Was wir auf den Euro-Scheinen sehen und entdecken können

Kira Schmidt
Jeden Tag haben wir sie in der Hand, kaufen mit ihnen ein. Doch wer weiß, was auf den Euronoten wirklich zu sehen ist? Sie sind nicht nur Mittel zum Zweck, die Geldscheine tragen viele Informationen und ganz nebenbei auch noch die gesamte Architekturgeschichte Europas in sich.

Essen. Wann wurden die Euronoten entworfen?

Im November 1994 legte der Rat des Europäischen Währungsinstitutes die Stückelung der Euronoten fest, bestimmte also, dass es Fünf-Euro-Noten als kleinsten Schein und 500-Euro-Noten als größten geben sollte. Erst ein Jahr später wurde entschieden, dass die neue Währung „Euro“ heißen sollte. Und über ihr Aussehen entschied ein Gestaltungswettbewerb. Dafür gab es einige Vorgaben. Die wichtigste war, dass die neuen Banknoten eindeutig als europäisch zu erkennen und sie gleichzeitig eine kulturelle und politische Aussage enthalten sollten, die alle Länder gleichermaßen anspricht. Realitätsgetreue Darstellungen echter europäischer Bauwerke waren dadurch ausgeschlossen. Den Wettbewerb gewann Robert Kalina, ein Designer der Österreichischen Nationalbank, der sich so auf ganz besondere Weise verewigte.

Welche Motive zeigen die Scheine?

Die Bilder sind das auffälligste Merkmal der Geldscheine. Begonnen mit der Fünf-Euro-Note beschreiben sie die europäische Architekturgeschichte. Allesamt zeigen sie auf der einen Seite Fenster und Tore eines fiktiven Gebäudes, auf der anderen eine erfundene Brücke. Die Fenster und Tore symbolisieren den Geist der Offenheit und Zusammenarbeit in Europa. Die Brücken stehen für das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen. Die Fünf-Euro-Note verweist auf die historischen Wurzeln, die griechische und römische Antike. Der rote Zehner greift den romanischen Stil auf, die Epoche des frühen Mittelalters. Ein bekannter Bau der Romanik in Deutschland ist zum Beispiel der Dom von Speyer. Der blaue Zwanziger widmet sich der Gotik, die zum Beispiel die Südfassade des Kölner Doms kennzeichnet. Der Fünfziger in Orange zeigt Elemente der Renaissance, der Zeit von Leonardo da Vinci und Michelangelo. Ein Tor und eine Brücke im Barock-Stil sind auf dem grünen Hunderter zu sehen. Weniger häufig hält man den gelb-braunen 200-Euro-Schein in der Hand, der Elemente der Glas- und Eisenarchitektur zeigt. Er hebt damit die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts hervor. Zum Abschluss der Zeitreise zeigt der lilafarbene Fünfhunderter Elemente der modernen Architektur.

Was verbirgt sich hinter Wasserzeichen?

Scheinbar unendlich ist die Liste der Zeichen und Symbole auf den Geldnoten. Eines davon ist das Wasserzeichen, das bei der ersten Euro-Serie noch von Schein zu Schein unterschiedlich ist und das Motiv des Fensters oder Tores aufgreift. Die Scheine der zweiten Serie zeigen an dieser Stelle ein Portrait-Wasserzeichen. Es zeigt die mythologische Figur der Europa, die der Sage nach Zeus den Kopf verdrehte. Sie gebar ihm auf Kreta drei Kinder. Einer Verheißung der Aphrodite entsprechend wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt. Bisher zeigt nur die neue Fünf-Euro-Note das Porträt der Europa. Die neue Zehn-Euro-Note, die demnächst in den Umlauf kommt, wird es auch zeigen.

Was ist noch zu entdecken?

Die Geldnoten haben zahlreiche Sicherheitsmerkmale. Die Scheine sind zum Beispiel aus stärkefreier Baumwolle hergestellt. Das Fehlen von Stärke kann mit einem Prüfstift nachgewiesen werden. Das beobachtet man manchmal in Geschäften. Ist Stärke vorhanden, verfärbt sich der Strich. Auf eine Reise durch Europa kann man zudem gehen, wenn man den Plattencode prüft. Er nämlich kennzeichnet, wo der Schein gedruckt wurde. Der sechsstellige Code ist von Schein zu Schein an einer anderen Stelle. Auf dem Zehner ist er in einem Stern gleich neben dem Torbogen zu sehen, auf dem Fünfziger am rechten Bildrand. Wer möchte, kann in verschiedenen Portalen im Internet seine Geldscheine zum Tracking anmelden. So hat man die Chance zu sehen, wie weit der Schein in welcher Zeit durch Europa gereist ist.