Robert Griess entlarvt mit Humor den Irrsinn der Welt

So lacht das Revier mit Robert Griess

Robert Griess veranstaltet einen Livetalk zum Thema "Strukturwandel". Mit dabei sind Herr Stapper auf Hartz IV, Theo von den Grünen und der Unternehmensberater Alfons von Ascheberg-Aldenhoven.
Fr, 22.05.2015, 15.40 Uhr

Robert Griess veranstaltet einen Livetalk zum Thema "Strukturwandel". Mit dabei sind Herr Stapper auf Hartz IV, Theo von den Grünen und der Unternehmensberater Alfons von Ascheberg-Aldenhoven.

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Der Kabarettist Robert Griess hält den Menschen den Spiegel vor. Für unsere Serie schlüpfte er gleich in mehrere seiner Rollen und fingierte eine witzige Talkshow.

Bochum.. „Mitleid kriegst du umsonst, Hass musst du dir erarbeiten. Und ich arbeite gut.“ Das Wort hat Alfons von Ascheberg-Aldenhoven, Triple-A-Consultant bei Pricewaterhousewives International. Der Unternehmensberater ist Gast einer ungewöhnlichen Talk-Runde. Der Moderator: Robert Griess, seines Zeichens Kabarettist, der sein Gesicht gleich mehreren Figuren leiht: Dem gewissenlosen Zahlendreher Alfons von Ascheberg-Aldenhoven ebenso wie dem Grünen Gut-Menschen Theo und dem Publikumsliebling Stapper – ein Mann aus der Unterschicht, der allen Menschen, die gesellschaftlich höher stehen, das Fürchten lehrt. Das Phantom der Wohlstandsgesellschaft.

Robert Griess macht vor niemandem Halt: Er hat auch schon Angela Merkel imitiert. Aber die Kanzlerin hat der Kölner dieses Mal zuhause gelassen, als er sich aufgemacht hat in die Stadt seiner Studientage: Bochum. Dort schlüpft er – auf einer Bank vor einer Bank – für unser Video in die verschiedenen Figuren, um sie miteinander diskutieren zu lassen.

Also lauschen wir weiter der Talkshow. Alfons von Ascheberg-Aldenhoven erklärt gerade, was er unter guter Arbeit versteht: „Morgens Frankfurt, abends London, nächsten Tag New York – ich komm’ täglich auf mindestens 28 Arbeitsstunden. Ich weiß, der Tag hat nur 24, aber ich fliege immer gegen die Erdumdrehung, manchmal lande ich früher als ich gestartet bin. Am Ende bleibt auf jeden Fall ein Plus. Aber erzähl’ das mal einem Lehrer!“

Ermittlungsverfahren wegen links-radikaler Propaganda

Griess ist ein politischer Kabarettist, wie man ihn zwar noch auf den Bühnen findet, aber immer seltener im Fernsehen: bissig und entlarvend. Sein erster Auftritt während des Zivildienstes war zusammen mit Gleichgesinnten bei einer Demo zum Tschernobyl-Jahrestag. Doch ihr Anti-Atomkraft-Kabarett brachte ihnen direkt ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft ein. „Wegen links-radikaler Propaganda.“ Die Gruppe trennte sich, weil einige Angst hatten und sagten: „Ich kann so etwas nicht in meiner Akte gebrauchen!“ Griess: „Das war die 80er-Jahre-Paranoia.“ Er machte jedoch weiter. Heute schreibt er nicht nur seine eigenen Programme, sondern auch für Kollegen, fürs Kom(m)ödchen oder die Distel.

Für den Unternehmensberater tauscht Griess seine runden Gläser gegen ein markantes Gestell. „Die Brille dominiert völlig das Gesicht, da bekommt man schnell diese arrogante Ausstrahlung“, sagt der 49-Jährige mit einem sympathischen Lächeln, das er sich als Alfons von Ascheberg-Aldenhoven verbietet. Überhaupt braucht der Kabarettist nur wenige Requisiten, um sich zu verwandeln. Er ist zwar kein gelernter Schauspieler, sondern Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftler. Aber Mimik und Gestik verfehlen ihre Wirkung nicht. Brille ab, Unterlippe hängt, Herr Stapper hat seinen Auftritt: „Wir haben ein Jubiläum dieses Jahr“, lässt er verlauten. „Zehn Jahre Hartz IV – und ich bin von Anfang an dabei!“

"Lachen von unten über oben"

Stappers beigefarbene Jacke mit Schlangenleder-Imitat hat Griess’ Bruder entdeckt. Eigentlich ist sie ein Markenprodukt – von 210 auf 30 Euro reduziert. Aber die Zielgruppe sei in Deutschland zu klein: „Japanische Rapper oder Russische Reiche.“ Setzt sich Griess jedoch die farbenfrohe Fransenmütze auf, ist er der Theo, der schon ewig bei den Grünen ist, aber dessen Karriere in der Kommunalpolitik steckenblieb. Mit nasaler Stimme echauffiert er sich über die Frau von der Leyen und ihr Ministerium: „Das G36-Gewehr aus dem Kalten Krieg trifft im heißen Krieg gar nicht mehr!“ Da hat der Theo einen besseren, einen grüneren Vorschlag: „Wenn getötet wird, dann nicht mehr feige aus der Entfernung mit der Drohne, sondern mit dem Bajonett. So Mann gegen Mann. Das macht zwar Aua, ist aber wenigstens Fair Kill.“

Griess setzt bei Klischees an – damit die Leute „was zum Wiedererkennen haben“ – dreht sie dann weiter oder zerstört sie ganz. So heißt Stappers Sohn nicht einfach nur Kevin, sondern Kevin-Fernando. Und Stapper ist ein Unterschichts-Rebell, der sich nicht „chipsfressend auf der Couch mit seiner Situation abgibt.“ Im Gegensatz zu einigen Comedians möchte Griess keine Schadenfreude verbreiten. Sein Verständnis von Kabarett ist: „Lachen von unten über oben. Man macht sich über feststehende Weltbilder lustig, über Autoritäten.“ Als junger Mensch hatte Griess gehofft, mit Kabarett etwas bewegen zu können. „Man kann im Kopf der Menschen Vorurteile aufbrechen, aber damit es zu einer Veränderung in der realen Welt kommt, braucht es dann halt doch mehr als Späße darüber zu machen“, reflektiert Griess heute seine Arbeit. Trotzdem will er kein wichtiges Thema auslassen, selbst um das Flüchtlingsdrama macht er in seinem neuen Programm – „Ich glaub’, es hackt“ – keinen Bogen: „Während der politische Flüchtling überall auf der Welt gehasst wird, ist der Steuerflüchtling stets willkommen.“

Griess, der auch Künstlerischer Leiter des Kölner Streithähne-Festivals für politisches Kabarett ist, schlüpft in die Rolle des Stappers, um die Mittelschicht kritisieren zu können – sein eigenes Publikum. „Würde ich das alles als Griess sagen, wäre ich ein Nestbeschmutzer.“

Herr Stapper will die Revolte

Also lassen wir zum Schluss Stapper selbst noch mal zu Wort kommen: „Im Privat-Fernsehen werden wir immer nur vorgeführt, triebgesteuert und dauerbesoffen, nach dem Motto ,Deutschland sucht den Super-Asi’. Damit die Mittelschicht sich vor der Unterschicht gruselt und dabei vergisst, der Oberschicht auf die Finger zu klopfen. Ich bin für die Revolte!“

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