Sänger James Blunt über ein zu früh verkündetes Karriereende

James Blunt findet nichts dabei, dass manche seinen Namen wie ein Schimpfwort benutzen.
James Blunt findet nichts dabei, dass manche seinen Namen wie ein Schimpfwort benutzen.
Foto: Warner
Mit „You’re Beautiful“ und „Goodbye My Lover“ landete James Blunt nicht nur Welthits, der britische Songwriter lieferte damit auch die beliebtesten Lieder für Hochzeiten und Beerdigungen. Nun meldet sich der 39-Jährige mit seinem vierten Album „Moon Landing“ zurück. Ein Gespräch über Widersacher.

Köln. Lässig in Jeans, Turnschuhen und mit schwarzer, runder Sonnenbrille, die er höflicherweise abnimmt, begrüßt er uns. Dass es sein letztes Interview an einem langen Tag ist, merkt man dem ehemaligen Soldaten nicht an. Munter und schlagfertig erzählt er vom Mannsein, vom Jungsein und von Leuten, die sich zu früh gefreut haben.

Mr. Blunt, Ihre Single „Bonfire Heart“ geht seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf . . .

James Blunt: Perfekt, so soll es sein!

Aber haben Sie nicht Angst, dass Leute – wie schon bei Ihrer Single „You’re Beautiful“ – total genervt sind, wenn Ihr Song vom Radio wieder totgedudelt wird?

Blunt: Ach nein, und wenn schon!

Stören Sie die Pessimisten etwa nicht?

Blunt: Sie meinen die Menschen, die finden, dass meine Musik romantisch klingt? Nein. Echte Emotionen sind das, worum es in der Kunst geht! Außerdem bin ich nicht in einer Band, ich bin Solokünstler. Allein auf der Bühne vor 80.000 Leuten zu stehen oder wahlweise vor zehn Millionen Fernsehzuschauern und dort seine Seele zu entblößen, Schwächen zu zeigen, sich selbst und das Publikum nicht zu belügen, braucht Stärke, Selbstbewusstsein und Mut. Das sollten die Nörgler wissen.

Ein Betrunkener soll in England einen Polizisten beschimpft haben mit den Worten „James Blunt“. Er wurde dafür sogar mit einem Bußgeld bestraft. Gilt Ihr Name in England mittlerweile als Schimpfwort?

Blunt: Blunt reimt sich auf ein derbes Wort im Englischen, deshalb.

Sie meinen „cunt“?

Blunt: Exakt. Mein Name ist also wie Slang. Aber ich bin nicht verletzt dadurch, solange es nur mich betrifft. Wir sind nun mal eine Nation der Fluchenden. Wenn jemand einen Namen als Beschimpfung benutzt, hat man es doch geschafft.

Vor einem halben Jahr kündigten Sie an, keine Musik mehr machen zu wollen!

Blunt: Stimmt, das habe ich auch in der „Daily Mail“ gelesen: Dass ich mich mit meiner Modelfreundin auf meine Yacht in Ibiza zurückziehen werde. Allerdings besitze ich keine Yacht, sondern ein Schlauchboot. Die Story las ich, als ich im Studio in Los Angeles saß und an neuen Songs schrieb.

Und was sagen Sie den Leuten, die jetzt sehr enttäuscht sind, dass Sie doch nicht aufhören wollen?

Blunt: Kopf hoch! Ich habe jedenfalls Spaß! Außerdem stimmt es sogar: Auf gewisse Weise habe ich aufgegeben.

Wie meinen Sie das, Sie hätten aufgegeben?

Blunt: Nun, als ich anfing Musik zu machen, war ich beim Independent-Label Custard Records unter Vertrag. Tom Rothrock, der mit mir an den ersten Songs arbeitete, ist ein waschechter Independent-Produzent, der bereits mit Beck und Elliott Smith fantastische Indie-Platten aufgenommen hatte.

Tom und ich haben mit sehr kleinem Budget mein Debüt „Back To Bedlam“ produziert. Doch dann passierte das Unglaubliche: Die Platte wurde riesig, verkaufte sich millionenfach in der ganzen Welt. Heute reden die Leute darüber, als wäre „Back To Bedlam“ die Musik eines Popstars! Aber das stimmt nicht. Ich bin kein Popstar! Es ist schon merkwürdig, wie die Welt meinen Erfolg wahrnahm.

Ihre neue Platte heißt „Moon Landing“. Das ist aber ein ganz schön blöder Titel!

