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Wie Christo die Welt verhüllt, verschönert und verändert hat

Wie Christo die Welt verhüllt, verschönert und verändert hat

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Foto: WAZ FotoPool
Der Künstler Christo, dessen neue Installation „Big Air Package“ bis Ende des Jahres im Gasometer in Oberhausen zu sehen ist, verschönt seit Jahrzehnten die Welt mit Stoffbahnen. Wir erinnern an seine großen Projekte, wie die Verhüllung des Reichtags.

Oberhausen. 

Was sind Christos bekannteste Werke?

Das meiste Aufsehen erregte Christo, dessen Frau Jeanne-Claude Lebens- und Kunstpartnerin zugleich war, mit der Verhüllung des Berliner Reichstags vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995. Millionen pilgerten zu dem in silbern glänzende Stoffbahnen gehüllten Gebäude, Schätzungen zufolge gaben sie in Berlin insgesamt 500 Millionen Mark aus.

23 Jahre lang hatten Christo und Jeanne-Claude auf die Genehmigung des Bundestags hingearbeitet. Spektakulär waren auch die Verhüllung der berühmten Brücke Pont-Neuf im Herzen von Paris 1985, der Vorhang durch ein ganzes Felstal 1972 in Colorado und Tausende von gelben sowie blauen Schirmen, die 1991 alle am gleichen Tag geöffnet wurden. Und 1999 ließ Christo im Oberhausener Gasometer 13 000 smartiebunte Fässer zu „The Wall“ aufstapeln.

Warum verhüllt Christo? Und warum sträubt er sich gegen den Begriff Verpackungskünstler?

Die Wurzeln von Christos Drang, Dinge hinter Stoff zu verbergen, dürften in seiner Jugend liegen – der Vater des 1935 in Bulgarien geborenen Christo Javachev leitete eine Textilfabrik in Plovdiv. Schon mit 15 Jahren begann er, Stoffbahnen zu zeichnen. Der Brauch der griechisch-orthodoxen Kirche in seinem Heimatland, Figuren und ganze Wände mit Stoff zu verhängen, mag ebenfalls ein Anstoß gewesen sein.

Als Student der Kunstakademie in Sofia war Christo bei einem Arbeitseinsatz zwischen 1953 und 1956 daran beteiligt, 450 Kilometer der Orient-Express-Schienenstrecke durch Bulgarien zu verhübschen, um den Passagieren ein sozialistisches Paradies vorzugaukeln. Als er 1958 nach Paris kommt, beginnt er, kleinere Objekte zu verhüllen. Christo sagt stets, dass seine Verhüllungs-Aktionen die äußeren Formen, die Konturen der Gebäude ja eher betont und hervorhebt als sie verschwinden zu lassen, wie das beim Verpacken etwa in einer Kiste der Fall wäre: „Es geht nicht um das Verstecken, es geht um das Hervorheben“.

Was bezweckt Christo damit?

Er erwartet von seiner eigenen Kunst eine „aufregende Ablenkung von den trivialen Sorgen des Alltags“ und einen neuen Blick auf die Dinge, die uns umgeben. Christo sieht in den Kunstwerken „Demonstrationen poetischer Freiheit. Diese Projekte, die nur für kurze Zeit bestehen, sind alle fröhlich und erzeugen eine gute Stimmung“.

Wer bezahlt die Projekte?

Christo und Jeanne-Claude haben stets die Subventionierung ihrer Werke abgelehnt. Für jedes der Projekte wurde eine eigene Firma gegründet, die immer so lange bestand, bis die letzte Rechnung bezahlt war. Auch die 11,5 Millionen Mark teure Verhüllung des Berliner Reichstags wurde mit dem Verkauf von Christo-Arbeiten finanziert.

Deshalb sind die Zeichnungen und Fotografien dieser flüchtigen Kunst so wichtig: Sowohl die signierten Zeichnungen als auch die Fotos finanzieren die Werke. Deshalb ließ Christo etwa die Bildrechte an der Reichstagsverhüllung für seinen Leibfotografen Wolfgang Volz streng schützen.


Warum sind alle Projekte Christos nur zeitweise zu sehen?

Ihm kommt es auf die Einmaligkeit seiner Werke an. Durch die begrenzte Zeitdauer hofft er, dass die Werke im „Zeitalter der Wiederholungen“ als etwas Einmaliges eher im Gedächtnis bleiben. Zudem betont er die ökologische Seite seiner Ar­beiten: Materialien wie Stoffbahnen und Seile werden nach Ende eines Projekts stets wiederverwertet, so dass am Ende nichts davon bleibt als die Entwurfszeichnungen, die Fotos – und die Eindrücke in den Seelen, im Gedächtnis der Besucher.

Mehr Informationen zur aktuellen Ausstellung: www.gasometer.de