Was hat der Musikantenknochen mit Musik zu tun?

Foto: imago stock&people

Es gibt Körperstellen, die schmerzen bei einer falschen oder sagen wir: etwas heftigeren Berührung ganz besonders schlimm. Die Schienbeine gehören dazu oder die Nase. Und vor allem und unbedingt: der Musikantenknochen im Ellbogen.

Aber was hat der eigentlich mit Musik zu tun? Und warum tut es so weh, wenn man sich die Spitze des Ellbogens stößt?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal zwei Dinge klarstellen: Mit Musik hat das Ganze gar nichts zu tun. Und auch nicht mit einem Knochen. Denn bei dieser besonders empfindlichen Stelle am Ellbogen handelt es sich um einen Nerv. Ärzte nennen ihn „nervus ulnaris“; wir halten uns an die Bezeichnung Ellennerv. Und dieser Nerv ist für den besonders fiesen Schmerz verantwortlich, der unmittelbar auf das Anstoßen des Ellbogens folgt und irgendwo zwischen Kribbeln, Stromschlag, Zucken und Taubheitsgefühl liegt. Eben sehr unangenehm.

Wenn du deinen Ellbogen mal etwas genauer unter die Lupe nimmst und abtastest, kannst du an der Spitze des Ellbogenknochens eine kleine Vertiefung fühlen; hier verläuft der Ellennerv. Dessen Aufgabe besteht eigentlich nicht darin, uns fiese Schmerzen zuzufügen, sondern über verschiedene Nervenfasern Impulse aus dem kleinen Finger, dem Ringfinger und einigen Teilen des Unterarms ans Gehirn weiterzuleiten. Quasi als eine Art mehrspurige Datenautobahn, die das Gehirn und die genannten Regionen miteinander verbindet – und unseren Kopf immer schön auf dem Laufenden hält, was sich im Bereich der Finger denn so tut.

Die Nervenfasern werden alle gleichzeitig gereizt

Wenn du dir den Ellbogen nun versehentlich anstößt und dabei mit etwas Pech die richtige Stelle erwischst, werden die unterschiedlichen Nervenfasern, die an dieser Stelle zusammenlaufen, alle gleichzeitig gereizt. Jede einzelne Nervenfaser übermittelt dem Gehirn eine andere Art von Nachricht – die einen sind etwa für den Tastsinn zuständig, die anderen für das Schmerzempfinden. Und wenn nun alle gleichzeitig senden, sorgt das für ein ziemliches Chaos. Dabei – und das ist das Gemeine – ist der Ellennerv als solcher gar nicht schmerzempfindlich; er gerät durch den Stoß nur, sagen wir mal: ziemlich durcheinander und sendet dem Gehirn Botschaften aus all den Regionen, für die er zuständig ist. Und das führt dann dazu, dass du gleichzeitig Schmerz empfindest, ein komisches Kribbeln und irgendwie ein taubes Gefühl in den Fingern. Die Reize sind durcheinander geraten und prasseln gleichzeitig auf dein Gehirn ein.

Und weil es manchmal auch passieren kann, dass Du nach dem Anstoßen das Gefühl hast, deine Finger würden vibrieren, hat sich die Bezeichnung „Musikantenknochen“ oder auch „Musikknochen“ durchgesetzt. Manche Leute behaupten auch, es hätte etwas damit zu tun, dass man meist ziemlich laut aufschreit, wenn man sich den Musikantenknochen stößt.

In anderen deutschsprachigen Regionen spricht man auch von „Musikerknochen“, dem „narrischen Bein“ (also dem verrückten Knochen) oder dem „damischen Aderl“ (ungefähr: die dämliche Ader) – das vielleicht, weil es einfach so verflixt weh tut. In England sagt man „funny bone“, lustiger Knochen. Dabei gibt es doch ganz sicher Dinge, die deutlich lustiger sind, als sich den Ellennerv anzuschlagen.

 
 

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