Blunt: Finden Sie? Ich finde nicht, denn die Mondlandung war ein staunenswerter Moment für die Menschheit. Es ist ein Erfolg der alten Schule – wunderschön, romantisch, einsam, groß. Denn wir können dieses Ereignis nie wiederholen, so wie wir die erste Liebe nicht wiederholen können oder das erste Entdecken meiner Musik auf meiner ersten Platte.

Sie behaupten, dies wären Ihre persönlichsten Songs. Es ist offensichtlich, dass es darin viel um Liebe geht.

Blunt: Es handelt von Verbindungen, die wir als Menschen untereinander haben. Wir alle brauchen Beziehungen. Wir werden geboren, leben unsere Leben alleine, aber sind auf der Suche nach irgendeiner Art von Verbindung – ob das nun Freundschaft oder Liebe ist. Wir wollen, dass sich jemand um uns kümmert und dass wir uns um jemanden kümmern können. Das ist die menschliche Natur.

Eigentlich wollte ich darauf hinaus, wie ernst es mit Ihrer Freundin Sofia Wellesley ist. Denn auf der Platte klingt es so, als wäre es Ihnen ziemlich ernst damit!

Blunt: In den Liedern geht es auf jeden Fall um echte Lebenserfahrungen. Aber da ist nicht nur Freude, sondern auch Traurigkeit, denn ich habe beides erlebt, Höhen und Tiefen.

Und im Moment?

Blunt: Im Moment lächle ich.

Irgendwelche Heiratsanträge, von denen Sie uns berichten möchten?

Blunt: Wir wollen doch nicht die „Daily Mail“ neu auflegen, oder? Machen Sie sich keine Sorgen, ich schreibe auch weiterhin traurige Songs.

Der weinerliche James Blunt ist also noch immer da?

Blunt: Können wir es vielleicht lieber Melancholie und Nostalgie nennen statt Weinerlichkeit?

Okay. Aber wie ist das jetzt mit dem Hochzeitsantrag?

Blunt: Wenn Sie mir einen machen wollen, muss ich erst Ihre Eltern kennenlernen!

In dem Song „Heart To Heart“ singen Sie: „You make me feel like a boy, not like a man.“ Wann fühlen Sie sich wie ein kleiner Junge?

Blunt: Ach, ich bin immer einer. Ich bleibe so jung wie ich nur sein kann. Deshalb lebe ich in Ibiza – denn da gibt es das junge Leben. Auch das Leben auf Tour ist ein Spiel der kleinen Jungen. Wenn du mit einer Horde von Männern unterwegs bist und jeden Tag woanders, ist man weit entfernt vom Verhalten eines Erwachsenen.

Aber um noch mal darauf zurückzukommen: Die besagte Zeile machen Sie nicht an einer bestimmten Situation fest?

Blunt: Wie gesagt, es sind alles echte Situationen. Es gibt nun mal Momente in meinem Leben, wo ich mir kindisch vorkomme, albern und jungenhaft.

Wann zuletzt?

Blunt: Ich habe gestern mit den Interviews fürs neue Album angefangen. Vermutlich also den Tag davor, als es sich noch unbeschwerter lebte.

Nun sind Sie ja neuerdings auch Fotomodell für die Männerdüfte von Mexx. Duften Sie auch danach?

Blunt: Sie dürfen gerne an mir schnüffeln, wenn Sie mögen. Rieche ich frisch?

Nein, Sie haben heute wohl zu viel gearbeitet. Ich rieche überhaupt nichts, ehrlich gesagt. Aber Sie tragen das Parfüm?

Blunt: Nun ja, ich habe jahrelang bei der Armee gearbeitet. Wir Army-Typen mögen es sauber, und wir gehen auf Nummer sicher, dass wir präsentierbar sind. Der Unterschied ist, dass ich nicht mehr im Panzer sitze, sondern im Tourbus.

Fühlen Sie sich sexy, wenn Sie auf einer Bühne stehen und bewundert werden?

Blunt: Definitiv nicht. Ich stehe auf einer Bühne, um mit den Leuten etwas zu teilen. Und ich bin ziemlich klein. Wenn ich also nicht auf einer Bühne stände, wären sie gar nicht in der Lage, mich zu sehen.

  • James Blunt: Moon Landing (Warner) . Live: 5.3.2014 Oberhausen, 8.3. Köln
 
 

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