So lacht das Revier – Die Fee mit dem besonderen Dreh

So lacht das Revier mit Liedermacherin Fee Badenius

Essen, 27.05.2015: Felicitas "Fee" Badenius singt und isst für ihr Leben gerne. Und am liebsten singt sie über's Essen. Denn Essen, das ist ein bisschen wie Liebe, findet sie.
Fr, 29.05.2015, 18.19 Uhr

Essen, 27.05.2015: Felicitas "Fee" Badenius singt und isst für ihr Leben gerne. Und am liebsten singt sie über's Essen. Denn Essen, das ist ein bisschen wie Liebe, findet sie.

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Die tragisch-komischen Lieder von Felicitas Badenius machen Appetit auf mehr. Wir trafen das Text-Talent in einer Trattoria in Witten beim Pizza-Werfen.

Witten.. „Einen Pizzateig muss man wie eine Schwiegermutter behandeln“, sagt Alireza Kordi, während er einen Fladen formt. „Weit von sich wegschieben?“, entgegnet Felicitas Badenius. „Nein, um Gottes Willen!“, ruft der 48-jährige Gastronom. Vorsichtig müsse man sein, den Teig wie ein rohes Ei behandeln. Der Chef der „Trattoria Pavarotti“ am Wittener Rathausplatz ist für einen Vormittag Felicitas Badenius’ Lehrer. Sie möchte lernen, wie man eine richtige Pizza backt. Und sie nicht einfach nur aus der Folie in den Ofen packt.

Eigentlich ist die 29-Jährige ja selbst Lehrerin, mit einer halben Stelle an einer Waldorfschule in Witten. Bekannter aber als Liedermacherin, die in ihren hintersinnigen Texten so manchen kulinarischen Vergleich verarbeitet und damit ihre Zuhörer herzhaft lachen lässt. Wie etwa bei „Du schmeckst mir“ auf ihrem aktuellen Album „Feelosophie“: „Wenn ich Dich anseh’ krieg ich Appetit, weil Dein Duft mich so anzieht. Du sollst mich kneten und packen und danach in Deiner Hitze backen.“

Doch wie so oft enden Liebe wie Lied tragisch (und komisch): „Aber Du lässt mich köcheln und schmoren. Du streust mir Salz auf meine Wunden, Petersilie in die Ohren. Du lässt mich verhungern am langen Arm. Du machst mich kalt. Und hältst mich für später warm.“

Liebe und Essen, beides habe mit Genuss zu tun, sagt Felicitas Badenius schmunzelnd: „Manchmal sieht es aber besser aus, als es schmeckt.“ Wobei sie den Mann ihres Geschmacks bereits kennengelernt und geheiratet hat, den Kabarettisten René Sydow. Die Hochzeit vor einem halben Jahr haben sie in der Wittener Trattoria gefeiert. Das Lokal war zu ihrem zweiten Zuhause geworden, als sie nach einem Umzug eine Zeit lang ohne Küche leben mussten. So schlimm war das rückblickend aber nicht, denn Fee Badenius’ Talent, so sagt sie selbst, liegt weniger beim Kochen. Dafür umso mehr beim Texten.

Anfangs war es nur ein Tagebuch

Dass sie jemals mit ihren Liedern auftreten würde, hätte sie anfangs nicht gedacht. Bereits als Teenager hat sie geschrieben, mit 18 brachte sie sich das Gitarre-Spielen bei. „Ich habe ein musikalisches Tagebuch gemacht. Immer, wenn mich etwas beschäftigt hat, habe ich ein Lied darüber geschrieben“, erzählt Felicitas Badenius, die viele „Fee“ nennen. „Das war ganz privat.“ Doch als ihr damaliger Freund – und heutiger Mann – ihre Lieder hörte, gab er ihr den Rat: „Geh’ damit auf die Bühne!“

Bereits bei ihrem ersten Auftritt 2009, bei einem Chanson- und Liedwettbewerb in Stuttgart, gewann sie einen Förderpreis. „Ich war so angefixt und habe gedacht: ,Das möchte ich noch mal machen, mit weniger Aufregung’“ Danach folgten weitere Auftritte, sie gewann Song-Slams und Kleinkunstpreise und veröffentlichte ihre erste CD „Feemannsgarn.“

