Von der Kunst des Betrachtens

Mona Lisa von Leonardo da Vinci, um 1503 - 1506, Louvre, Paris. Repro: Prestel-Verlag
Mona Lisa von Leonardo da Vinci, um 1503 - 1506, Louvre, Paris. Repro: Prestel-Verlag
Foto: Prestel-Verlag

Essen. In ihrem Sachbuch „Warum lachst du, Mona Lisa?“ schult Silke Vry klug und unterhaltsam den Blick für Bilder. Ein Jugendbuch, bei dem auch Erwachsene noch staunen können.

Warum hat Franz Marc Pferde in Blau gemalt? Warum ist ein schwarzes Quadrat ein Bild fürs Museum? Und warum schaut die Mona Lisa einen immer an? Die Autorin Silke Vry verrät Geheimnisse der Kunst, weckt die Neugierde auf Gemälde und erklärt den Sinn von Bildern in ihrem klug geschriebenen und spannenden Sachbuch für junge Leser: „Warum lachst du, Mona Lisa?“

Vry zeigt, was Bilder beim Betrachter bewirken können: Sie lassen einen lachen oder erstarren, einen klein oder groß fühlen. Anstatt sich mit dem oberflächlichen ersten Blick zufriedenzugeben, fordert die Autorin mit Fragen und Hinweisen den Leser heraus, das Bild richtig zu verstehen: Ist das Brautpaar bei Jan van Eycks „Arnolfini-Hochzeit“ wirklich allein im Zimmer? Ein Blick in den Spiegel an der Wand zeigt, dass noch mehr Menschen, vielleicht die Trauzeugen, anwesend sind. Hat der „Edelmann“ auf Dosso Dossis Gemälde nichts zu sagen? Dabei ist der rechte Teil des Bildes gefüllt mit Symbolen, wie etwa das Labyrinth, das die vielen verwirrenden und fruchtlosen Umwege im Leben des Mannes erahnen lassen. Und was fehlt auf Simone Martinis Bild „Augustinus erweckt das von einer Loggia gefallene Kind“? Der Schatten – Maler des Mittelalters empfanden ihn als unheimlich und verzichteten daher gerne darauf.

Sind auch Affen Künstler?

Wer mal nicht auf die Lösung des Bilderrätsels kommt, findet sie im Anhang des Buches. Manche Fragen lässt die Autorin aber auch bewusst als Denkaufgabe offen: Ist ein von einem Affen gemaltes Bild Kunst?

An einigen Stellen hätte Vry dennoch mehr in die Tiefe gehen können, mit welcher Technik ein Bild gemalt wurde oder zu welcher Stilrichtung es zählt. Zudem ist manche Rätsellösung so klein und knifflig, dass man schon das Bild in Originalgröße sehen müsste, um etwa den Mann zu erkennen, den Robert Campin 1440 im Ring auf dem „Bildnis einer Frau“ versteckte. Abgesehen von dieser Kritik ist dieses Buch eine unterhaltsame und zugleich geistreiche Einladung, genau hinzuschauen. Danach werden Jugendliche einen Museumsbesuch mit anderen Augen sehen.

  • Silke Vry: Warum lachst du, Mona Lisa? 100 Rätsel der Kunst. Prestel Verlag, 207 Seiten, 19,99 Euro, ab 10
 
 

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