Warum es so wenige Linkshänder gibt

David Huth
Nur 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder.
Nur 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder.
Foto: WR
Die meisten Menschen sind Rechtshänder. Nur rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung nutzen ihre linke Hand für alltägliche Tätigkeiten wie Schreiben oder Schnippeln. Lediglich zwei Prozent aller Menschen verwenden beide Hände gleich geschickt. Die Dominanz der Rechtshänder hat ihre Gründe.

Essen. Die meisten Menschen sind Rechtshänder. Sie schreiben, hämmern und malen mit ihrer rechten Hand. Wer dafür die linke Hand nutzt, gehört zu einer Minderheit. Nur etwa 15 bis 20 Prozent gehören zu dieser Gruppe. Noch kleiner ist der Anteil der Menschen, die mit beiden Händen gleich geschickt sind (zwei Prozent). Die Vorherrschaft der Rechtshänder hat ihre Gründe.

Wieso rechts?

Dass es mehr Rechts- als Linkshänder gibt, so vermuten Forscher, liegt in der Fähigkeit des Menschen zu sprechen. Das Sprachzentrum und die Steuerung der rechten Hand ist bei den meisten Menschen in der gleichen, nämlich linken Gehirnhälfte untergebracht. Die jeweils gegenüberliegende Seite des Gehirns steuert die Handbewegung. Die Neurowissenschaften sprechen hierbei von kontralateraler Verschaltung.

Sprache und Hand verbindet die Gestik, immerhin können wir mit unseren Händen auch sprechen. Wenn wir reden, unterstreichen wir das Gesagte mit der passenden Gestik. Unsere Sprache und Gebärden gehen quasi Hand in Hand. So liegt bei fast allen Rechtshändern das Sprachzentrum und die Motorik im linken Teil des Gehirns – bei Linkshändern ist es meist umgekehrt.

Auch wie sich unser Gehirn entwickelt hat, untermauert diesen Zusammenhang. So ging das Sprachzentrum, auch Broca-Areal genannt, entwicklungsgeschichtlich aus der motorischen Region im Gehirn hervor. Bei Gehörlosen ist das motorische Areal aktiv, wenn sie sich in Gebärdensprache unterhalten.

Liegt die Veranlagung in den Genen?

Die Gene geben zum Teil den Ausschlag, ob wir Rechts- oder Linkshänder sind. Diverse Studien belegen, dass es genetische Ursachen gibt, die über die Ausbildung unserer Gehirnhälften entscheiden. Ein bestimmtes Gen, das der Auslöser ist, konnte aber noch nicht identifiziert werden. Die Zwillingsforschung hat allerdings gezeigt, dass es bei eineiigen Geschwistern sowohl Rechts- als auch Linkshänder gibt. Und auch eine Studie von Neuropsychologen an der Universität Zürich deuten in diese Richtung. Sie haben zehn Rechtshänder mit gebrochenem rechten Oberarm untersucht und fanden heraus, dass sich das Gehirn sehr schnell auf links umstellt.
So spielen wohl ebenso soziale Faktoren eine Rolle. In manchen Kulturen gilt die linke Hand bis heute als unrein. Und auch in unserem Kulturkreis galt die Linkshändigkeit lange als abnormal. Kinder wurden in der Schule umerzogen und auf die rechte Hand gedrillt. So gehen manche Forscher davon aus, dass der Anteil an Linkshändern früher einmal viel höher war.

Wie ist es bei den Tieren?

Sprache hat nur der Mensch hervorgebracht. Die ausgeprägte Rechtshändigkeit ist aber kein einzigartiges Phänomen der menschlichen Evolution. Im Tierreich dominiert in der Regel aber keine Seite. Ausnahmen sind Tiere wie die Winkerkrabben, die eine große und eine kleinere Schere haben. Und auch Schimpansen ziehen ebenfalls eine Seite der anderen vor. Amerikanische Wissenschaftler beobachteten die Affen beim Termiten-Angeln und fanden heraus, dass die meisten dabei ihre linke Hand verwendeten. Bei den meisten anderen Menschenaffen gibt es aber keine Vorliebe für die rechte Hand. Und auch ob Hunde die rechte oder linke Pfote bevorzugen, ist ausgeglichen. Studien haben aber gezeigt, dass Rüden eher die linke und Hündinnen eher die rechte Pfote einsetzen.

Lässt sich ein Linkshänder umschulen?

Es gibt viele Menschen, die mit rechts schreiben, obwohl sie Linkshänder sind. Forscher der Technischen Universität in München wollten es genauer wissen. Sie vergleichen die Gehirnaktivitäten von Rechts- und Linkshändern und umgeschulten Linkshändern. Wer mit rechts schrieb, dessen linke Hirnhälfte wurde aktiviert. Bei den Linkshändern war es genau umgekehrt. Nur bei den umgeschulten Linkshändern gab es Aktivitäten auf beiden Seiten. Zwar hatte sich das Gehirn bei ihnen auf die rechte Hand umgestellt, aber nur zum Teil. Einige der umgeschulten Linkshänder litten deswegen auch an Sprach- und Konzentrationsstörungen.

Sind Linkshänder kreativer?

Es gibt Statistiken, die belegen, dass in kreativen Berufen der Anteil an Linkshändern höher ist. Auch viele kreative Genies angefangen bei Ludwig van Beethoven, Johann Wolfgang von Goethe über Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci bis Isaac Newton und Albert Einstein waren Linkshänder. Ob der Mythos von den kreativen Linkshändern sich so beweisen lässt, ist allerdings umstritten.