Lübeck ist Fee Badenius’ Heimatstadt; zum Lehramtsstudium kam sie nach Witten. Ihre Ausbildung war beendet, als ihre Karriere auf der Bühne begann. Seitdem führt sie zwei Leben: das der Liedermacherin und das der Lehrerin an der Blote Vogel Schule. Sie möchte keines missen. Der Beifall ist schön, aber Kinder zu begleiten auch erfüllend. „Das glaubt mir nur keiner. Ich werde oft gefragt, ob ich den Lehrerberuf nicht an den Nagel hängen will.“ Und wenn die Fee einen Wunsch frei hätte? „Fliegen“, sagt sie und lacht. „Ich bin froh, dass ich von der Musik nicht leben muss, weil es einen unter Druck setzt. Ich möchte so weitermachen wie bisher, die nächste CD rausbringen.“

Bitter-süß wie das Leben

In der Pizzeria hat sie die Tomatensauce und den Käse auf dem Teig verteilt. Mit der Pizzaschaufel, die an einen Schneeschieber erinnert, legt sie den Fladen in den 400 Grad heißen Buchenholz-Ofen. In etwa vier Minuten ist er gebacken, aber noch nicht fertig. Denn, um diese „Margherita“ in Fee Badenius’ Lieblingspizza „Primavera“ zu verwandeln, braucht es noch etwas Frisches: Rucola und Tomaten. Bitter-süß. Wie das Leben.

Und wie das heute so große Thema „Ernährung“, das sie mit viel Humor in ihrem Lied „Fleisch-ess-Lust“ besingt: „Ich wär’ so gerne lieb zu allen Tieren, nur warum hat Gott sie so lecker gemacht? Ich weiß, ich sollte mich genieren, doch ich denke an Serrano in der Nacht.“

Fee Badenius zeigt den inneren Konflikt, auf Fleisch verzichten zu wollen (oder zu müssen, weil es viele für richtig halten). Es aber nur schwer zu können. Obwohl sie selbst kaum noch Fleisch isst, kennt sie dieses Ringen mit sich selbst, wenn der Duft von Bratwurst in der Luft liegt. „Viele Menschen sprechen auf das Lied an, ob das nun Veganer sind oder welche, die immer grillen und eine Entschuldigung dafür suchen. Endlich sagt mal jemand, dass das gar nicht so leicht ist, Vegetarier zu sein.“

Zurzeit schreibt sie über die „Frauenquote auf der Bühne“. Wenn sie bei einer Mixed-Show zusagt, hört sie schon mal den Satz: „Super, dann haben wir auch eine Frau im Programm.“ Dabei gebe es so viele gute Komikerinnen, die nicht nur Geschlechter-Klischees bedienen. „Frauen haben viel zu sagen, aber sie kriegen nicht so oft die Gelegenheit dazu.“

Fee Badenius hat ein Gespür für Themen, die die Menschen bewegen. Dabei spielt sie gerne mit Ironie. „Viele Dinge kann man dann aussprechen, ohne dass es einem gleich vorgeworfen wird.“ Doppeldeutig und intelligent sind ihre Texte. Nicht alle sind komisch, manche sollen melancholisch bleiben.

Mittlerweile steht sie nicht mehr alleine auf der Bühne, drei Musiker begleiten sie heute. Kontrabass und Akkordeon und – ganz neu – ein Schlagzeug – geben ihren Auftritten noch etwas mehr Würze. Gitarren-Unterricht möchte sie aber immer noch nicht nehmen. „Ich habe es mal versucht, zwei Stunden lang. Der Lehrer war verzweifelt, er sagte, ich habe mir schon so viel falsch angewöhnt, dass ich eigentlich wieder bei Null anfangen müsste“, sagt sie mit ihrem gewinnenden Lächeln. Fee Badenius ist nachdenklich und entspannt zugleich. Eine Mischung, die ihren Zuhörern schmeckt.

Pizzabacken als Show

In der Trattoria Pavarotti zeigt ihr Kordi, wie man mit dem Teig jongliert. Wofür ist das gut? „Nur ein bisschen Show“, verrät er. „Damit der Kunde Appetit bekommt.“ Wirklich? „Mein Pizzabild stürzt zusammen“, sagt Fee Badenius lachend und wirft den Teig in die Luft. Fehlt nur noch eins zur perfekten Pizzabäckerin, meint Kordi: „Du musst dabei singen: ,O sole mio’.“

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