So lacht das Revier wenn Herbert Knebels Affentheater probt

Herbert Knebels Affentheater im Proberaum

Mit einem reinen Musikprogramm geht Herbert Knebels Affentheater im August auf Tour. Die Proben laufen.
Fr, 08.05.2015, 15.40 Uhr

Mit einem reinen Musikprogramm geht Herbert Knebels Affentheater im August auf Tour. Die Proben laufen.

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Die vier Knebels proben zurzeit für ihr erstes reines Musikprogramm. Der Titel? „Rocken bis qualmt“. Die Misson? Die besten Songs noch einmal zu spielen.

Duisburg.. In Duisburg-Neudorf probt die Band. Also genau die Band, von der man immer wieder vergisst, dass sie ja auch eine richtige Band ist. Dabei könnte man sie getrost die Beatles von Borbeck nennen. Die Stones von Stoppenberg. Die Who von Huttrop, Die Kinks von Kray. Aber die Welt kennt sie nur unter einem anderen Namen: Herbert Knebels Affentheater. Und auch, wenn hier gerade die letzten Akkorde von „Waterloo Sunset“ verklingen, womit in der eingedeutschten Version der „Bahnhof von Essen“ besungen wird, denkt man doch zuerst an die vielen musiklosen Szenen des Affentheaters.

Das wird sich diesen Sommer ändern: Im August greifen die Knebels tief in ihre Plattenkiste, kramen ihre besten Stücke heraus und spielen sechs Mal das Musikprogramm „Rocken bis qualmt“. Derzeit treffen sie sich im Proberaum bei Gitarrist Georg Göbel-Jakobi, besser bekannt unter dem Bühnennamen Ozzy Ostermann. Und wenn man das mal so sagen darf: Bei Knebels im Proberaum sieht es viel besser aus als bei Hempels unterm Sofa. Aufgeräumt, sauber, schallgedämmt, mit Teppichen ausgelegt, eben wie bei den Profi-Musikern, die die vier nun mal heute sind.

Über 120 Songs aus 13 Programmen

Dazu gehört natürlich auch harte Arbeit, vor allem im Vorfeld. Gut 120 Songs haben sie bis jetzt in 13 Programmen in unvergleichlich knebelscher Manier uminterpretiert. Nur etwa 15 werden sie an einem Abend spielen können. „Das Problem war, sich zu entscheiden. Es wird nach jedem Auftritt Leute geben, die ankommen und sagen: Warum habt Ihr denn jetzt nicht dieses oder jenes gespielt?“, sagt Uwe Lyko alias Herbert Knebel. Aber das ganze Repertoire durchzupeitschen, das würden wohl weder Band noch Publikum schaffen.

Nur sechs Auftritte geplant

In ihren Programmen haben die vier Komiker nur gute Erfahrungen gemacht mit ihrem Show-Mix: „Die Szenen, die Solo-Nummern und eben die Musikstücke, die darauf abgestimmt sind, das passt alles gut“, sagt Bassist Martin „Alfie“ Breuer, der in die Rolle des Ernst Pichl schlüpft. Und im Laufe der Jahre kam dabei eben einiges an Musik zusammen, was noch nie in konzentrierter Form auf die Bühne gebracht wurde. Der Anstoß dazu kam von außen: „Ein befreundeter Veranstalter hat uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten, als Herbert Knebels Affentheater mit einem reinen Musikprogramm aufzutreten. Dann haben wir ein bisschen überlegt: Sind die Leute dann nicht enttäuscht, wenn sie nur die Musik hören? Und dann haben wir gedacht: Sich für einen Auftritt so viel Arbeit zu machen, ist dann vielleicht auch nicht ganz so motivierend. Dann haben wir um diesen einen Auftritt ein paar drumrum gebaut. Jetzt gucken wir mal, wie’s angenommen wird vom Publikum“, sagt Lyko.

„Was habe ich denn sonst immer gemacht?“

Wobei so ein lustig hingespieltes Musikprogramm ja nicht nur musikalische Tücken birgt: „Da hat man dann ein paar Moves und es kann sein, dass man da live noch einen draufsetzt. Oder man hat das Gefühl dafür nicht mehr, dann muss das weg...“, sagt Göbel. „Oder man schafft es konditionell nicht mehr...“, spöttelt Lyko. „Oder man erinnert sich nicht mehr, wie das war...“, berichtet Breuer aus bitterer Erfahrung. Die zentrale Frage, wenn man aus der Übung ist, heißt laut Göbel: „Was habe ich denn sonst immer gemacht?“

Dass den Knebels das alles ungeheuren Spaß macht, merkt man sofort, wenn man ihnen beim Spielen zusieht. Gerade werkeln sie an ihrer Version von Tom Pettys „Into The Great Wide Open“ und hinter dem Schlagzeug schielt Detlef Hinze („Der Trainer“) einmal schnell durch den Raum – und Lyko muss schon grinsen, woraufhin Breuer schräg von der Seite in den Gesang einfällt und das Stück beinahe entgleist vor Lachen.

Scheitern an „Get It On“

So etwas gehört bei aller Professionalität natürlich dazu. Genau wie die Einsicht, dass manches Stück, so gerne man es spielen möchte, sich einfach nicht in ein Programm einbauen lässt. Ungern erinnern sich die vier an ihre Version von „All Right Now“ von The Free, das sie etwas schlicht in „Alles klar, heute war’n die Knebels da“ umdichteten. „Das würden wir heute nicht mehr so machen, da sind wir doch anspruchsvoller und auch pingeliger geworden“, sagt Alfie Breuer.

Und wer sich schon heimlich eine Wunschliste gemacht hat, welchen Song das Affentheater mal zu Gehör bringen könnte, sollte „Get It On“ von T-Rex getrost wieder streichen. „Das ist eine super Nummer, die uns astrein zu Gesicht stehen würde. Aber es fällt uns einfach nichts Gescheites dazu ein“, meint Lyko. Während von der Seite Göbel fröhlich mit den grandiosen Refrain-Fehlversuchen „Aum Balkon“ oder „Mit Beton“ einstimmt.

In anderen Fällen ging es ganz schnell. Gesetzt für den August ist etwa „Papa war en Rolling Stones“. Und auch bei diesem Song müssen die Knebels zig mal probieren, bis er ganz flüssig klingt. Wie andere Musiker eben auch, meint Lyko: „So ist das nämlich: Wenn das Stück dann fertig ist, kannst Du selbst es schon nicht mehr hören. Und dann musst du es aber noch 200 Mal spielen. Naja, oder in diesem Fall nur sechs Mal.“

  • Herbert Knebels Affentheater ist unterwegs mit dem Musikprogramm „Rocken bis qualmt“: 15.8. Stadtlohn, Lokomotiv, 18.8. Schwerte, Rohrmeisterei, 20.8. Kleve, Spiegelzelt, 28.8. Langenfeld, Schauplatz, 29.8. Duisburg, Steinhof. Parallel läuft das Programm „Männer ohne Nerven“: u.a. 9.5. Gelsenkirchen, 31.5. Straelen, 3.6. Bottrop, 12.6. Castrop-Rauxel, 4.&5., 11.&12.9. Essen,

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