Und warum der Ball rund ist

Autor Helme Heine.Foto:Joachim Kleine-Büning
Autor Helme Heine.Foto:Joachim Kleine-Büning
Foto: WAZ Fotopool
Helme Heine klärt die Frage, „Wie der Fußball in die Welt kam“. Der Zeichner und Satiriker, bekannt durch seine vielen Kinderbücher über Johnny Mauser, Waldemar und Franz von Hahn, hat nun ein Bilderbuch für Erwachsene geschrieben.

Essen.. Bis auf den heutigen Tag ist es so, dass sich Jungs zuerst in den Fußball verlieben – und dann in Frauen, wenn man mal von der Mutter absieht. Nur bei einem, möchte man meinen, war das ganz gewiss anders, bei Adam nämlich.

Das stimmt auch. Aber nur knapp. Denn am siebten Schöpfungstag, von dem wir ja kaum mehr wissen als dass er Sonntag genannt wurde, räumte der Vorstandsvorsitzende Herr


Gott nach getaner Schöpfungsar-
beit seine Werkstatt auf. Und als er all die Baupläne, die Muster und Werkzeuge in die Sonne warf, weil er sie ja nicht mehr gebrauchen konnte, da fiel ihm der nach altem Bison riechende Globus in die Hand, den er als Modell zusammengenäht hatte, mit schwarzen Flecken für die Kontinente. Den brauchte er nun auch nicht mehr. Und warf ihn über den Wolkenrand auf die Erde nach unten.

Eva hielt ihn für einen Kohlkopf

Eva hielt ihn für einen seltsamen Kohlkopf, Adam konnte ebenfalls wenig damit anfangen. Also kickte er ihn in Richtung Misthaufen. Aber der Ball prallte gegen den Zaun des Gartens Eden – und landete wieder in Adams Armen. Der erste Torwart war gefunden!

Adam verliebte sich in den Ball (wie gesagt: es war knapp); aber die schlaue Eva gewann ihren Mann zurück, indem sie erst das Torwandschießen, dann das Tor und schließlich auch noch die Spielregeln erfand. Am Ende dieser wunderbaren Geschichte, die sich der Zeichner und Satiriker Helme Heine (71) ausgedacht hat, wird Adam Trainer sein, sein sieggewohntes Affen-Team wird aus der Eden-Liga absteigen und das Schicksal seinen vertrauten, bibelgetreuen Lauf nehmen.

Für die Tore hielten die Giraffen ihren Hals hin

„Wie der Fußball in die Welt kam“ ist gerade jetzt, kurz vor dem Anstoß zur Europameisterschaft, die hundertprozentige Chance, sich selbst in die Tiefe des Traumes zu stellen und aus diesem Abseits mit einem Lächeln auf die wichtigtuerischste Nebensache der Welt zu blicken. Heiterkeit stellt sich jedenfalls unweigerlich ein, weil für Helme Heine eben nicht der nächste Satz immer der schwerste ist. Und er belässt es ja nicht bei schönen Sätzen, er erklärt sogar die Grundsätze des Spiels, also wieso es elf Spieler sind und zwei Tore (für die übrigens die Giraffen ihren Hals hinhalten mussten, damals im Paradies). Und wie es zu der dominierenden Trikot-Farbe für Schiedsrichter kam (Eva trug als Schiedsrichterin gern ihr kleines Schwarzes, das in Feigenblattform an der Leine hängt).

Überhaupt: Die Zeichnungen des Mannes, der seiner Zeit solche Wesen wie Johnny Mauser, Waldemar und Franz von Hahn schenkte, sind leise Kommentare zum Text, der nicht einmal um eine deutliche Kritik an der jüngsten Fassung der Abseitsregel einen Bogen macht. Und schließlich auch die Frage klärt, ob es einen Fußball-Gott gibt. Schließlich hat der den ganzen Kick ja angestoßen.

  • Helme Heine: Wie der Fußball in die Welt kam. Kein & Aber Verlag, 64 Seiten, 12,90 Euro

EURE FAVORITEN