Walter Moers - ein Kniefall vor den Klassikern

Hildegunst von Mythenmetz ziert "Die Stadt der träumenden Bücher".
Hildegunst von Mythenmetz ziert "Die Stadt der träumenden Bücher".
Foto: Knaus Verlag
Walter Moers, der Vater des Käpt’n Blaubär, weitet in seinem neuen Buch „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ den künstlerischen Horizont. Darin fängt der saturierte Dichterfürst Hildegunst von Mythenmetz noch mal von vorne an.

Essen. Es zählt zu den großen Vorteilen des Walter Moers’, dass er als Schöpfer von Käpt’n Blaubär, Kleinem Arschloch und Adolf, der Nazisau, seit Jahren konsequent unterschätzt wird. So konnte er ignoriert von weiten Teilen der literarischen Welt ein paar Romane an die Spitze der Bestsellerlisten schmuggeln, die vordergründig als Fantasyabenteuer für Erwachsene oder Jugendliche durchgehen, tatsächlich aber postmoderne Persiflagen und Kommentare zur Literatur- und Kunstgeschichte sind. „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ ist so eins: Unzählige gute Gedanken serviert Moers so leicht und anspielungsreich, dass man glatt darüber hinweglesen könnte. Wenn, ja, wenn man nicht ständig im Lesefluss innehielte, um herauszufinden, wer nun hinter Namen wie Akud Ödreimer oder Eiderich Fischnertz steckt.

Eduard Mörike, Friedrich Nietzsche und all die anderen dienen zwar als Fußnoten oder als Empfehlung, doch das ganze Buch ist abermals ein Kniefall vor dem kreativen Können – nicht nur vor klassischen Schriftstellern. Obwohl Moers durch den Mund des Hildegunst von Mythenmetz Seitenhiebe auf die neuesten Erscheinungsformen des guten alten Buchs gibt: „Warum etwas Vollkommenes neu erfinden?“

Es gibt derzeit niemanden, der eleganter und geschmeidiger mit den Klassikern der Literatur umgeht. Und Moers erweitert das Spektrum des saturierten Dichterfürsten Mythenmetz, denn der entdeckt bei der Rückkehr in die Stadt Buchhaim den so genannten Puppetismus, eine perfektionierte Form des Puppenspiels. Was zu einem Parforceritt durch die Entwicklungen in Theater-, Film- und Kunstgeschichte ausartet. Wo bleibt da das Abenteuer? Das kommt noch. Denn nach mehr als 400 fesselnden Seiten stellt man fest: „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ ist nicht das beste und bedeutendste Buch von Walter Moers. Aber es ist Ouvertüre dazu. Was Moers hier vorbereitet, verspricht interessanter und haarsträubender zu werden als alles, was bisher von ihm zu lesen war.

  • Walter Moers: Das Labyrinth der träumenden Bücher, Knaus, 432 Seiten, 24,99 Euro
 
 

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