Warum der Papst einem Prostestanten einen Orden verlieh

Otto von Bismarck (1815 - 1898).
Otto von Bismarck (1815 - 1898).
Foto: WAZ
Obwohl Bismarck der Katholischen Kirche zusetze, bekam er die höchste Ehrung des Vatikans angesteckt. Adenauer erhielt ebenfalls den Christusorden.

Essen..  Was muss man tun, um den Christusorden – mithin die höchste Ehrung, die der Vatikan zu vergeben hat – zu bekommen? Eine Möglichkeit geht so: Man muss Protestant sein, die Macht der Katholischen Kirche beschneiden und ihre Geistlichkeit jahrelang drangsalieren und schikanieren, wo es nur geht. Unsinn? Mitnichten.

Otto von Bismarck, preußischer Protestant und Reichskanzler, war der Einfluss der Katholischen Kirche auf die Gesellschaft ein Dorn im Auge. Also zettelte er 1871 einen Konflikt an, der als „Kulturkampf“ in die Geschichte einging. Er entzog der Kirche nahezu alle wichtigen Rechte, unterwarf sie fast vollständig der staatlichen Reglementierung, stoppte die finanziellen Zuschüsse. Doch statt die Macht der Katholiken zu zerschlagen, förderte sein Kreuzzug die Solidarität mit der Kirche.

Ab 1880 ruderte Bismarck deshalb zurück, er suchte den Ausgleich mit Papst Leo XIII. Und weil er den Papst auch noch zum Vermittler in einem Streit Preußens mit Spanien um die Karolinen­inseln machte – eine Rolle, die dem Pontifex überaus schmeichelte – erhielt der Reichskanzler 1885 von Leo den Christusorden verliehen. Bis heute ist Bismarck der einzige Protestant, der mit dem ursprünglich im Jahre 1309 gestifteten „Ordine Supremo del Cristo“, einem brillantenbesetzten roten Prankenkreuz mit Krone, geehrt wurde.

Die Episode ist ein Lehrstück in Machtpolitik. Denn so funktioniert es bis heute: Lässt du mir meine Macht, schenk’ ich dir einen Orden. Wobei es inzwischen anstelle des Ordens auch gern ein gut dotierter Posten sein darf.

Konrad Adenauer erhielt auch einen Christusorden

Fast 80 Jahre nach Bismarck erhielt übrigens erneut ein deutscher Kanzler den Christusorden. Konrad Adenauer, katholischer Rheinländer und der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik, wurde im September 1963 von Papst Paul VI. dafür ausgezeichnet, dass er „nach dem ungeheuren Zusammenbruch des Krieges sich mit hervorragendem Selbsteinsatz um die Herstellung eines dauerhaften Friedens bemüht und die christliche Religion, den sicheren Schutzwall der Völker, persönlich mit Eifer geübt und geschützt“ habe.

Adenauer bedankte sich angemessen höflich, konnte sich aber einen kleinen ironischen Seitenhieb nicht verkneifen. Eigentlich, so der Kanzler, hätte er ja lieber den „Orden vom goldenen Sporn“, die zweithöchste Auszeichnung des Vatikans, bekommen. Denn mit diesem Orden sei laut den Statuten das Recht verbunden, in Portugal zu Pferde in eine Kirche hineinreiten zu dürfen. Das, so Adenauer, hätte er gern mal ausprobiert.

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