Nicht jeder ist willkommen – Trattoria Medi in Mülheim

Foto: imago stock&people 9xklug
Trotz Reservierung hatten wir nicht den Eindruck, in diesem Lokal willkommen zu sein. Ein Besuch bei Trattoria Medi in Mülheim-Saarn.

Mülheim..  In den vielen Jahren, die ich diese Kolumne mit Freude und Dankbarkeit fülle, habe ich das Zählen aufgegeben. Doch dürfte ich beim Besuch der Trattoria Medi bei Nummer 713 liegen. Ich werde die Visite nicht vergessen.

Es ist Abend, scheußlicher Regen über den Fachwerkdächern in Mülheims schönem Stadtteil Saarn. Da freut die Wärme einer mediterranen Einkehr. Doch trifft uns beim Betreten ein Blick, der mich ein bisschen erreicht wie „Was wollt Ihr denn jetzt hier, wir haben nun wirklich genug Gäste.“

Wir verweisen freundlich auf unsere Reservierung. Leichte Verwirrung, Zeit vergeht, verzagte Blicke. Der Chef erklärt, die Reservierung sei versehentlich für den Tag darauf erfolgt. Nicht der Chef, zwei freundliche Gäste sind es, die uns mitteilen, sie seien im Aufbruch, ihr Mini-Tisch an der Garderobe werde frei. Wir richten uns bestmöglich ein, gestatten uns (nicht auf der Karte) ein Focaccia (köstlich, 4,90 €) zu bestellen und beobachten, wie Menschen, die sich hier offenbar größerer Bekanntheit erfreuen, mit etwas mehr Engagement an ihre Tische geführt werden.

Die Krönung folgt: Bei unserer Bestellung, zuckt der Chef merklich, da wir wagen, das Wort Vorspeise in den Mund zu nehmen. Also, es sei sehr voll, da würde er von einer Vorspeise abraten. Dass es andernfalls „sehr lange dauern“ würde, klingt fast wie eine Drohung. Wir halten stand, essen Caprese, Gorgonzola-Pasta, ordentliche Steinofen-Pizza und ein Tiramisu mit beherzter Kaffee-Note. Alles okay, nur zur Wiederkehr reicht das nie und nimmer. Ob der Patron es gespürt hat? Wir sind schon im Mantel, da bietet er uns Grappa an. Lieber Herr, das war zu spät.

Medi, Düsseldorfer Str. 6, 45481 Mülheim.Tel. 0208-46 94 72 40, keine Website.

Preise: Vorspeisen ab 6 €, Pizza ab 7, Edleres wie Steinbutt natürlich hochpreisiger. Fair.

Ambiente: Ein bisschen das Offene-Küche-Prinzip, eng und nett gesellig. Die Stammgäste des „Medi“ lieben es.

Service: Vielleicht haben wir nur Pech gehabt. Aber das mit der zweiten Chance für den ersten Eindruck kennen Sie ja. . .

 
 

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