welches ist das beste Spiel? Skat, Rommé, Canasta oder Doppelkopf? Was sie eint, ist die Basis: das Kartenspiel.
Foto: Svenja Hanusch
Sie sind etwa 6 mal 9 Zentimeter klein und kommen immer als Set. Fast jeder hat eins. In einem alten Spielekoffer, als Werbegeschenk oder sogar eine hochwertige De-luxe-Edition für einen Skat-Abend mit Freunden: ein Kartenspiel. Doch warum steht auf manchen Karten ein „J“?

Essen.. Für Mau-Mau wird meistens ein 32-Blatt Kartenspiel von 7 bis Ass benutzt, Pokerspieler benötigen die Variante mit 52 Karten von 2 bis Ass und für die Spielkartenversion von Rommé können bis zu 110 Karten im Spiel sein, also zwei 52er-Blätter mit jeweils drei Jokern.

Und wer hat sie erfunden?

Die erste (als sicher geltende) europäische Nennung der Kartonbildchen ist ein Verbot der Stadt Bern aus dem Jahr 1367: das Kartenspiel sei ein „Gebetbuch des Teufels“. Damals war Glücksspiel dem Klerus ein Dorn im Auge, machte es nicht nur süchtig, sondern oft auch arm. Doch das Kartenspiel ist keine europäische Erfindung, seinen Ursprung hat es in Asien. Eine Quelle aus dem 11. Jahrhundert benennt die Tang-Dynastie (618 – 907) in China als ihren Geburtsort. Ihren Weg ins Abendland fand es wahrscheinlich auf dem Wasserweg. Im frühen 18. Jahrhundert wurde in Deutschland eine Spielkartensteuer eingeführt. Ein Stempel auf dem Pik Ass kennzeichnete es als bezahlt. 1981 wurde diese Steuer wegen ihres geringen Ertrags jedoch wieder abgeschafft. In Frankreich gab es bereits 1583 eine Spielkartensteuer. Ebenfalls französischen Ursprungs: die Karten-Farben. Ehemals trugen Karten in ganz Deutschland die Symbole Eicheln, Grün, Herz und Schellen. Die Kartenspielproduktion im französischen Lyon entwickelte sich aber derart expansiv, dass sich auch hierzulande die französischen Farben durchsetzten und seitdem dominieren: cœur (Herz), pique (Lanze), trèfle (Kleeblatt) und carreau (Quadrat). Auch die Tatsache, dass Spielkarten rechteckig sind, ist keine Selbstverständlichkeit: In Indien sind Spielkarten traditionell rund. Das älteste erhaltene Exemplar Europas ist ein Set aus Stuttgart, das die feine Gesellschaft bei der Jagd zeigt und auf 1427 bis 1431 datiert ist.

Was macht das „J“ auf meinem Buben?

Herz ist einfach die Übersetzung der Vokabel cœur, bei der Lanze und dem Quadrat setzten sich die französischen Begriffe durch und wurden eingedeutscht: aus pique (Lanze) wurde Pik, carreau (Quadrat) wurde zu Karo. Das Kleeblatt (trèfle) wurde Kreuz – dennoch ist noch immer ein dreiblättriges Kleeblatt in den Ecken der Kreuz-Karten zu finden. Neben den Farben ziert eine Zahl oder ein Buchstabe das Karten-Antlitz, welches die Qualität einer Karte anzeigt. Hier sind zwei Varianten verbreitet: Die deutschsprachige eben mit „B“ für Bube oder auch Bauer, „D“ für die Dame, „K“ für den König und natürlich „A“ für das Ass – Letzteres rührt vom altfranzösischen Wort „as“ her, was „eine Einheit“ bedeutet. Die zweite Variante stammt vom angloamerikanischen Blatt, welches die Buchstaben J, Q, K und A in den Kartenecken trägt. „J“ steht für Jack, oftmals als „Junge“ fehlinterpretiert, „Q“ für Queen, „K“ für King und „A“ für Ace.

Wer ist dieser Joker?

Der Joker ist eine Spielkarte, die nur in einem 52er-Blatt mit französischen Farben vorkommen kann. Mit dieser Karte kann man sich einen „Joke“ erlauben und bei vielen Spielen alle anderen Karten übertrumpfen beziehungsweise ersetzen. Der bürgerliche Narr kann somit auch den König in die Schranken weisen. Vor 1850 ist er nicht nachweisbar, erst mit dem Aufkommen des Spiels „Euchre“, das seinen Ursprung im deutschen „Juckerspiel“ hat, erblickt er in den USA das Licht der Kartenwelt. Und seine Entstehung ist rein pragmatischer Natur. Denn auf einem Offset-Kartenbogen waren entweder 33 oder 55 Karten, so dass bei einem 32er-Spiel eine, bei einem 52er-Blatt drei Karten überschüssig waren. Diese Überbleibsel wurden ein Deckblatt oder der Joker.

Haben die Bilder auf den Karten eine Bedeutung?

Die Bildkarten Bube, Dame und König zeigen nicht einfach irgendwelche Abbildungen, sondern historische oder mythologische Personen. Auf den Buben-Karten sind berühmte Untergebene großer Feldherren abgebildet, die Damen symbolisieren weibliche Ideale und die Königs-Karten zeigen logischerweise Herrscher. Auch die vier Farben haben eine tiefere Bedeutung, sie symbolisieren die Stände: Karo steht für das Bürgertum, Herz als Zeichen der Güte für den Klerus, Pik für den Adel und Kreuz für die Bauern.

 
 

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