So lacht das Revier – Mit René Steinberg im wahren Leben

So lacht das Revier mit René Steinberg

Mülheim an der Ruhr, 26.02.2015: Ein Stadtrundgang mit dem Kabarettisten René Steinberg.
Fr, 27.02.2015, 19.34 Uhr

Mülheim an der Ruhr, 26.02.2015: Ein Stadtrundgang mit dem Kabarettisten René Steinberg.

Beschreibung anzeigen
Der Mann hinter „Von der Leyens“: René Steinberg macht tags Polit-Comedy fürs Radio, abends ist er auf der Bühne. Zuhören ist sein Erfolgsgeheimnis.

Mülheim/Ruhr.. Er ist ein Mann mit vielen Stimmen und nicht ganz so vielen Gesichtern. Aber dass bei René Steinberg die Stimmen in der Überzahl sind hat schon einen guten Grund: Fürs Radio schlüpft er regelmäßig in zig unterschiedliche Rollen. Von ihm stammen solch schillernde Serien wie „Sarko de Funès“, „Frittieren mit Calli“, „Schloss Koalitionsstein“ mit dem unvergleichlichen „Pofallaraff“ und nicht zuletzt der Dauerbrenner „Die von der Leyens“. Doch wenn man René Steinberg fragt, was die Quelle seines immensen Schatzes an Gags und komischen Sprüchen ist, dann merkt man, wie bodenständig er ist.

„Ich sage: Die Realität toppt immer! Egal, was man sich ausdenkt, es wird von der krassen Wirklichkeit immer noch einer oben draufgesetzt. Du kannst noch so viel Fiktionsvermögen haben, es gibt Sachen, die du erlebst und bei denen du denkst: Wie großartig ist das denn jetzt? Der erste Anstoß muss aus der Wirklichkeit stammen.“

Im achten Jahr der „Von der Leyens“

Komiker aus der Region Wir treffen uns im Mülheimer Stadtcafé Sander, einem auf liebenswerte Art altmodischen und traditionsbewussten Ort, an dem Steinberg unter normalen Umständen gewiss die Ohren spitzen würde, um zwischen dem Klirren von Kaffeetassen und Kuchengabeln den ein oder anderen Satz zu erlauschen. Wenn... ja, wenn wir nicht noch eine Videokamera dabei hätten, die natürlich für ein bisschen Distanz und Aufmerksamkeit sorgt. Und auch wenn Steinberg mittlerweile Säle ausverkauft: Hier wird er selbst nicht erkannt. So richtig regelmäßig mit seinen Soloprogrammen auf der Bühne steht er auch erst seit 2012. Zu hören ist er schon viel länger.

„Wir sind mittlerweile im achten Jahr mit den ,Von der Leyens’. Mein Part: zu schreiben, zu produzieren und zu sagen ,Was ist denn hier schon wieder los?’ Ich habe in den letzten Tagen Folge 793 fertig gemacht. Und es geht immer noch gut“, erzählt er. Die Kinder, die in der Serie zu hören sind,stammen übrigens aus der Eigenproduktion der Familie Steinberg. „Tipp für die Radiohörer, mal drauf achten: Ich schreibe extra auch so, dass es Sachen sind, die Kinder gerne sprechen. ,Mama, du hast ja keine Ahnung!’ ,Wir wollen Schokolade!’“ Und was ist das Geheimnis des Erfolgs? Das ist eine Frage, die man sich ja auch öfter bei der echten Ursula von der Leyen stellt. Aber zumindest für ihr Comedy-Pendant hat Steinberg eine Erklärung: „Es hat damit zu tun, dass wir das, was in der Welt passiert, mit der Ministerin verknüpfen – und mit dem ganz normalen Familienwahnsinn. Da gibt es ungeahnte Möglichkeiten, da geht alles“, freut er sich.

„Man kann es sich nicht besser ausdenken“

Acht Jahre sind eine lange Zeit – und sie umfasst mehrere Legislaturperioden, in denen manches Wunder geschehen ist. „Drei Monate vor den Wahlen habe ich eine Folge gemacht, bei der die Kinder wissen wollten: Mama, welches Amt bekommst du denn? Wir haben dann so rumgedacht. Und die Schlusspointe war: Verteidigungsministerin. Weil mir das einfach am absurdesten erschien. Als sie es dann tatsächlich wurde, habe ich gesagt: Man kann es sich nicht besser ausdenken.“

Von manchen Figuren, die er selbst geschaffen hat, musste sich Steinberg im Laufe der Jahre auch schweren Herzens verabschieden, etwa vom schleimigen „Pofallaraff“. „Kaum ein Politiker war so farblos wie Ronald Pofalla. Er war die zweidimensionale Rigips-Pappwand in Schwarzweiß. Und ich fand reizvoll, da mal eine Figur draus zu machen.“ Und so wurde er in Anlehnung an den devoten Riffraff aus der „Rocky Horror Picture Show“ zum Türöffner auf „Schloss Koalitionsstein“.

All diesen Figuren begegnet man wieder, wenn René Steinberg abends auf die Bühne geht, bei seinen Solo-Programmen – und teils auch bei den Mixed-Shows. Er ist Ensemblemitglied bei der Oberhausener „Nachgewürzt“-Show und oft zu Gast bei Helmut Sanftenschneiders „Nachtschnittchen“, die durch verschiedene Ruhrgebietsstädte zieht.

Reiner Calmund bleibt ein Dauerbrenner

Unerreicht und unnachahmlich dabeiist seine Imitation von Reiner Calmund, die nun auch schon recht lange in verschiedenen Variationen im Programm ist. Und die sich erstaunlicherweise auch nicht totläuft. „Da war ich letztens bei einem renommierten Kleinkunsttheater. Der Veranstalter hat erst gesagt: ,Schon wieder Calmund? Boah, der ist doch langsam durch.’ Und dann hörte er die Radionummer, die ich später auch für die Bühne umgesetzt habe – und er sagte: ,Verdammt noch mal, ich musste rechts ranfahren, weil ich nicht mehr konnte vor Lachen.’ Und ich dachte: Ja, lachen ist eben die Währung.“

Fester Bestandteil seiner Programme sind auch die Spielereien mit O-Tönen. Denn als Steinberg noch nicht auf WDR 2 seine festen Sendeplätze hatte, betreute er bei 1Live die O-Ton-Charts und entdeckte dabei zahlreiche Klassiker aus dem echten Leben.

Womit wir wieder bei der unschlagbaren Realität wären. Und um diese These auf die Probe zu stellen, bummelten wir mit Steinberg ein bisschen über die Mülheimer Schloßstraße und ihre Seitenstraßen. Was Steinberg dabei erlebte und wie er quasi über lustige Dinge stolperte, haben wir im Video festgehalten. Schauen Sie selbst mal nach im Netz...

  • René Steinberg live:2.3. Düsseldorf, Uerige, 3.3. Leverkusen, KD, 6.3. Wadersloh, 10.3. Herne, „10 Jahre Nachtschnittchen“, 13.3. Duisburg, Steinhof Huckingen, 14.3. Lüdinghausen, Aula der Realschule, 15.3. Düsseldorf, Kommödchen, 20./21.3. Oberhausen, „Nachgewürzt“, 15.4. Bochum, Zeche Hannover, „Nachtschnittchen“.

EURE FAVORITEN